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Mobilfunk-Sendemast

Rennen um das Zukunftsgeschäft.

(Foto: Telefonica Deutschland)

Geheimgespräche Baut ZTE für United Internet das vierte Mobilfunknetz in Deutschland auf?

Der chinesische Telekomkonzern soll künftig nicht mehr das Netz von O2 warten. In der Not finden Gespräche über einen trickreichen Rettungsplan statt.
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Düsseldorf Deutschland und der Rest der Welt stehen vor einer Revolution. Der kommende Mobilfunkstandard 5G wird eine Datenübertragung in Echtzeit möglich machen. Geht der Plan auf, wird die Technik wie ein Turbo für Industrie 4.0 fungieren und komplett vernetzte Produktionsprozesse in einem neuen Umfang möglich machen.

Davon dürften zunächst die Industrie und dann auch die Treiber der Technik profitieren: die Telekommunikationsausrüster. Ihre Technik wird 5G überhaupt erst möglich machen. Dahinter stehen europäische Firmen wie Nokia und Ericsson. Und aus China spielen die beiden Unternehmen Huawei und ZTE eine wichtige Rolle.

Doch ZTE droht zurückgeworfen zu werden, bevor das Rennen um das Zukunftsgeschäft überhaupt erst richtig begonnen hat. Denn ZTE steht vor dem Aus für sein wichtigstes Großprojekt in Deutschland.

Doch in der schwierigen Lage laufen bereits Verhandlungen über eine Alternative. Ralph Dommermuth erwägt mit seiner Firma United Internet zum Netzbetreiber aufzusteigen. Und dafür sucht er den passenden Partner. ZTE bietet sich an.

In Geheimgesprächen geht es darum, dass ZTE nicht nur die Wartung, sondern sogar den Bau des Netzes übernehmen würde. United Internet würde das Netz leasen, wie das Handelsblatt erfuhr. Der Plan birgt großes Konfliktpotenzial. Die Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica sind entschieden gegen einen neuen Wettbewerber.

Vier Jahre lang hat sich ZTE um die Wartung und den Betrieb des Netzes von Telefónica Deutschland gekümmert. Es waren Techniker des chinesischen Ausrüsters, die auf die Masten kletterten, wenn es Probleme gab. Und sie begleiteten den Netzbetreiber in einer besonderen Phase. Denn im Jahr 2014 hatte Telefónica den Konkurrenten E-Plus übernommen. Nach der Fusion mussten beide Netze vereint werden.

Es war eine schwierige Phase. Immer wieder klagten Kunden über Netzausfälle. Bis heute rangiert Telefónica bei Tests der Mobilfunknetze mit Abstand auf dem dritten Platz hinter Deutscher Telekom und Vodafone. Vier Jahre hat es gedauert. Aber zum Jahresende will Telefónica Deutschland mit der Zusammenlegung der beiden Netze fertig sein und dann den Netzausbau vorantreiben.

ZTE wird davon kaum profitieren. Denn das chinesische Unternehmen ist raus. Telefónica hat die Wartung des Netzes an ein anderes Unternehmen übertragen. „Der Vertrag zur Netzwartung lief Ende 2018 regulär aus. Deshalb haben wir den Vertrag neu ausgeschrieben“, bestätigt Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas. Bei einer neuen Ausschreibung kamen nicht mehr die Chinesen, sondern der Mittelständler GfTD aus Dortmund zum Zug.

Ende für das Prestigeprojekt

Für ZTE ist das ein großer Rückschlag. In Branchenkreisen wird vermutet, dass mehr als die Hälfte der Beschäftigten von ZTE in Deutschland für das Telefónica-Projekt gebunden waren. ZTE wollte die Entwicklung auf Nachfrage nicht kommentieren.

Eine Entlassungswelle dürfte es nicht geben. In der Branche ist es üblich, dass bei Neuausschreibungen der Wartung das Personal übernommen wird. So ist es auch hier vorgesehen. Können sich beide Seiten einigen, würde ZTE das Fachpersonal für die Netzwartung an GfTD übergeben. „Die GfTD ist ein mittelständisches Unternehmen, das in den letzten Jahren beständig an den Anforderungen seiner Kunden gewachsen ist“, sagt Geschäftsführerin Pia Lempik.

Der Auftrag steht für ZTE jedoch für viel mehr als nur ein wichtiges Geschäft. Der Deal war eines der wichtigsten Projekte der Firmengeschichte. Als „eine der größten Auslandsinvestitionen des chinesischen Konzerns bislang“ feiert ZTE auf seiner Website bis heute den Auftrag. Den Deal begleitete ZTE mit der Ankündigung, 70 Millionen Euro investieren zu wollen.

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Für ZTE war der Auftrag von Telefónica Deutschland sehr wichtig. Im August 2015 unterzeichnete ZTE mit Telefónica einen globalen Kooperationsvertrag. Der langjährige Deutschland-Chef von ZTE, Xu Ziyang, wurde in China für seinen Erfolg in Deutschland gelobt. Im Juli wurde er zum Vorstandsvorsitzenden in China berufen. Jetzt droht sein Erfolg in Deutschland in einen Misserfolg umzuschlagen.

