Foxconn auf dem Rückzug

Die Zulieferer von Apple suchen nach alternativen Standorten für die Produktion.

(Foto: dpa)

Handelsstreit Apple-Zulieferer fliehen aus China

Der Handelskonflikt zwischen China und den USA spitzt sich zu. Mit neuen Werken in Südostasien wollen sich iPhone-Lieferanten vor den Folgen schützen.
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Peking/BangkokDesigned in California, made in China: Das Erfolgsrezept von Apple gerät wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China ins Wanken. Aus Angst vor einer Eskalation ziehen die Zulieferer des Elektronikkonzerns ihre Produktionskapazitäten aus der Volksrepublik ab und stellen ihre Lieferketten im benachbarten Südostasien neu auf. Jüngstes Beispiel ist der Apple-Partner Pegatron, größter iPhone-Hersteller nach dem Konkurrenten Foxconn.

Dabei hatte das taiwanesische Unternehmen Pegatron jahrelang vor allem auf seine Werke in China gesetzt. Noch vor etwas mehr als zwei Jahren – wenige Monate vor der Wahl von US-Präsident Donald Trump – kündigte der Zulieferer dort einen Ausbau seiner Fabriken an.

Nun sieht sich das Unternehmen zum Umsteuern gezwungen. Doch es sei ohnehin geplant gewesen, sich von der Produktion in China unabhängiger zu machen, sagte Pegatron-Finanzchef Charles Lin. „Die zunehmenden Handelsspannungen beschleunigen nun unsere Entscheidung“, sagte er Ende vergangener Woche. Ziel ist die südostasiatische Staatengemeinschaft Asean: In bis zu drei Ländern in der Region wolle er in neue Produktionsanlagen investieren.

Pegatron, das in seinen chinesischen Werken zehntausende Arbeiter beschäftigt, gehört damit zu einer langen Reihe von Apple-Zulieferern, die sich aus China schrittweise zurückziehen. Mit Werken in Südostasien wollen sie sich vor den Folgen des Handelskonflikts schützen.

Zwar gibt es für iPhones und andere Apple-Produkte wie die Drahtloskopfhörer AirPods und die Apple Smartwatch Ausnahmen von den US-Zöllen. Doch die Zulieferer sorgen sich offenbar davor, dass diese bei einer Zuspitzung des Konflikts zurückgenommen werden könnten.

Chinas Präsident Xi Jinping und Trump werden sich am Rande des G20-Gipfels Ende des Monats in Buenos Aires treffen, um über die Entwicklung im Handelsstreit zu sprechen. Bisher haben die USA Strafzölle auf Importe aus China im Volumen von insgesamt 250 Milliarden Dollar erhoben.

Für den Großteil der Warengruppen liegen die Zölle bei zehn Prozent. Einigen sich Trump und Xi nicht, würden die Zölle zu Beginn des kommenden Jahres auf 25 Prozent ansteigen. Trump hat zudem angekündigt, weitere Importe aus China mit Zöllen belegen zu wollen, wenn sich keine Einigung findet.

Unternehmen arbeiten an Notfallplänen

Auch der Lieferant GoerTek, der die Airpods für Apple in China zusammenbaut, erwägt vor diesem Hintergrund laut einem Bericht der „Nikkei Asian Review“, einen Teil seiner Produktion nach Vietnam zu verlagern. Der taiwanesische Konzern Cheng Uei, der unter anderem Ladetechnik für iPhones produziert, arbeitet ebenfalls an einem Notfallplan, um negative Auswirkungen von Zöllen zu minimieren. Das Unternehmen sieht sich nach neuen Produktionsstandorten in Ländern wie Thailand, Vietnam und den Philippinen um, wie Unternehmensleiter T.C. Gou mitteilte.

Bereits im Sommer hatte Apples Komponentenzulieferer Delta Electronics die Übernahme einer thailändischen Partnerfirma für mehr als zwei Milliarden Dollar angekündigt. „Wir werden unsere Produktionsstandorte in China nicht aufgeben“, sagte Konzernchef Yancey Hai. „Aber die Strategie wird uns mehr Optionen geben, um mit Unsicherheiten umgehen zu können.“

Die Apple-Zulieferer sind mit ihrem gestiegenen Interesse an Südostasien nicht allein. Auch andere große Elektronikhersteller ziehen mit ihren Werken in Chinas Nachbarländer. Panasonic stellte Autoelektronik für den US-Markt zuletzt in seinen chinesischen Werken Suzhou und Shenzhen her. Nun will der japanische Konzern die Produktion unter anderem nach Thailand und Malaysia verlagern.

Insgesamt plant laut einer Ende Oktober veröffentlichten Studie der US-Handelskammer in China die Hälfte der befragten Firmen, Produktionskapazitäten aus China in andere Länder abzuziehen. Fast drei Viertel der Unternehmen, die zumindest teilweise aus China abwandern wollen, haben Südostasien als Ziel.

Von den europäischen Unternehmen gaben in einer Umfrage der europäischen Handelskammer in China 17 Prozent der Befragten an, ihre Investitionen aufgrund des Handelsstreits zurückstellen zu wollen. Elf Prozent denken darüber nach, ihre Produktion umzusiedeln, weil die Strafzölle zu höheren Kosten führen könnten.

Der Handelskonflikt ist aber nicht der einzige Grund, weshalb sich die Unternehmen von China abwenden. Dazu tragen auch die dort steigenden Löhne bei. „Kurzfristig wird es China natürlich sehr schmerzen“, meint Jia Mo, Analyst bei der Marktforschungsfirma Canalys.

Aber langfristig sei es im Sinne Pekings, wenn die Werkbänke verschwinden. „China will sich in ein Zentrum für Technologieinnovation wandeln und sich stärker auf Hochtechnologie konzentrieren.“

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