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Gegenwicht zu Netflix und Amazon ARD-Plan eines „europäischen Youtube“ spaltet die Medienbranche

Die ARD will ein Gegenwicht zu den US-Streaming-Marktführern herstellen. Unterstützung kommt von Pro Sieben Sat 1 und RTL. Das ZDF wartet lieber aber ab.
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ARD-Chef Wilhelm plädiert für eine europäische Medienplattform, an der sich Private und Öffentlich-Rechtliche beteiligen. Quelle: dpa
Streamingdienste

ARD-Chef Wilhelm plädiert für eine europäische Medienplattform, an der sich Private und Öffentlich-Rechtliche beteiligen.

(Foto: dpa)

München, Wien Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm spaltet mit seinem Vorschlag eines europäischen Youtube die Medienbranche. Unterstützung kommt vom größten Privatfernsehkonzern in Deutschland, Pro Sieben Sat 1. „Wir begrüßen es sehr, dass der ARD-Chef nun einen Vorstoß in diese Richtung macht“, sagte Konzernvize Conrad Albert dem Handelsblatt.

Neu sei die Idee aber nicht. In Österreich verfolge Pro Sieben Sat 1 diesen Ansatz seit einiger Zeit. „Wir als gesamte Gruppe stehen für Kooperationen zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Privaten nicht nur bereit, sondern laden auch zu einer raschen Umsetzung ein“, so Albert.

ARD-Chef Wilhelm plädiert für eine europäische Medienplattform, an der sich Private, Öffentlich-rechtliche, aber auch Institutionen aus Bildung und Kultur beteiligen können. „Was wir brauchen, ist eine europäische digitale Infrastruktur – eine Plattform von Qualitätsangeboten im Netz“, hatte der frühere Regierungssprecher von Kanzlerin Angela Merkel dem Handelsblatt gesagt.

Es brauche für eine annähernd vergleichbare Reichweite eine Art europäisches Youtube mit Elementen von Facebook für den direkten Austausch mit den Nutzern sowie einer guten Suchfunktion. Er sprach von einem Angebot, „das von Youtube, Facebook und Google gelernt hat, aber auf europäischen Idealen von Vielfalt, Qualität und Offenheit aufbaut.“

Starke Zweifel aus der Schweiz

Pro Sieben Sat 1 will dies aber nicht gleich auf europäischer, sondern erst einmal auf deutscher Ebene probieren, um ein Gegengewicht zu Netflix und Amazon darstellen zu können. „Aus dem wichtigsten und größten Markt heraus können wir dann später in andere europäische Länder ausrollen“, sagte Konzernvize Albert.

„Deshalb wollen wir auch eine gemeinsame Plattform schaffen, an der Öffentlich-rechtliche und Private beteiligt sind, die genau dies bieten kann.“ Albert warnte, der Erfolg der Plattform beruhe nicht allein auf der Attraktivität des Inhalts. Auch eine hohe Nutzerfreundlichkeit sei wettbewerbsentscheidend.

RTL verfolgt den Vorschlag der ARD ebenfalls mit Sympathie, will aber vorläufig noch seine eigenen Wege gehen. „Gerade in den vergangenen zwei Jahren haben wir gesehen, wie gefährlich es ist, wenn die Algorithmen der globalen Tech-Plattformen einen immer weiter wachsenden Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung in unseren Demokratien bekommen“, sagte ein Sprecher der RTL Group in Luxemburg.

So sei man natürlich „offen für Gespräche über Partnerschaften“, die sich an den Bedürfnissen der Zuschauer ausrichteten und zum Geschäftsmodell passten. Als privatwirtschaftliches Unternehmen sei hierbei die primäre Forderung an die Politik, für fairen Wettbewerb und fairen Zugang zu Daten im digitalen Medienmarkt zu sorgen. Der Fokus der RTL-Tochter liege aber aktuell auf dem deutlichen Ausbau der eigenen Video-on-Demand-Plattformen in den europäischen Ländern.

Das ZDF wiederum zeigt sich erst einmal skeptisch. Aus dem Interview mit Wilhelm ergäben sich keine Anknüpfungspunkte für das ZDF. „Der Appell des ARD-Vorsitzenden richtet sich zunächst an die europäische und nationale politische Ebene. Sollte daraus in der Zukunft eine konkrete Initiative entstehen, sind wir für Gespräche immer offen“, sagte ein ZDF-Sprecher.

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) zweifelt am ARD-Vorschlag. Zwar sei die Idee der Bündelung zu einer großen Informationsplattform im Grundsatz richtig, um der Konkurrenz der großen Digital-Plattformen mehr Größe und Relevanz entgegenzusetzen, sagte ein VDZ-Sprecher in Berlin.

„Der Verwirklichung stehen aber durch die vollkommen unterschiedlichen Geschäftsmodelle der freien Presse auf der einen und der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf der anderen Seite ausgesprochen große Herausforderungen gegenüber.“ Der VDZ sei gespannt auf die weiteren Vorstellungen von Ulrich Wilhelm.

Der Schweizer Medienkonzern Ringier gibt dem ARD-Plan kaum Chancen auf Verwirklichung. Marc Walder, CEO von Ringier, sagte dem Handelsblatt: „Ich fürchte, dass dieser Wilhelm-Plan nicht annähernd aufgehen kann.“ In der digitalen Welt hätten Startups Erfolg, weil sie den Nerv der Zeit träfen und mit sensationeller Geschwindigkeit und risikobereiten Investoren arbeiteten.

„So wird es auch in Zukunft sein. Dass man da mit staatlichen Subventionen erfolgreich dagegenhält, kann ich mir einfach nicht vorstellen“, so Walder. Die Realität sei dafür leider zu komplex.

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  • EINE EUROPÄISCHE PLATTFORM IST ABSOLUT NOTWENDIG

    Die EU hat mit Airbus schon mal bewiesen, dass es geht. Also mutig voran - gegen alle Bedenkenträger!

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