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Google vs. Trump KI-Experten widersprechen den Google-Vorwürfen des US-Präsidenten

Trump behauptet, dass Google den Algorithmus zu seinen Ungunsten eingestellt habe. Experten widersprechen. Nicht Google manipuliert, sondern Trump.
30.08.2018 - 11:11 Uhr Kommentieren
Google-Vorwürfe: KI-Experten widersprechen Donald Trump Quelle: AP
Donald Trump

Für den US-Präsidenten verbreiten etablierte Medien Fake-News. Google bewertet das anders.

(Foto: AP)

Düsseldorf Donald Trump sieht aus wie ein Idiot – darauf lässt jedenfalls die Bildersuche bei Google schließen. Tippt man nämlich dort das Wort „Idiot“ ein, erscheinen als erstes Abbildungen des US-Präsidenten. Nicht zuletzt deswegen hat Trump Google ins Visier genommen. Ihn ärgern auch die Suchergebnisse, die erscheinen, wenn man seinen Namen eingibt.

Der IT-Konzern unterdrücke konservative politische Stimmen, behauptet Trump. Nur schlechte Nachrichten und Berichte würden erscheinen, wenn Internetnutzer nach „Trump News“ suchen. „96 Prozent der Ergebnisse für ‚Trump News‘ sind von überregionalen linksorientierten Medien, sehr gefährlich“, schrieb Trump am Mittwoch auf Twitter. „Republikanische/konservative und faire Medien sind ausgeschlossen.“

Am Donnerstag legte der US-Präsident im Weißen Haus nach. „Google und Facebook und Twitter behandeln Konservative und Republikaner sehr unfair“, sagte der Trump zu Reportern. Ihm zufolge würden die Tech-Giganten „versuchen, Konservative zum Schweigen zu bringen“.

Google wehrte sich umgehend gegen die Vorwürfe. Ein Sprecher des Unternehmens teilte mit, Ziel der Suchmaschine sei es, Nutzern binnen Sekunden „die relevantesten Antworten“ anzuzeigen. „Die Suche wird nicht dazu genutzt, um eine politische Richtung vorzugeben und wir beeinflussen unsere Ergebnisse nicht nach einer politischen Ideologie.“ Wer hat Recht, Trump oder Google?

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    Es stimmt, dass Berichte jener US-Medienhäuser als erstes auftauchen, die kritisch über Trump berichten. Doch Google zeigt nicht bewusst diese Suchergebnisse an. Vielmehr ist es die US-Gesellschaft, die sich für kritische Berichte über Trump interessiert.

    Für SEO-Experte Jens Fauldrath ist der US-Präsident das Problem. „Trump hat ein Problem mit der Realität“, sagt er dem Handelsblatt. „Für ihn verbreiten etablierte Medien, wie die New York Times, CNN oder die Washington Post Fake-News. Google bewertet das anders.“

    Die Suchmaschine zeige an, was die Leser sehen möchten. Dabei gilt: Je höher die Reputation einer Quelle und je öfter sie von Anderen verlinkt wird, desto höher werden die Seiten gerankt. „Das Verfahren ähnelt der Bewertung wissenschaftlicher Aufsätze anhand der erzielten Zitate in anderen wissenschaftlichen Aufsätzen“, erklärt der SEO-Experte. Auch wenn Donald Trump Anderes behauptet: Etablierten Medien vertrauen die Menschen nach wie vor mehr – auch in den USA.

    Katharina Zweig, Informatik-Professorin an der Universität Kaiserslautern, sieht ebenfalls keine Anhaltspunkte, dass Google Trump diskriminieren würde. Im Rahmen eines Forschungsprojektes mit der Bayrischen Landeszentrale für Medien untersuchte Zweig wie diskriminierend Such-Algorithmen arbeiten.

    Ihr Ergebnis: Die Formelwunder haben weniger Vorurteile als angenommen. So fand Zweig heraus, dass Google im vergangenen Bundestagswahlkampf Nutzern nur marginal unterschiedliche Inhalte angezeigt hat. Eine Beeinflussung der Wähler habe nicht stattgefunden. „Ich persönlich glaube nicht, dass der größte Internetkonzern der USA die Hälfte der Wählerschaft vergrätzen wollen würde, in dem es manipulativ schlechte Nachrichten über den Präsidenten anzeigt“, sagt Zweig dem Handelsblatt.

    SEO-Experte Fauldrath schränkt allerdings die Aussagekraft der Suchergebnisse ein. „Google misst nicht, ob die Internetnutzer dem Inhalt der angezeigten Suchergebnisse zustimmen oder nicht.“

    Trumps Kritik bleibt letztlich eine hohle Behauptung, genauso wie seine Aussagen, dass die Amerikaner den etablierten US-Medien nicht vertrauen würden. Googles Algorithmus zeigt die Ergebnisse jener Medienhäuser an, denen die Amerikaner am meisten vertrauen und für die sie sich am meisten interessieren. Ähnlich äußerte sich kürzlich auch KI-Experte Chris Boos im Interview mit dem Handelsblatt. „Algorithmen bilden ab, was wir in der Gesellschaft haben. Letztlich sind sie ein ziemlich fieser Blick in den Spiegel.“

    Trump scheint diesen Blick in den Spiegel nicht ertragen zu können.

    „Twitter & Co. wollen Konservative zum Schweigen bringen“

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