Handelsstreit Elektronikkonzern Sharp sagt Kapitalerhöhung ab – wegen Trump

Die Entscheidung ist ein Rückschlag für Mutterkonzern Foxconn. Der will dennoch an massiven Investitionen in den USA festhalten. Trump applaudiert.
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Japan: Elektronikkonzern Sharp sagt Kapitalerhöhung wegen Trump ab Quelle: dpa
Sharp

Der Konzern will sich dabei auf hochpreisige Premiumgeräte konzentrieren, darunter Fernseher der nächsten Generation.

(Foto: dpa)

TokioDer eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China fordert ein Opfer in Japan. Der japanische Elektronikkonzern Sharp, der zum taiwanischen Auftragsfertiger Foxconn gehört, hat am Freitag seinen erst in der vergangenen Woche vorgestellten Plan abgesagt, neue Aktien im Wert von zwei Milliarden Dollar auszugeben. Als Grund gab Sharp an, die wachsenden Spannungen im Handelsstreit zwischen den USA und China hätten die Volatilität am Aktienmarkt erhöht.

Dies ist ein Rückschlag für die Expansionspläne der Konzernmutter Foxconn, die als einer der ersten globalen Riesen US-Präsident Donald Trump durch massive Investitionen von zehn Milliarden US-Dollar in den USA gnädig stimmen wollte. Der Konzern wollte die Einnahmen für Aktienrückkäufe von Sharp und vor allem Investitionen in Forschung und Entwicklung investieren. Denn der japanische Pionier von Flachfernsehern ist ein wichtiger Bestandteil von Foxconns Expansionsplänen in den USA.

Nachdem Foxconn den einstigen Krisenfall Sharp saniert hat, versuchen die Japaner wieder, verlorene Märkte zurückzuerobern. Ganz oben auf der Liste steht der Wiedereintritt in den Fernsehermarkt in den USA – voraussichtlich noch in diesem Jahr.

Fabrikneubau als Symbol der „America First“-Politik

Der Konzern will sich dabei auf hochpreisige Premiumgeräte konzentrieren, darunter Fernseher der nächsten Generation mit der superhochauflösenden 8K-Technik. Die Geräte sollen dann in dem ersten großen Werk Foxconns gebaut werden, dessen Grundsteinlegung am Donnerstag im US-Bundesstaat Wisconsin stattfand – im Beisein von Präsident Donald Trump.

Trump machte auch rasch deutlich, warum er gemeinsam mit Foxconn-Gründer Terry Gou und Wisconsins Gouverneur Scott Walker zu den Schaufeln griff. In einer Ansprache stilisierte er den Fabrikneubau zum Symbol seiner „America First“-Politik hoch, Industriejobs in die USA zurückzubringen. „Die heutige Grundsteinlegung ist nur ein Teil einer aufregenden Story, die quer durch unsere Nation stattfindet“, sagte Trump. Dies sei erst der Anfang. „Dies ist das achte Weltwunder.“

Verbale Unterstützung bei den Feierlichkeiten erhielten Trump und Gou dabei von der japanischen Investorenlegende Masayoshi Son, dessen Konzern Softbank den größten Technikinvestmentfond der Welt verwaltet. Trump bat ihn, ein paar Worte zu sprechen. Son erfüllte die Erwartungen. Dies sei der Beginn, ein neues Ökosystem der Hightech-Produktion in die USA zurückzubringen, sagte er diplomatisch.

Trump und Son verbindet eine besondere Beziehung. Son war im Dezember 2016 als einer der ersten globalen Konzernführer zu Trump gereist, um ihm zur Präsidentschaft zu gratulieren. Und mehr noch: Er unterstützte auch Trumps Wirtschaftspolitik mit dem Versprechen, insgesamt 50 Milliarden Dollar in den USA investieren zu wollen.

Aktionäre zeigen sich dankbar

Auch die Investitionen seines Freundes Gou, dem Foxconn-Gründer, hatte Son damals angekündigt. Son dürfte nun hoffen, dass Trumps Regierung durch die erste Umsetzung der vollmundigen Versprechen gnädig gestimmt wird und die geplante Fusion seines US-Mobilfunkanbieters Sprint mit der Telekom-Tochter T-Mobile US durchwinkt.

Foxconn-Chef Gou hingegen muss nun sehen, wie er die geplante Kapitalerhöhung Sharp ersetzen kann. Die gute Nachricht: Finanziell absolut notwendig ist sie nicht. „Es wird keinen Einfluss auf unser Geschäft oder die Ausführung unseres mittelfristigen Managementplans geben“, versprach Sharp am Freitag.

Die Aktionäre kauften Sharp dieses Versprechen ab. Denn der japanische Elektronikkonzern ist im Bilanzjahr 2017 nicht nur wieder kräftig gewachsen, sondern hat auch erstmals seit 2014 wieder einen Reingewinn erzielt. Die Anleger, die eine Verwässerung ihrer Anteile befürchtet hatten, waren daher dankbar über die Absage der Kapitalerhöhung. Sharps Aktienkurs stieg am Freitag im Vormittagshandel um 16 Prozent auf 2724 Yen.

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