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Halbleiterhersteller Infineons Chipkartensparte schützt den eigenen Konzern

Der kleinste Konzernbereich hat viel Potenzial. Das hochsensible Know-how könnte Infineon dazu vor feindlichen Übernahmen schützen.
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Auf der kleinen Infineon-Sparte lastet ein hoher Druck. Quelle:  Infineon
Karte mit Sicherheitschip

Auf der kleinen Infineon-Sparte lastet ein hoher Druck.

(Foto:  Infineon)

München Sie steht nur für neun Prozent des Konzernumsatzes, und sie ist im jüngsten Quartal als einzige Sparte geschrumpft. Dennoch, die Division Chipcards & Security, kurz CCS, dürfte für Infineon langfristig immer wichtiger werden. „Das Internet der Dinge wird künftig für einen noch höheren Bedarf an unseren Lösungen sorgen“, sagte Bereichschef Thomas Rosteck dem Handelsblatt.

In den nächsten Jahren werden Milliarden elektrische Geräte miteinander verknüpft, vom Auto über die Ampel bis zur Armbanduhr. Viele davon werden wohl über ihre Software vor Hackern geschützt, also mit Antiviren-Programmen. Immer mehr Hersteller setzen aber auch Halbleiter ein, um die Elektronik vor unerlaubtem Zugriff zu bewahren – und dann kommt Deutschlands größter Halbleiterhersteller Infineon ins Spiel.

„Das größte Wachstumspotenzial sehen wir bei Sicherheitschips, die fest in Geräte eingebaut werden“, sagt Rosteck. Fachleute sprechen von „Embedded Security Solutions“. Sie werden zum Beispiel verwendet, um Nutzer zu identifizieren.

Bislang enttäuschen die Umsätze

Rosteck hat keine Wahl, er muss neue Umsatzquellen erschließen. Sein Vorstandschef Reinhard Ploss verlangt ein strammes Wachstum von allen vier Sparten. In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahrs haben sich die drei anderen Bereiche wesentlich dynamischer entwickelt. CCS ist als einzige Division im Vergleich zum Vorjahr geschrumpft. Der Umsatz sank um fünf Prozent auf 175 Millionen Euro.

Der Druck ist also gewaltig. Im laufenden Geschäftsjahr soll der Konzernumsatz um gut sieben Prozent klettern. Für nächstes Jahr verspricht der CEO, das hohe Tempo noch zu steigern. Gleichzeitig hat Ploss dieses Frühjahr das Ziel für die operative Rendite hochgesetzt und angekündigt, künftig mehr als die derzeit angestrebten 17 Prozent zu erwirtschaften. CCS lag im jüngsten Quartal mit 16,6 Prozent leicht darunter.

Ein kräftiger Zuwachs scheint bei CCS in den kommenden Jahren durchaus realistisch. Zumindest, wenn die Kunden der Sparte recht behalten. „Wer die Sicherheit nicht in den Griff bekommt, der braucht gar keine Dienstleistungen im Internet der Dinge anzubieten“, meint Jan Metzner von Amazon Web Services, der IT-Sparte des Internetkaufhauses Amazon. Die Amerikaner arbeiten mit Infineon zusammen.

Ein anderer Abnehmer, der auf Sicherheitschips von Infineon setzt, ist Wibu Systems. Die Karlsruher bauen die Halbleiter unter anderem in sogenannte Dongles ein, Elektronikstifte, mit denen sich zum Beispiel Techniker Zugang zu Maschinen verschaffen.

Auf diesen Dongles befinden sich kryptografische Schlüssel von Infineon, mit denen die Serviceleute für eine bestimmte Zeit die Möglichkeit besitzen‧, Anlagen zu warten. „Damit erreichen sie das höchste Sicherheitsniveau, alle anderen Lösungen sind nicht so zuverlässig“, so Wibu-Manager Stefan Bamberg.

Die Sicherheitschips sind jedoch nicht nur dazu da, Feinde von außen abzuwehren. In Textilmaschinen könnten sie zum Beispiel eingesetzt werden, um Produktionsmengen zu beschränken, so Wibu-Manager Bamberg. Damit könnten Sportmarken wie Adidas sicherstellen, dass die Webstühle nach Fabrikschluss nicht noch einmal angeworfen werden, um den Schwarzmarkt zu bedienen.

CCS ist für Deutschlands größten Halbleiterproduzenten allerdings auch strategisch bedeutsam – über die reinen Zahlen hinaus. Der Bereich verfügt über hochsensibles Wissen, mit dem die Münchener Chips für Pässe und Geldkarten fertigen. Zunehmend integrieren IT-Konzerne solche Chips direkt in Smartphones und Computeruhren, mit denen sich die Menschen identifizieren und bezahlen können.

Es sind Technologien, die Infineon im Fall der Fälle sogar vor einer feindlichen Übernahme schützen könnten, weil sie in Deutschland einmalig sind. „Wir verfügen über Know-how, das für Deutschland und Europa eine wichtige Rolle spielt“, betonte Rosteck.

Handelskonflikt bietet plötzlich Potenzial

Schon mehrfach haben die US-Behörden Übernahmen von einheimischen Chipfirmen durch ausländische Wettbewerber untersagt. Auch Infineon musste einen Zukauf in Amerika abblasen. Die Begründung: Die nationale Sicherheit sei gefährdet. Insider in der Halbleiterbranche glauben, dass die deutsche Regierung ähnlich argumentieren könnte, falls je ein Investor aus dem Ausland versuchen sollte, Infineon gegen den Willen des Managements zu schlucken.

Darüber hinaus hilft Infineon bei seiner starken Präsenz in China der Zentralsitz in München und damit Europa. In China werden amerikanische Firmen zunehmend kritischer wahrgenommen. Gerade hat Peking den Kauf des niederländischen Chipherstellers NXP durch den US-Konzern Qualcomm vereitelt.

Die Handelsstreitigkeiten zwischen Amerika und der Volksrepublik spielten dabei eine wesentliche Rolle. In Branchenkreisen heißt es zudem, dass die Chinesen ungern noch mehr bei Qualcomm, also bei Amerikanern, einkaufen wollten. Sie bevorzugen einen europäischen Anbieter. NXP erzielt rund 40 Prozent seines Umsatzes in China und gilt als großer Wettbewerber Infineons bei den lukrativen Chipkarten.

Mit einem Marktanteil von knapp einem Viertel sieht sich Infineon weltweit als Nummer eins im Geschäft mit Chips für Geldkarten und Ausweise. Die Marktforscher von IHS schätzen den Umsatz in diesem Geschäft weltweit auf knapp 2,8 Milliarden Dollar. Rund zwei Drittel vom Umsatz erzielt CCS mit diesen Karten, der Rest mit den Embedded Security Solutions.

Und noch etwas macht CCS so wertvoll für Infineon. Auch die anderen Bereiche des Konzerns greifen immer häufiger auf das eigene Sicherheits-Know-how zurück. Das gilt nicht zuletzt für die Autosparte, die Chips für das autonome Fahren liefert. Schließlich muss sichergestellt werden, dass kein Unbefugter die Kontrolle über die Fahrzeuge übernehmen kann.

Als internen Dienstleister sieht Rosteck seine Sparte dennoch nicht: „Natürlich ist unser Wissen für alle Divisionen von Infineon relevant. Aber unsere erste Aufgabe ist es, als Bereich Geld zu verdienen.“ Die Anleger werden das gern hören.

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