Analyst Dhananjay Mirchandani ist bestens vernetzt in der Branche. Er arbeitet seit vielen Jahren in der Telekommunikationsindustrie. Für das US-Analysehaus Bernstein blickt er auf die Branche. Und sein Urteil über die möglichen Folgen für ZTE fällt drastisch aus. „Wenn ZTE seinen wichtigsten Großauftrag verliert, könnte das das Ende für das Geschäft in Deutschland bedeuten“, sagt Mirchandani. „Es ist so gut wie ausgeschlossen, in Deutschland einen neuen Großauftrag zu bekommen. Das Geschäft ist fast komplett aufgeteilt.“

United Internet als Alternative

In der schwierigen Phase bietet sich ein neuer Partner an: United Internet. Gründer Ralph Dommermuth sucht nach einem neuen Geschäftsmodell. Bislang mietet er im Mobilfunk die Netze der großen Betreiber an. Bei Telefónica hat er aufgrund von Auflagen der EU-Kommission seit der E-Plus-Übernahme einen privilegierten Zugang. Zudem mietet er das Netz von Vodafone an. Unter der Marke 1&1 verkauft er Mobilfunkverträge an Endkunden weiter.

Doch es gibt ein großes Problem. Noch ist nicht klar, ob ein Netzbetreiber wie Telekom oder Vodafone einen Anbieter wie United Internet auch auf ihre künftigen 5G-Netze lassen will. Schon beim 4G-Netz bekommt United Internet von Vodafone nicht den Zugang, den die Firma gerne möchte. Seit Jahresanfang hat die Aktie von United Internet an der Börse mehr als 30 Prozent an Wert verloren.

Ralph Dommermuth hat einen neuen Plan in den Raum gestellt. Er möchte im kommenden Jahr für die Frequenzen für den 5G-Mobilfunk in Deutschland mitbieten und selbst zum Netzbetreiber aufsteigen. Dafür hat er von der Politik die richtigen Rahmenbedingungen gefordert. Ihm geht es vor allem darum, dass er einen garantierten Zugang zu den bestehenden 4G-Netzen von Telekom und Vodafone bekommt.

Denn es dürfte viele Jahre dauern, bis er ein flächendeckendes Mobilfunknetz in Deutschland aufbauen kann. Vermutlich würde er zunächst in den Großstädten ausbauen. Doch kaum ein Kunde dürfte Geld für einen Mobilfunkvertrag bezahlen wollen, den er nur in Großstädten, aber nicht auf dem Land nutzen kann.

Der Aufbau eines eigenen Netzes wäre sehr teuer und langwierig für United Internet. Bis zum 25. Januar muss sich die Firma entscheiden, ob sie für die Frequenzen mitbieten möchte. Dann läuft die Anmeldefrist für die Auktion bei der Bundesnetzagentur ab. Derzeit laufen die Kalkulationen in Montabaur, wie der Aufbau eines Netzes laufen könnte. „1&1 Drillisch hat mit allen namhaften Netzausstattern gesprochen“, sagte ein Unternehmenssprecher dem Handelsblatt. Mit zwei Anbietern seien die Verhandlungen weitestgehend abgeschlossen. „Der eine Anbieter kommt aus China“, sagte der Sprecher.

ZTE könnte ein Netz bauen

An dieser Stelle kommt ZTE ins Spiel. Denn ZTE ist nach Handelsblatt-Informationen das Unternehmen, mit dem United Internet verhandelt. Wie jede Firma möchte United Internet die Kosten und Risiken durch ein Megaprojekt – wie den Aufbau eines‧ neuen Mobilfunknetzes – minimieren.

Deshalb haben die Unterhändler von Ralph Dommermuth in Geheimtreffen den Vertretern von ZTE einen außergewöhnlichen Plan vorgeschlagen. Nicht United Internet will das Netz bauen, sondern ZTE soll den Bau übernehmen. Dafür würde das Unternehmen von Ralph Dommermuth das Netz anschließend von ZTE leasen. Damit läge ein Großteil des Investitionsrisikos auf chinesischer Seite.

ZTE könnte einen solchen Großauftrag in Deutschland gut gebrauchen – gerade jetzt, wo der chinesische Konzern das Geschäft mit Telefónica verloren hat. Noch laufen die Gespräche. Es ist nicht klar, ob das Projekt verwirklicht wird. Zu dem Plan und den Gesprächen wollten sich weder ZTE noch United Internet äußern.

Analyst Mirchandani ist skeptisch. Er glaubt nicht, dass das Unternehmen, „selbst mit einem Angebot von ZTE im Rücken, zum vierten Netzbetreiber aufsteigen wird. Die Risiken sind und bleiben zu hoch.“ Zudem sei nicht gesagt, dass die Bundesregierung es überhaupt zulassen würde, dass ein chinesischer Anbieter ein Mobilfunknetz in Deutschland aufbaut und betreibt. Die US-Regierung hatte eine Strafzahlung von 1,7 Milliarden Dollar gegen ZTE verhängt, weil der Staatskonzern Ausrüstung in den Iran und nach Nordkorea verkauft haben soll. In mehreren afrikanischen Ländern gibt es Korruptionsvorwürfe gegen ZTE.

Ralph Dommermuth gehe es nicht unbedingt um den Aufbau eines Netzes in Deutschland, vermutet Mirchandani. „Die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells von 1&1 Drillisch ist in Gefahr. Das wichtigste Ziel von Ralph Dommermuth muss sein, einen Zugang zu einem der guten Netze von Telekom oder Vodafone zu attraktiven Konditionen zu bekommen.“

Für Mirchandani könnten die Überlegungen von Ralph Dommermuth einem anderen Kalkül folgen: „Um gute Konditionen auszuhandeln, könnte er aber ZTE und die Auktion nutzen, um ein Drohpotenzial aufzubauen. Im Gegenzug für ein attraktives Angebot zur Netznutzung von Telekom oder Vodafone könnte er dann seine Pläne zum Netzausbau wieder beerdigen“, sagt Mirchandani. Stimmt die Vermutung, dürfte United Internet keine langfristige Hilfe für ZTE in Deutschland sein.

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