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Gesundheitsportal Burda baut Ärzteplattform Jameda aus

Der Medienkonzern will mehr als 20 Millionen Euro in die Ärzteplattform stecken und so den französischen Angreifer Doctolib auf Distanz halten.
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Das Portal Jameda trifft den Zeitgeist. Dem IT-Branchenverband Bitkom zufolge hat gut ein Viertel aller Erwachsenen hierzulande schon einmal einen Arzttermin online vereinbart. Quelle: Eventpress
Burda-Vorstand Stefan Winners

Das Portal Jameda trifft den Zeitgeist. Dem IT-Branchenverband Bitkom zufolge hat gut ein Viertel aller Erwachsenen hierzulande schon einmal einen Arzttermin online vereinbart.

(Foto: Eventpress)

München Der Umsatz der Ärzteplattform Jameda legt jährlich gut ein Drittel zu. Damit das so bleibt, rüstet Eigentümer Burda auf. „Jameda ist eines unserer großen strategischen Wachstumsfelder und gleichzeitig ein Schwerpunkt der Investitionen innerhalb des deutschen Digitalgeschäfts“, sagte Vorstand Stefan Winners dem Handelsblatt. Der Medienkonzern will mehr als 20 Millionen Euro in das aufstrebende Onlineportal stecken.

Jameda soll in Deutschland zum wichtigsten Bindeglied zwischen Ärzten und Patienten werden. Auf der Plattform können sich die Leute über Praxen informieren, Termine online vereinbaren und sich per Video mit den Medizinern unterhalten. Die Burda-Tochter verdient ihr Geld mit Ärzten, die für Einträge auf der Homepage von Jameda bezahlen. Zudem bietet sie Software an.

Noch scheuen sich aber viele Ärzte, ihr Geschäft zu vernetzen. „Die Gesundheitsbranche hinkt allen anderen Industrien in der Digitalisierung hinterher. Für uns ist das eine riesige Chance“, so Jameda-Chef Florian Weiß.

Dieses Jahr werde der Umsatz auf rund 20 Millionen Euro klettern. Hält Jameda die Wachstumsraten, die Weiß auf jährlich zwischen 35 und 40 Prozent beziffert, wird die Firma bis Mitte nächsten Jahrzehnts auf Erlöse von 100 Millionen Euro kommen.

Burda hat Jameda 2015 für 46,8 Millionen Euro übernommen. Zuvor gehörte die Firma zu Tomorrow Focus, bei der Burda ebenfalls das Sagen hatte. Aus Tomorrow Focus ist das Online-Reisebüro Holidaycheck hervorgegangen, an dem Burda die Mehrheit hält. Das Familienunternehmen ist noch an zahlreichen anderen Digitalfirmen in Deutschland beteiligt.

Den Münchenern gehört mehrheitlich das Karrierenetzwerk Xing. Die Online-Elektronikhändler Cyberport und Computeruniverse sind komplett in den Händen von Burda. Die von Winners geführte Digitalsparte vereint diese Beteiligungen und einige andere Geschäfte. Sie kam vergangenes Jahr auf knapp 1,5 Milliarden Euro Umsatz und ist damit die größte Division des Konzerns.

Im Vergleich zu den anderen Marken der Burda-Digitalsparte ist Jameda klein. Aber so wie Winners in den vergangenen Jahren Beteiligungen wie Xing durch Übernahmen verstärkte, so könnte er auch bei Jameda das Wachstum beschleunigen. Vor zwei Jahren schluckte Jameda bereits Patientus, einen Anbieter von Videosprechstunden. Insgesamt habe Burda seit der Übernahme 30 Millionen in die Firma investiert.

60.000 Ärzte unter Vertrag

Jameda trifft den Zeitgeist. Dem IT-Branchenverband Bitkom zufolge hat gut ein Viertel aller Erwachsenen hierzulande schon einmal einen Arzttermin online vereinbart. Das hat die Interessensvertretung in einer Umfrage herausgefunden. Etwa 40 Prozent der Bürger würden das in Betracht ziehen. Dabei werden laut Bitkom am liebsten Dienste wie WhatsApp oder auch E-Mail genutzt.

„Wir sehen quer durch alle Altersgruppen eine große Aufgeschlossenheit gegenüber digitalen Angeboten im Gesundheitsbereich“, sagte Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder. „Gerade kranken oder körperlich beeinträchtigten Menschen sollte man den Kontakt mit dem Arzt so einfach wie möglich machen.“

Jameda sei profitabel, sagte Weiß, ohne Details zu nennen. Auf eine Ausschüttung der Gewinne verzichte Burda, um Wachstum zu ermöglichen. So habe sich die Zahl der Mitarbeiter in den vergangenen anderthalb Jahren auf 150 verdoppelt. Ende des Jahres sollen es 200 sein. Zudem würden weitere Regionalbüros aufgebaut.

Es ist kein Zufall, dass Burda jetzt bei Jameda expandiert. Mit Doctolib drängt ein ernsthafter Wettbewerber auf den deutschen Markt. Die Franzosen kommen eigenen Angaben zufolge hierzulande zwar erst auf zwei Millionen Besucher pro Monat auf ihrer Plattform. Jameda verzeichnet demgegenüber sechs Millionen. Doch Doctolib ist bereits mit sechs Büros bundesweit vertreten und zählt in Deutschland 150 Mitarbeiter. Vor allem aber hat das Start-up viel Geld. Im Frühjahr hat Doctolib in einer Finanzierungsrunde 150 Millionen Euro eingesammelt. Das Unternehmen wurde mit einer Milliarde Euro bewertet.

Bei Burda sind sie dennoch selbstbewusst. „Unser großer Vorteil gegenüber den Angreifern: Wir haben über zwölf Jahre hinweg eine Marke aufgebaut und sind sehr erfolgreich bei Nutzern und Ärzten“, betonte Winners. So habe Jameda 60.000 Ärzte unter Vertrag; Doctolib spricht von 5000 Medizinern und 56 Gesundheitseinrichtungen in Deutschland, bei denen die Software installiert sei.

In einem Punkt unterscheiden sich die Konkurrenten fundamental. Auf Jameda finden sich zweieinhalb Millionen von Patienten verfasste Ärzte-Bewertungen, jeden Tag kommen 2500 hinzu. Für viele Menschen scheint das ein Grund, die Seite zu besuchen. Doctolib verzichtet auf Kommentare.

Vorstand Winners hält derweil Ausschau nach weiteren Geschäftsfeldern: „Im deutschen Digitalgeschäft haben wir in den vergangenen zwei, drei Jahren weniger zugekauft als früher. Das lag auch an den hohen Preisen.“ Angesichts der Konjunkturflaute könnte jetzt die Zeit für neue Akquisitionen kommen.

Mehr: ADAC gibt Zeitschrift „Motorwelt“ in die Hände des Burda-Verlags.

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