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Georg-von-Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik Journalismus, der Türen öffnet

Auf der Verleihung des Georg-von-Holtzbrinck-Preises diskutiert die Branche, was ausgezeichneten Journalismus im Internet-Zeitalter ausmacht.
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„Was für die Literatur die Imagination ist, ist für den Journalismus die Recherche“, sagt die Ada-Verlegerin.
Miriam Meckel

„Was für die Literatur die Imagination ist, ist für den Journalismus die Recherche“, sagt die Ada-Verlegerin.

Frankfurt Die Stadt zu Füßen leuchtet und lebt. Die Sicht Blick aus der 49sten Etage des zwischen 1994 und 1997 erbauten und vom Star-Architekten Lord Norman Forster geplanten Commerzbank-Towers ist immer wieder beeindruckend.

„Der Ausblick verbraucht sich nicht, das kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen. Er ist sehr nachhaltig“, sagt Richard Lips, Head of Group Communications bei der Commerzbank AG, dem Gastgeber an diesem Abend. Es ist ein Blick von ganz oben, auf das große Ganze.

Genau den brauchen auch Journalisten – in der zunehmend komplexer werdenden Welt ist das allerdings eine Herausforderung. Das wissen die über 100 Gäste im Bankturm sehr gut. Sie sind hier, um Berichterstattung zu küren, die den ganzheitlichen Blick auf Themen bietet, manchmal auch den ganz besonderen, den überraschenden. Verliehen wird der Georg-von-Holtzbrinck Preis für Wirtschaftspublizistik.

„Es lohnt sich in jedem Medium, für Qualitätsjournalismus zu brennen“, sagt Lips. Und bekommt wenige Minuten später wortreiche Unterstützung. „Der Journalismus kann einen Riesenbeitrag leisten in der gesellschaftlichen Veränderung, die jetzt stattfindet“, sagt Miriam Meckel, Gründungsverlegerin Ada, in ihrem Impulsvortrag.

Diesen hat die 52-Jährige mit „Die Zukunft des Journalismus“ überschrieben. Doch über die Zukunft wolle sie eigentlich gar nicht, darüber werde schon viel zu viel gesprochen. Die Gegenwart sei viel wichtiger, so Meckel. Und verweist auf ein Gespräch, das sie kürzlich mit Chimamanda Ngozi Adichie, einer mehrfach ausgezeichneten Autorin aus Namibia, geführt habe. „The danger of a single story“ sei das Thema gewesen. Die Gefahr einer einzelnen Geschichte. Gemeint ist damit der eingeschränkte, manchmal einseitige Blick auf die Welt.

Adichie habe erzählt, wie sie Geschichten über die Dinge erzählt, die sie gar nicht kennt – wie etwa den Schnee. Möglich sei das durch die Vorstellungskraft der Autorin. „Was für die Literatur die Imagination ist, ist für den Journalismus die Recherche“, sagt Meckel.

Das Internet habe unbestritten ein Demokratisierungspotential. „Aber leider haben nicht alle Geschichten die gleichen Chancen, dort wahrgenommen zu werden. Deshalb ist die Recherche wichtig, deshalb ist der Gegencheck so wichtig.“ Dass der Journalismus das könne, würden die Preise, die an diesem Abend verliehen würden, beweisen.

Einfach ist diese Aufgabe der Journalisten gleichwohl nicht. Das weiß Beate Flemming-Nikoloff. Sie war vor 20 Jahren die erste  Preisträgerin des Georg von Holtzbrinck-Preises in der Kategorie Print. Es war der Lohn für zwei Porträts im Stern – eines über den Manager Hartmut Mehdorn und eines über den Unternehmer Heiner Kamps.

Heute ist sie Schulleiterin einer großen Realschule in Baden-Württemberg. „Wenn ich meine Schüler ansehe - die gucken fast nur Bilder an“, erzählt sie: „Es geht immer noch eine Faszination von Geschichten aus, aber man muss sie mehr mit Bildern erzählen.“  Geschichten müssten etwas im Kopf und im Bauch der Menschen auslösen, glaubt Meckel. Gelinge das, habe der Journalismus große Chancen. „Guter Journalismus öffnet Türen aus einer begrenzten Welt“, so Meckel.

„Qualitätsjournalismus ist schwerer geworden“

Das sei aktuell wichtiger den je. Denn das Thema Identität bestimme die Gesellschaft. Jeder kämpfe um sie, frage sich, wie er seine Position am besten durchsetze. „Identität geschieht immer über Abgrenzung“, analysiert die Kommunikationswissenschaftlerin. Das falle gerade im Internet sehr leicht.

Je später der Abend, desto größer sei im Netz das Selbstbewusstsein, umso lauter werde die Meinung in die Welt geblasen. „Es wird dann problematisch, wenn Abgrenzung zum Selbstzweck wird“, so Meckel. Genau das geschehe im Internet. „Es entstehen Echokammern. Abweichende Positionen fallen dann schwer“, warnt Meckel die Journalisten davor, zu sehr dem „Mainstream“ zu folgen. „Ich frage mich, ob wir manchmal nicht zu wenig mutig sind. Ich hasse es, wenn wir dazu neigen, alles weichzuspülen“, gibt Meckel der Publizistik auf den Weg. 

Eine Einschätzung, die Guilio Benedetti, der Kommunikationschef von Generali Deutschland, dem Förderer des Ferdinand Simoneit-Nachwuchspreises, aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Er sei selbst viele Jahre Journalist gewesen, berichtet er. „In den vergangenen Jahren gab es ein unglaubliches Veränderungstempo, es gibt auch viel mehr Quellen. Deshalb ist Qualitätsjournalismus schwerer geworden.“ Auch die Vernetzung mit dem Leser sei heute eine ganz andere.

Dennoch helfe es nicht, sich vor dieser Entwicklung zu verstecken, warnt Meckel: „Es ist ein Thema, mit dem wir uns jetzt, in der Gegenwart, auseinandersetzen müssen. Das Internet wird nicht wieder weggehen.“ Die Menschen würden durch die Services im Netz immer stärker mit Bequemlichkeit, mit Einfachheit konfrontiert.“ Wir wachsen aber nicht an der Bequemlichkeit, wir wachsen daran, dass wir Lösungen für Probleme finden. Das alles sind Dinge, die der Journalismus leisten kann“, macht Meckel Mut.

Mehr: Zum zwanzigsten Mal wurden in Frankfurt die Georg-von-Holtzbrinck-Preise verliehen. Die Gewinner im Porträt.

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