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Handyhersteller Nokia versucht den Befreiungsschlag

Der Mobilfunkkonzern ist ein angezählter Riese: Die neuen Smartphones verkaufen sich mäßig. Jetzt tritt der einstige Weltmarktführer die Flucht nach vorne an. In einem radikalen Schnitt werden Stellen gestrichen.
14.06.2012 - 12:37 Uhr Kommentieren
Nokia schließt das Forschungszentrum in Ulm. Quelle: dapd

Nokia schließt das Forschungszentrum in Ulm.

(Foto: dapd)

Espoo Der kriselnde Handy-Riese Nokia streicht 10.000 Arbeitsplätze, um seine Zukunft zu sichern. Damit fällt rund jede fünfte Stelle im Handy-Geschäft weg. Die Jobs werden bis Ende 2013 abgebaut, wie das finnische Unternehmen am Donnerstag ankündigte. Der Standort für Forschung und Entwicklung in Ulm mit zuletzt 730 Mitarbeitern soll schon Ende September schließen.

„Wir müssen nicht nur unsere finanzielle Lage verbessern, sondern auch langfristig die Zukunft von Nokia sichern“, erklärte Konzernchef Stephen Elop. Die Börsianer werteten die Rotstift-Aktion eher als Zeichen der Schwäche: Die Aktie verlor zum Mittag mehr als elf Prozent und notierte erstmals knapp unter zwei Euro.

Deutschland bleibe aber ein sehr wichtiger Standort für Nokia, betonte Elop in einer Telefonkonferenz. Er hob vor allem das Zentrum für ortsbezogene Dienste in Berlin hervor. Die Mitarbeiter in Ulm arbeiteten aber an Projekten, die Nokia nicht mehr fortführen werde.

Ortsbezogene Dienste sollen neben digitaler Fotografie und mobiler Navigation ein zukünftiger Schwerpunkt von Nokia werden. Elops Plan ist, den Fokus auf die neuen Smartphones der Marke Lumia und verwandte Angebote zu schärfen. Dafür gibt es die Kürzungen in anderen Geschäftsbereichen. Nokia steckt in roten Zahlen fest und muss dringend die Kosten senken. Allein im ersten Quartal gab es einen gewaltigen Verlust von 929 Millionen Euro.

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    Jetzt sollen die jährlichen Einsparungen bei den operativen Ausgaben von einer auf drei Milliarden Euro hochgeschraubt werden. Von dem Milliardenziel seien im ersten Quartal bereits 700 Millionen Euro geschafft worden, sagte Elop. Zunächst wird der Stellenabbau aber rund eine Milliarde Euro an zusätzlichen Kosten verschlingen. Eine Zäsur ist die Schließung des traditionsreichen Werks Salo im Finnland. Allein in Nokias Heimatland sollen 3700 Jobs verschwinden.

    Mit der neuen Strategie wird auch das Führungsteam umgekrempelt. Es gehen Marketingchefin Jerri DeVard, Handy-Chefin Mary McDowell und Niklas Savander als Zuständiger für Märkte. Sie werden durch Nachfolger aus den eigenen Reihen ersetzt. So wird Chris Weber, der die Lumia-Markteinführung im Problemmarkt USA über die Bühne brachte, neuer Marketingchef.

    Nokia muss sich „äußerster Eile und sehr aggressiv“ bewegen
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