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Halbleiterbranche So abhängig ist Europa von der chinesischen Chip-Industrie

Die Kunden in Europa haben keine Wahl: Sie können gar nicht anders, als ihre Server und PCs, Notebooks und Smartphones aus Fabriken in Fernost zu beziehen.
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Die größten Halbleiterhersteller sitzen in den USA und China – aber nicht in Europa. Quelle: Bloomberg
Chip-Industrie in China

Die größten Halbleiterhersteller sitzen in den USA und China – aber nicht in Europa.

(Foto: Bloomberg)

München Zwischen Nordsee und Alpen finden sich Autofabriken und Stahlwerke, Raffinerien und Molkereien. Trotz vergleichsweise hoher Löhne ist Deutschland nach wie vor ein bedeutender Produktionsstandort.

Allerdings nicht, wenn es um Elektronik geht. Wer seine Büros oder Rechenzentren mit neuem IT-Equipment ausstattet, der landet fast zwangsläufig bei Anbietern aus Übersee. Angesichts der jüngsten Spionagevorwürfe gegenüber China durchaus beunruhigend.

Besonders kritisch sind die Server, also jene Netzwerkrechner, über die der gesamte Internetverkehr läuft. Viele Firmen besitzen keine eigenen Server mehr, sondern mieten sie bei Dienstleistern wie Amazon Web Services, bei IBM oder Microsoft. Wenn diese ausspioniert werden, dann sind auch die Kunden betroffen.

Die weltgrößten Serverhersteller stammen samt und sonders aus China und den USA. Die amerikanischen Firmen Dell und HP Enterprise führen den Markt an, es folgen mit Lenovo und Inspur zwei chinesische Wettbewerber, auf Rang fünf steht der US-Konzern IBM. Doch auch die amerikanischen Konkurrenten lassen in großem Stil in China fertigen.

Genau das alarmiert angesichts der jüngsten Enthüllungen die amerikanische Politik. Das US-Verteidigungsministerium hat gerade eine Studie erstellt, in der die bedeutende Rolle von China unter anderem als Lieferant von Elektronik als kritisch bewertet wird.

Die amerikanische Zeitschrift „Businessweek“ behauptet in einem am Donnerstag veröffentlichten Artikel, das chinesische Militär sei mit einer spektakulären Aktion in Systeme von Amazon, Apple und US-Behörden eingedrungen. Die Hacker im Staatsauftrag hätten es geschafft, einen Chip in der Größe eines Reiskorns in die Hauptplatinen des US-Elektronikherstellers Supermicro einzuschleusen, der unbemerkt vertrauliche Daten von den Kunden des Konzerns funkte.

Der Zugriff soll bei einem chinesischen Auftragsfertiger und dessen Subunternehmern erfolgt und 2015 aufgefallen sein. Stimmt das, würde die hocheffiziente Massenfertigung in China zum Sicherheitsrisiko. Die in dem Bericht genannten Betroffenen, Amazon und Apple, widersprachen der Darstellung. Auch Supermicro betonte, an den Vorwürfen sei nichts dran.

Amerika indes hat wenigstens noch einheimische Computerhersteller, auch wenn diese ihre Ware aus Fernost beziehen. Europa hingegen fehlt eine solche Industrie fast völlig. Damit hat Europa fast keine Kontrolle über die Hardware. Das gilt auch für die Bürorechner.

Unter den fünf größten PC-Herstellern der Welt findet sich kein einziges europäisches Unternehmen. Den Marktforschern von Gartner zufolge ist Lenovo die Nummer eins, eine Firma mit Hauptsitz in Peking. Es folgen drei US-Firmen, HP, Dell und Apple – die aber auch alle in China produzieren. Auf Platz fünf rangiert Acer aus Taiwan.

Damit nicht genug: Das Geschäft mit Smartphones ist fast komplett in asiatischer Hand. Unter den fünf größten Anbietern sind laut Gartner vier aus Asien. Marktführer Samsung stammt aus Südkorea, sowie die chinesischen Anbieter Huawei, Xiaomi und OPPO; nur der US-Konzern Apple schafft es in die Spitzengruppe. Die Kultmarke aus Kalifornien wiederum produziert in China.

Nicht einmal die Bauteile stammen noch von europäischen Firmen. Unter den zehn größten Chipherstellern der Erde fand sich vergangenes Jahr lediglich eine Firma aus Europa, NXP aus den Niederlanden. Deutschlands größter Halbleiterproduzent, Infineon, schafft es nicht in die Top-ten.

Selbst wenn es europäische Hardware-Anbieter gäbe: Die wesentliche Software stammt praktisch komplett aus Übersee. Das US-Unternehmen Microsoft stellt mit Windows das beherrschende Betriebssystem für PCs und Notebooks. Die kalifornischen Konzerne Google mit Android und Apple mit iOS dominieren die Smartphones.

Amerika ärgert sich über die Abhängigkeit von China. Europa ist gleich doppelt abhängig: von China und den USA.

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