Gespräche beendet Fusion von Pro Sieben und Springer ist vom Tisch

Die mögliche Fusion zwischen den beiden deutschen Medienriesen Axel Springer und Pro Sieben Sat 1 ist vom Tisch. Die beiden Konzerne wollen nun lediglich bei der Förderung von Start-ups zusammenarbeiten.
Update: 29.07.2015 - 15:45 Uhr Kommentieren
Aus der angedachten Fusion der beiden deutschen Medienriesen wird nun doch nichts. Quelle: dpa
Pro Sieben Sat 1 und Axel Springer

Aus der angedachten Fusion der beiden deutschen Medienriesen wird nun doch nichts.

(Foto: dpa)

MünchenAxel Springer und Pro Sieben Sat 1 backen miteinander kleinere Brötchen als erwartet: Statt einer Fusion, wie sie laut Insidern ebenfalls im Gespräch war, beschränken sich die beiden Medienkonzerne auf die gemeinsame Förderung von Startups in der Digitalbranche. Sprecher beider Medienkonzerne erklärten, über das am Mittwoch verkündete Vorhaben hinaus sei keine weitere gesellschaftsrechtliche Verbindung geplant.

Die Nachricht über einen möglichen Zusammenschluss hatte vor drei Wochen die Aktienkurse beider Unternehmen beflügelt. Am Mittwoch drückte die Absage an entsprechende Erwartungen die Springer-Titel nur kurz ins Minus. Nach wenigen Minuten notieren die Papiere wieder 0,7 Prozent fester. Der Kurs von Pro Sieben Sat 1 reagierte ebenfalls kaum und lag 0,4 Prozent im Plus.

Branchenexperten hatten bereits Zweifel an einer Vereinigung beider Konzerne geäußert. „Ein vollständiger Zusammenschluss hätte keinen Sinn gemacht“, erklärte Stefan Wimmer vom Bankhaus Metzler am Mittwoch. „Die Anstrengungen dafür wären nicht zu rechtfertigen gewesen.“ Er begrüßte den nun bekannt gegebenen Plan: „Eine Kooperation im digitalen Bereich sieht positiv aus.“

Beide Unternehmen teilten mit, sie wollten Geschäftsideen gemeinsam unterstützen, um den Digitalstandort Deutschland auch international besser zu positionieren. Man wolle gemeinsam in Unternehmen und Fonds investieren, bestehende Förderprogramme vernetzen und neuen Unternehmen Werbemöglichkeiten gegen Firmenbeteiligungen zur Verfügung stellen.

Springer und Pro Sieben Sat 1 haben sich wiederholt über die Vormacht von US-Konzernen wie Google, Yahoo, Amazon oder Netflix beklagt, die oft angestammten Medienunternehmen die Butter vom Brot nehmen, und sich für eine Stärkung europäischer Anbieter eingesetzt.

Das bringen die Medienriesen auf die Waage
Gehen die Medienkonzerne zusammen?
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Das Verlagshaus Axel Springer und die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 prüfen eine Fusion. Eine Idee mit Geschichte: Bereits 2006 hatte die Axel Springer AG versucht, Pro Sieben Sat 1 zu übernehmen, scheiterte jedoch am Einspruch des Bundeskartellamts. Die Wettbewerbshüter störten sich an einer zu großen Medienkonzentration unter einem Dach.

Axel Springer und Print
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Neben der auflagenstärksten Tageszeitung Deutschlands, der „Bild“, und der Zeitung „Die Welt“ als Print-Flaggschiffe erscheinen bei Axel Springer weiterhin zahlreiche nationale wie internationale Publikationen. Dazu gehören mit dem Boulevardblatt „Fakt“ beispielsweise die größte Tageszeitung Polens oder mit der „Handelszeitung“, die größte Schweizer Wirtschaftszeitung. Aufsehen erregte im Mai 2014 der Verkauf der traditionsreichen regionalen Tageszeitungen „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“, sowie mehrerer Programm- und Frauenzeitschriften für 920 Millionen Euro an die Funke-Mediengruppe.

