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Jeffrey "Jeff" Bezos „Deine Marge ist meine Chance“

Der Amazon-CEO sagt: „Es gibt immer nur Tag 1 für ein Unternehmen“. Denn „Tag 2 ist Stillstand, gefolgt von Irrelevanz, Niedergang, Tod.“ Machen, Erfolg haben oder scheitern. Dann das nächste Projekt bitte.
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Sein Unternehmen Amazon ist längst kein Start-up mehr, der Online-Riese beschäftigt mehr als 380.000 Mitarbeiter. Trotzdem bringt er im Wochentakt neue Produkte heraus oder expandiert in neue Kategorien. Quelle: Getty Images
Jeff Bezos

Sein Unternehmen Amazon ist längst kein Start-up mehr, der Online-Riese beschäftigt mehr als 380.000 Mitarbeiter. Trotzdem bringt er im Wochentakt neue Produkte heraus oder expandiert in neue Kategorien.

(Foto: Getty Images)

San FranciscoJeffrey „Jeff“ Preston Bezos. Ein Name, den man sich merken muss. Er hätte es wirklich nicht nötig gehabt. 1964 in eine einfache Familie in New Mexico geboren, schaffte es der junge Mann mit guter Ausbildung in Princeton schnell bis an die Wall Street. Und das wäre für viele Teenager bereits genug Erfolgsgeschichte für ein ganzes Leben gewesen.

In der Finanzindustrie wäre er, nach allem was wir heute wissen, wohl auch zu einem vermögenden Mann geworden. Aber ein vermögender Mann, dessen Namen niemand kennt. Jeff Bezos wollte aber mehr. 1994 setzte sich der damals jüngste Vice-President seiner Investmentfirma mit seiner Frau an einem schönen New Yorker Morgen ins Auto und fuhr quer durch Amerika an die Westküste. Den Businessplan für seine riskante Idee tippte er während der Fahrt auf dem Beifahrersitz auf einer Schreibmaschine.

Das Paar ließ das Silicon Valley links liegen und wählte Seattle als Sitz für seine Firmengründung. Amazon.com eröffnete 1995 seine digitalen Pforten und Bezos und ein paar Helfer packten in der kleinen Garage die ersten Kartons mit Büchern, die die Kunden über dieses komische Internet bestellt hatten. Ein digitales Netzwerk, noch in den Kinderschuhen, aber irgendwie magisch für Bezos, der großes Potenzial sah, als Google noch nicht einmal existierte. Der Erfolg gab ihm recht. Nach einem Monat verkaufte er bereits Bücher rund um den Globus und nach zwei Monaten lag der Umsatz bei 20.000 Dollar pro Woche.

Heute setzt Amazon.com 178 Milliarden Dollar im Jahr um, und der 48-Jährige Jeff Bezos wird in einem Atemzug mit den Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin, Tesla-Chef Elon Musk oder Microsoft-Legende Bill Gates genannt. Letzteren hat er 2017 auch als reichsten Menschen der Erde abgelöst. Anfang 2018 wurde er dann der erste Mensch mit einem Privatvermögen von über 100 Milliarden Dollar.

1997 setzte Bezos, dessen geflügeltes Wort „Deine Marge ist meine Chance“, Panik in Chefetagen der ganzen Welt auslöst, alles au eine Karte. Ein Börsengang brachte das Geld für eine beispiellose Expansion. Neben Büchern verkaufte er CDs, Elektronik, Spielzeug und bald eigentlich alles, was man in einem Karton verschicken kann. Ruhelos nahm er sich eine Branche nach der anderen vor.

„Es gibt immer nur Tag 1 für ein Unternehmen“

Er stieg mit den Amazon Studios in Hollywood ein. Sein Manager Andy Jassy kam eines Tages zu ihm und meinte, man könnte die riesige Computer-Infrastruktur besser auslasten, wenn man Rechenleistung an anderer Unternehmen verkauft. Bezos, erinnert sich Jassy, ließ sich den Geschäftsplan – auf einer Seite zusammengefasst – zeigen, nickte und habe „nie wieder nachgefragt.“ AWS ist heute Weltmarktführer bei Cloud-Computing und bringt zehn Prozent der Konzernumsatzes ein – und über 50 Prozent des operativen Ergebnisses.

