Google-Mutter Alphabet-Aktie fällt trotz Milliardengewinn

Umsatz und Gewinn bei der Google-Mutter Alphabet sind im vergangenen Quartal deutlich gestiegen. Gerade das Werbegeschäft sorgt für gute Erlöse. Die Prognosen hat der Konzern dennoch verfehlt, das enttäuscht die Anleger.
Update: 22.04.2016 - 02:37 Uhr
Die Google-Mutter Alphabet macht ordentliche Gewinne. Doch das Unternehmen verfehlt die Prognosen. Die Aktie fällt im nachbörslichen Handel. Quelle: AP
Alphabet

Die Google-Mutter Alphabet macht ordentliche Gewinne. Doch das Unternehmen verfehlt die Prognosen. Die Aktie fällt im nachbörslichen Handel.

(Foto: AP)

Mountain ViewDer Google-Mutterkonzern Alphabet hat im vergangenen Quartal Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert - aber dennoch die hochgesteckten Erwartungen der Anleger enttäuscht. Zudem stiegen die Verluste der anderen Alphabet-Bereiche neben Google binnen eines Jahres von 633 auf 802 Millionen Dollar. Finanzchefin Ruth Porath deutete an, dass Ausgaben künftig genauer unter die Lupe genommen werden.

Im ersten Quartal kletterte der Überschuss von Alphabet im Jahresvergleich von 3,5 auf 4,2 Milliarden Dollar (3,7 Mrd Euro), wie der Internetkonzern am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz legte dank sprudelnder Werbeerlöse bei Google um 17 Prozent auf 20,26 Milliarden Dollar zu. Die Prognosen der Analysten wurden mit den Ergebnissen allerdings verfehlt. Am Markt kamen die Zahlen zunächst nicht gut an - die Aktie fiel nachbörslich um rund sechs Prozent.

Google blieb die Geldmaschine des Konzerns, das operative Ergebnis des Internet-Geschäfts sprang um gut ein Fünftel auf knapp 6,3 Milliarden Dollar hoch. Google stellt auch fast den gesamten Umsatz von Alphabet - die anderen Bereiche erlösten gerade einmal 166 Millionen Dollar nach 80 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Außerhalb von Google gehören zu Alphabet etwa der Spezialist für Heimvernetzung Nest, das Forschungslabor Google X oder das Geschäft mit Glasfaser-Leitungen.

Porath sagte in der Telefonkonferenz nach Vorlage der Zahlen, Google wolle das Vorgehen „rationalisieren“, wenn mehrere Teams verschiedene Ansätze für ähnliche Technologien entwickeln. Das werde erlauben, die Investitionen auf weniger Projekte zu konzentrieren. Laut einem Medienbericht soll der Roboter-Entwickler Boston Dynamics wieder abgestoßen werden. Und bei Nest soll es nach Darstellung früherer Mitarbeiter Probleme mit dem Wachstum und dem Führungsstil der Gründer geben. Porath wich einer Frage dazu aus.

Googles Alphabet ist keine Neuerfindung
Ebay
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Wer bei Ebay ersteigerte, konnte direkt „hausintern“ die Rechnung begleichen – mit dem Bezahldienst Paypal. Den hatte das Online-Auktionshaus 2002 für rund 5,1 Milliarden Dollar gekauft. Doch Ebay entschied sich zur Abspaltung: Als unabhängiges Unternehmen habe Paypal „gewaltiges Potenzial“, seine Rolle als die Nummer eins bei Verbrauchern, Partnern und Händlern auszubauen, erklärte Unternehmenschef Dan Schulman...

Paypal
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Im Juli startete Paypal an der Börse. Der Kurs der Aktie stieg am ersten Tag nach der Trennung bis Börsenschluss um mehr als fünf Prozent auf 40,47 Dollar pro Aktie. Paypal wird damit mit mehr als 49 Milliarden Dollar (45 Milliarden Euro) bewertet – und überflügelt damit die ehemalige Mutter klar: Ebay ist an der Börse rund 34 Milliarden Dollar wert.

IBM
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IBM hat seine Ursprünge in der Herstellung von Büromaschinen wie Lochkartensortierern oder Tabelliermaschinen. Später standen auch Computer auf der Produktpalette des US-Konzerns. Doch diese Zeiten haben sich geändert: IBM verkaufte sein PC-Geschäft an Lenovo und die verlustbringende Chipsparte an die von einem arabischen Staatsfonds kontrollierte Firma Globalfoundries. Der Konzern will sich weg vom klassischen Computer-Geschäft und hin zu einem modernen Anbieter von Daten-Analyse und Cloud-Services entwickeln. Das gestaltet sich allerdings schwierig. Von April bis Juni sanken die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 20,81 Milliarden Dollar, der Gewinn ging um 17 Prozent auf 3,45 Milliarden Dollar zurück. „Die Ergebnisse zeigen, dass wir uns weiter im Wandel befinden“, kommentierte IBM-Chefin Ginni Rometty die Zahlen.