Zeitschriften
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Bei Zeitschriften dominieren vor allem die zahlreichen „Bild“-Ableger von „Auto-Bild“ bis „Computer-Bild“ in Deutschland. Ein gutes Beispiel für die Medienmacht des Verlags bieten die Musikzeitschriften: Bereits seit 13 Jahren sind die ehemaligen Konkurrenten „Musikexpress“ und „Rolling Stone“ unter dem Dach von Axel Springer vereint – gemeinsam mit dem Alternativ-Magazin „Metal Hammer“, das sich an ein Metal- und Hard-Rock-affines Publikum richtet. Auch in der Schweiz ist der Springer-Konzern noch mit zahlreichen Publikationen zu diversen Themen und Programmzeitschriften vertreten. Den Schwerpunkt legt der Verlag aber nicht erst seit dem Geschäft mit Funke auf die Expansion im Multimedia- und Onlinebereich.

Expansion in die digitalen Medien
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Von seinen teils langjährigen Beteiligungen an zahlreichen regionalen Zeitungen und Verlagen trennt sich Springer seit 2009 systematisch. Dafür expandiert der Verlag immer stärker in den digitalen Medien. Mit finanzen.net betreibt der Konzern mittlerweile das führende deutsche Börsenportal. Über seine Tochter Smarthouse Media entwickelte er außerdem die Internetauftritte von Großbanken wie der BNP Paribas, der Royal Bank of Scotland und der Deutschen Bank oder Konzernen wie MAN.

News für Fußball-Fans
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Von 2011 bis 2014 erwarb der Verlag Anteile beispielsweise an dem Online-Shop-Betreiber Visual Meta, dem Neuwagenportal autohaus24.de und übernahm zu 100 Prozent die Allesklar.com AG, Betreiber des Portals meinestadt.de, das Informationen für über 11.000 deutsche Städte anbietet. Auch das bekannte deutsche Fußballportal transfermarkt.de gehört zu 51 Prozent dem Axel Springer Verlag.

Privates Radio
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Auch zahlreiche Radio-Beteiligungen nennt der Verlag sein Eigen. Zu 100 Prozent gehören beispielsweise die Sender Antenne 1 aus Baden-Württemberg oder Radio NRW zu Axel Springer. Der Konzern ist an privaten Radiosendern in der gesamten Republik, von Bayern bis Berlin, meist direkt beteiligt.

N24 und Talpa Germany
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Seit 2013 gehört der Nachrichten- und Infotainmentsender N24 zum Springer-Imperium und ist mit der „Welt“-Gruppe zusammengeführt. Bis 2016 steht N24 vertraglich als Nachrichtenlieferant für die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 fest. Künftig soll der Sender auch die Marke „Welt“ im Namen tragen. Im Fernsehgeschäft ist Axel Springer bereits seit 1999 aktiv. Ein Jahr vor der Jahrtausendwende wurde der Verlag alleiniger Gesellschafter der Produktionsfirma Schwartzkopff TV-Productions und produzierte über diese vor allem Talkshows („Andreas Türck“ oder „Kerner“) sowie Doku-Dramen und Doku-Soaps. 2004 übernahm die Produktionsgesellschaft Talpa Media 49,9 Prozent an Schwartzkopff, die Firma wurde im Zuge dessen in Talpa Germany umbenannt. Ende Juni übernahm Talpa das Unternehmen komplett.

Gleichwohl ließ Springer am Mittwoch durchblicken, dass der Verlags- und Onlinekonzern nur begrenzte Möglichkeiten für Gemeinschaftsprojekte sieht. „Im globalen Wettbewerb ist es wichtiger denn je, auf der nationalen Ebene dort die Kräfte zu bündeln, wo es sinnvoll und möglich ist“, erklärte Vorstandsmitglied Andreas Wiele. Ein Pro-Sieben-Sat-1-Sprecher sagte, der Plan solle in den kommenden Monaten konkretisiert werden. Zu Einzelheiten äußerten sich die Konzerne am Mittwoch nicht.

  • rtr
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