Cloud-Computing ist eigentlich das letzte, was einem bei einem Handelskonzern einfällt, aber es passt zum rastlosen Bezos, der sagt, „es gibt immer nur Tag 1 für ein Unternehmen“. Denn „Tag 2 ist Stillstand, gefolgt von Irrelevanz, Niedergang, Tod.“ Deshalb arbeitet Bezos in dem gigantischen Firmenhauptquartier im Gebäude mit dem Namen „Tag 1“.

Wie erreicht er diesen Status des permanenten Tages 1? Nach eigenen Aussagen mit „absoluter Kundenbesessenheit“ einem skeptischen Blick auf Lösungen die gerade gut genug sind, ein Aufsaugen von Trends und einer Entscheidungsfindung mit Höchstgeschwindigkeit. So wie bei AWS. Machen, Erfolg haben oder scheitern. Dann das nächste Projekt bitte. Bezos kennt alles. Er hat das „Fire-Phone“ verantwortet, Amazons Antwort auf Apples iPhone. Ein fürchterlicher Flopp. Dann wird aus den Fehlern gelernt, neu angefangen oder beerdigt. Aber schnell.

„Den möchte ich nicht zum Feind haben“

Geschwindigkeit ist sein Zauberwort für Organisationen, die mit der Zeit immer mehr Fett ansetzen. Sie treffen qualitativ hochwertige Entscheidungen – aber oft zu spät. Bezos reichen 70 Prozent der Informationen, die er gerne hätte, um zu entscheiden. Die Zeit für die letzten 30 Prozent dauert zu lange. Dieses Management bedeutet aber auch, dass man Fehler schnell erkennen und umsteuern muss. Das liegt Bezos im Blut. Schon als der Teenager in den Sommerferien bei McDonalds jobbte, machte er dem lokalen Manager Vorschläge, die Abläufe zu verbessern.

Und Bezos ist, nach eigenem und dem Bekunden anderer, schlicht stur. Das ist Voraussetzung, um Neues zu schaffen. Wall-Street-Investoren treibt er mit einer konsequenten Wachstumsstrategie auf Kosten der Gewinne in den Wahnsinn. Aber die Aktionäre vertrauen ihm. Er will auch konstruktiv stur sein. Wenn es keine Übereinstimmung in einem wichtigen Projekt ist, schwört er seine Mitstreiter ein auf „anderer Meinung sein und sich verpflichten“. Er akzeptiere, dass es erhebliche Zweifel gebe und die zu Protokoll genommen werden. Dann sollen sich alle verpflichten, es einfach mit ihm zu versuchen. Auch fundierte Kritiker würden dann schnell konstruktiv mitarbeiten. So wie er. Er habe einmal ein Filmprojekt rundheraus abgelehnt, sich dann aber überzeugen lassen.

Kritiker monieren trotzdem teils „brutale Arbeitsbedingungen“ bei Amazon, ein gnadenloses internes Bewertungssystem. Morgens, wenn die angestellten ihren Computer anschalten, bekommen sie jeden Tag eine Frage zum Unternehmen, ihren Führungskräften oder sich selbst, die sie beantworten müssen. Alles anonym, wie die Geschäftsleitung betont. Doch bei manchen bleibt ein schaler Nachgeschmack.
Doch bislang muss sich der Macher Bezos nicht um neue Mitarbeiter sorgen. Sein jüngster Coup: Zusammen mit JPMorgan und Berkshire Hathaway von Warren Buffett steigt Amazon in die Gesundheitsindustrie ein. Starinvestor Buffett hat die Seite, auf der er steht, mit Bedacht gewählt. Über Bezos sagte er einmal „Den möchte ich nicht zum Feind haben, wenn ich ein Unternehmen leite.“ Und morgen ist wieder Tag 1.

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