Sony
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Sony (im Bild das Handheld 3DS) machte die vergangenen drei Jahre Verluste, verdient aber nach dieser langen Durststrecke inzwischen wieder ordentlich Geld. Im vergangenen Quartal gab es einen Gewinn von 82,4 Milliarden Yen (600 Millionen Euro) - drei Mal so viel wie ein Jahr zuvor. Als Retter für Sony erweisen sich immer mehr die Kamera-Sensoren, die in vielen Smartphones anderer Hersteller zum Einsatz kommen. Das eigene Handy-Geschäft bringt Sony hingegen rote Zahlen. Von seinem eigenen PC-Geschäft und der Marke Vaio hatten sich die Japaner Anfang 2014 getrennt.

Nokia
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Wer in den 1990er Jahren mobil telefonierte, der hatte bestimmt ein Nokia-Telefon in der Hand. Das finnische Unternehmen war Weltmarktführer, verschlief aber wichtige Trends und litt unter zu hohen Kosten. 2013 verkaufte Nokia seine Handysparte an Microsoft, um sich auf Netzwerkausrüstung zu konzentrieren. Mitte 2015 schlug Nokia zudem den Kartendienst Here los. Doch inzwischen läuft der Comeback-Versuch im Handy-Geschäft an: Nokia testet neue Produkte, stellt Software-Experten ein und liebäugelt mit Vertriebspartnern sowie Lizenzverträgen. Das Ass im Ärmel der Finnen ist ihr Fundus an Patenten – einem der größten der gesamten Branche. Doch bis 2016 sind Nokia die Hände gebunden, bis dahin darf der Konzern nicht mit Microsoft konkurrieren.

Hewlett-Packard
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Sie waren die ersten im Silicon Valley, doch hängen mittlerweile der Konkurrenz hinterher: Im zweiten Quartal schrumpfte der Umsatz von HP im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 25,5 Milliarden Dollar. Der 75 Jahre alte Konzern will sein Computer- und Drucker-Geschäft in einer neuen Gesellschaft bündeln, getrennt von den zukunftsträchtigeren Bereichen mit Computerservern und Datenspeichern für Firmen sowie sonstigen Dienstleistungen.

Verizon
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Auch AOL hat eine glorreiche Vergangenheit: Zu seiner Blütezeit hatte der Internetkonzern mehr als 30 Millionen Kunden weltweit. Doch das Platzen der Internetblase machte dem Konzern zu schaffen: Im Mai 2015 wurde der Konzern für lediglich noch 4,4 Milliarden Dollar vom US-Telekommunikationsriesen Verizon aufgekauft. Der handelte damit nach seiner neuen Strategie: Verizon will im Video- und Werbegeschäft mitmischen.

Die Quartalsergebnisse machten auch deutlich, wie wichtig für Google inzwischen das Smartphone-Geschäft ist, in dem europäische Kartellwächter dem Konzern unfairen Wettbewerb beim Betriebssystem Android vorwerfen. Die Mobil-Suche sei ein zentraler Umsatztreiber gewesen, sagte Porath. Mehr als die Hälfte der Nutzer greife auf Google von mobilen Geräten aus zu, hieß es.

Zugleich sank der Erlös pro Klick auf eine Anzeige um neun Prozent, weil Werbung auf den kleineren Smartphone-Bildschirmen weniger ertragreich ist. Zugleich machte die höhere Zahl der Klicks den Rückgang mehr als wett. Google verdient sein Geld weiterhin vor allem mit Anzeigen im Umfeld der Suchergebnisse. Bei der Videoplattform YouTube wachse der Umsatz „erheblich“, hieß es ohne nähere Zahlen.

Das ist das neue Google-ABC
A wie Alphabet
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Google strukturiert massiv um und schlüpft unter das Dach eines neuen Mutterkonzerns. Der Name der Gesellschaft lautet Alphabet. Durch den Schritt sollen die vielen unterschiedlichen Sparten von Google unabhängiger werden.

B wie Brin und Page
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Die Google-Gründer Larry Page (rechts) und Sergey Brin besetzen auch bei Alphabet die Schaltstellen: Page bleibt CEO, Brin Präsident der Holidng.

C wie Calico
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Die Gesundheitsfirma soll vor allem das Altern erforschen – um es eventuell bremsen zu lernen.

F wie Fiber
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In den USA bietet der Konzern unter diesem Namen in rund einem halben Dutzend Städten ultra-schnelle Internet-Zugänge über Glasfaser-Anschlüsse an.

G wie Google
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Unter dem angestammten Namen des Konzerns bleiben als Alphabet-Tochter weiter die Internet-Suchmaschine, das Werbe-Geschäft sowie Youtube und Android gebündelt.

L wie Life Sciences
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Ursprünglich ein Teil des Geheimlabors Google X. In den Labors werden Innovationen im Gesundheitsbereich entwickelt, so etwa eine smarte Kontaktlinse, die Glukose in der Tränenflüssigkeit misst.

N wie Nest
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Google kaufte den Anbieter von vernetzten Thermostaten (im Bild) und Rauchmeldern Anfang 2014 für mehr als drei Milliarden Dollar. Nest-Mitgründer Tony Fadell, der einst bei Apple die iPod-Player mitentwickelte, trägt inzwischen auch die Verantwortung für die im ersten Anlauf gefloppte Datenbrille Google Glass.

Alphabet hatte Ende März Geldreserven von gut 75 Milliarden Dollar, 60 Prozent davon lagen außerhalb der USA.

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