Github-Übernahme Microsoft kauft das soziale Netzwerk für Nerds

Konzernchef Nadella will Microsoft weniger abhängig von Windows machen. Der milliardenschwere Kauf von Github ist der nächste Schritt.
Update: 04.06.2018 - 17:39 Uhr Kommentieren
Microsoft übernimmt Onlinedienst GitHub für 7,5 Milliarden Dollar Quelle: PR
Foto zur Übernahme

Microsoft-Chef Satya Nadella (Mitte) mit Github-Chef Chris Wanstrath (links) und Github Co-Gründer und künftigen CEO Nat Friedman (rechts).

(Foto: PR)

San FranciscoIn gewisser Weise kehrt Microsoft zu den Wurzeln zurück. 1975 hatten Bill Gates und Paul Allen den heutigen Milliardenkonzern als Werkzeugkasten für Programmierer gegründet. Nun übernimmt der Softwarehersteller den webbasierten Onlinedienst Github, auf der Entwickler Programmcode und Anleitungen austauschen und gemeinsam verbessern.

Den Kaufpreis von 7,58 Milliarden Dollar zahlt Microsoft in Aktien. Das Start-up aus San Francisco wurde 2008 gegründet und kam nach der letzten Investitionsrunde in Höhe von 350 Millionen Dollar auf eine Bewertung von zwei Milliarden Dollar.

Mit der Übernahme will der Softwarekonzern die Entwickler-Community stärker an sich binden. Ziel sei es, die Microsoft-Werkzeuge in neuen Zielgruppen zu verbreiten, sagte Unternehmenschef Satya Nadella – etwa der Cloud-Plattform Azure. Er versprach aber, dass die Plattform offen bleiben soll, die Nutzer können somit weiterhin jegliche Software auf Github entwickeln, auch für Microsoft-Konkurrenten.

Github ist gerade für die Entwicklung quelloffener Software beliebt. Der frühere Microsoft-Chef Steve Ballmer beäugte dieses Open-Source-Prinzip skeptisch, schließlich verdiente die Firma aus Redmond im US-Staat Washington ihr Geld mit dem geschlossenen System Windows. Der neue Chef Nadella will indes die Abhängigkeit von Microsoft von Windows verringern. Auch Open-Source-Software gehört inzwischen zum Repertoire des Konzerns.

Github-Gründer Chris Wanstrath wird nach der Übernahme als Software-Entwickler bei Microsoft weiterarbeiten. Co-Gründer Tom Preston-Werner schied 2014 nach einer Diskriminierungsuntersuchung aus dem Start-up aus. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, hat Github den Verkauf an Microsoft einem Börsengang vorgezogen. Besonders beeindruckt habe sich das Team demnach von der Persönlichkeit des Satya Nadella gezeigt. Vor seiner Zeit als Microsoft-Chef baute der Informatiker das heutige Zukunftsgeschäft für den IT-Konzern in der Cloud auf.

Github ist eine Art soziales Netzwerk für IT-Nerds. Viele Software-Talente greifen bei der Erfindung neuartiger Systeme auf die Plattform zurück, suchen Rat bei Kollegen, tauschen sich auf dem Marktplatz über Probleme aus. 27 Millionen Entwickler meldeten sich an, über 80 Millionen Code-Kompositionen sind bei Github zu finden.

Trotz seiner Beliebtheit in der IT-Szene mangelte es dem Start-up an einem tragfähigen Geschäftsmodell. Finanziell steht es schlecht da: 2016 verlor es über drei Quartale 66 Millionen Dollar und wies einen Umsatz von 98 Millionen Dollar aus. Die einzige Einnahmequelle bestand in der Gebühr, die es für Accounts mit größeren Zugriffsrechten verlangt. Sie beträgt zwischen sieben und 21 Dollar pro Nutzer.

Dem Verkauf an Microsoft sei eine jahrelange Annäherung vorausgegangen, schreibt die Agentur Bloomberg. Zuvor hätten Github-Chef Wanstrath und Microsoft-Chef Nadella offenbar eine Partnerschaft angepeilt, dann jedoch eine Akquisition vereinbart. Microsoft-Manager Nat Friedman übernimmt den Chefposten bei Github. Dass der Konzern den bisherigen Chef ersetzt, deutet darauf hin, dass er das Start-up tief in die eigene Infrastruktur integrieren will.

Vor Github hatte Microsoft mit Linkedin bereits eine soziale Plattform übernommen. Es zahlte vor knapp zwei Jahren 26,2 Milliarden Dollar für das Karrierenetzwerk aus Mountain View. Chef Jeff Weiner führt das Netzwerk nach wie vor. Die Github-Übernahme werten Beobachter als weiteres Zeichen dafür, dass sich Microsoft zu einem Anbieter für Cloud-Computing und Dienstleistungen entwickelt.

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