Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Handykosten Billiger telefonieren in der EU – Was die Entscheidung für Verbraucher bedeutet

Die EU deckelt die Preise für Telefonate ins Ausland. Verbraucherschützer begrüßen das – sehen aber noch Verbesserungsbedarf.
Kommentieren
Billiger telefonieren in der EU – Was die Entscheidung bedeutet Quelle: dpa
Touristin im griechischen Sarti

Das Telefonieren ins EU-Ausland wird billiger: Gespräche sollen nur noch 19 Cent pro Minute kosten dürfen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfÜberraschend hohe Handyrechnungen, weil ein Gesprächspartner im Ausland war – damit soll bald Schluss sein. Die Europäische Union (EU) will Telefonate innerhalb der EU günstiger machen. Das Parlament in Straßburg hat am Mittwoch mit großer Mehrheit für entsprechende neue Regeln gestimmt. Was genau die Pläne vorsehen und was das für Verbraucher bedeutet. Ein Überblick.

Was ändert sich?
Bislang gibt es keine Kosten-Obergrenze für Auslandstelefonate aus dem eigenen Land. Gespräche mit einem Bekannten in Spanien konnten deshalb schnell teuer werden. Das soll sich mit den neuen EU-Regeln ändern. Telefonate aus dem eigenen in ein anderes EU-Land sollen nur noch 19 Cent pro Minute kosten dürfen – egal ob vom Handy oder vom Festnetz aus. Auch die Kosten für SMS werden gedeckelt: Sie sollen maximal sechs Cent kosten dürfen.

Wann treten die neuen Regeln in Kraft?
Noch sind die Preisobergrenzen keine beschlossene Sache. Der Rat der Mitgliedstaaten muss auch noch grünes Licht geben. Dass der den neuen Regeln zustimmt, gilt aber als sicher. Hat der Rat entschieden, kann die Obergrenze im Mai 2019 in Kraft treten – pünktlich zur Europawahl.

Was kosten Anrufe in das EU-Ausland bislang?
Derzeit fallen bis zu 1,99 Euro Gebühren pro Minute für Gespräche ins EU-Ausland an. Das zeigen Daten des Europäischen Verbraucherverbands Beuc. Die Roaming-Gebühren, also die Kosten für Anrufe aus fremden Netzen im EU-Ausland, waren bereits im Sommer 2017 abgeschafft worden.

Das hatte unter Verbrauchern für Verwirrung gesorgt: Einer Forsa-Studie vom Frühjahr 2018 zufolge glaubte etwa die Hälfte der Befragten, dass die Kosten für ihre Telefonate ins EU-Ausland aufgrund der abgeschafften Roaming-Gebühren bereits gedeckelt seien. Ein Irrtum, der schnell teuer werden konnte.

Was bedeutet das für meinen Vertrag?
Die Verordnung, mit der die EU die Roaming-Gebühren gestrichen hat, war unklar formuliert. Das haben einige Unternehmen ausgenutzt. Betroffene Verbraucher mussten ihre Netzbetreiber kontaktieren, um sicherzustellen, dass sie keine EU-Roaming-Gebühren mehr bezahlen.

Der Bundeszentrale Verbraucherverband (VZBV) hofft, dass das diesmal besser läuft – und verweist auf die Bundesnetzagentur. Die ist für die Einhaltung der EU-Regeln zuständig. Dort heißt es auf Nachfrage aber lediglich: „Die Regeln sind zwar auf den Weg gebracht, aber noch nicht beschlossen.“ Wie die Umsetzung strukturiert wird, könnte man deshalb noch nicht sagen.

Gelten die neuen Regeln auch für Prepaid-Karten?
Die neuen Regeln werden für alle Verträge gelten, unabhängig davon, wann sie abgeschlossen wurden und ob sie Prepaid oder Postpaid abgerechnet werden.

Was sagen Verbraucherschützer?
Dass nun auch die Kosten für Telefonate in das EU-Ausland gedeckelt werden sollen, stößt bei Verbraucherschützern auf Zustimmung: „Es ist eine gute Nachricht, dass sich Verbraucher nicht mehr um überhöhte Kosten sorgen müssen“, kommentierte Monique Goyens vom europäischen Verbraucherverband Beuc. Die geplante Preisobergrenze sei nach dem Aus für die Roaming-Gebühren der nächste logische Schritt. Schließlich mache es keinen Sinn, dass Verbraucher für Telefonate mit Freunden in Frankreich weniger zahlen müssen, wenn sie selbst im Ausland sind.

Auch der Bundeszentrale Verbraucherverband (VZBV) begrüßt die Preisdeckelung. Dort spricht man von einem „guten Kompromiss und einem wichtigen Schritt Richtung digitalem Binnenmarkt.“ Allerdings blieben in Deutschland noch viele Probleme bestehen. So seien die Mindestvertragslaufzeiten für Telefonverträge zu lang. Sie müssten auf sechs Monate gesenkt werden, fordert VZBV-Expertin Susanne Blohm.

Erhöhen die Mobilfunk-Anbieter jetzt die Monatspreise?
Den Unternehmen dürfte die Preisobergrenze nicht gefallen. Der o2-Mutterkonzern Telefónica kritisiert, dass die „Politik einmal mehr in die Wertschöpfung der Netzbetreiber“ eingreife. Das sei aus Verbrauchersicht zwar verständlich. „Als Anbieter sehen wir dies jedoch kritisch“, sagt ein Sprecher, der die Regeln als „verordnete Umsatzsenkung“ bezeichnet. Wie sich die EU-Pläne auf die Zahlen des Konzerns und die Tarife für die Kunden auswirken würde, will das Unternehmen noch nicht beantworten. 

Bei Vodafone heißt es lediglich, dass Kunden für Gespräche ins EU-Ausland schon heute weniger zahlen müssten, als es die EU-Deckelung vorsieht. Die Telekom hat auf eine entsprechende Anfrage noch nicht geantwortet.

Was hat das EU-Parlament noch beschlossen?
Die Preisobergrenze für Telefonate ins EU-Ausland ist nicht die einzige Neuerung. Das neue Gesetzespaket sieht auch eine Art umgekehrten Notruf vor. Bei Terroranschlägen und Naturkatastrophen sollen Handynutzer per SMS oder App gewarnt werden können. Ein solches System müssten die EU-Mitgliedstaaten innerhalb von 18 Monaten nach der offiziellen Verabschiedung der EU-Regeln auf die Beine stellen.

Telefon- oder Handyverträge sollen künftig zudem einen leicht verständlichen Überblick über die Konditionen bieten. Sie müssen darüber hinaus auch über mögliche Kostenrückerstattungen informieren – etwa wenn Verbrauchern bei einem Anbieterwechsel noch Prepaid-Guthaben bleibt. Die neuen Regeln sollen Anreize zum Aufbau eines schnelleren Internets schaffen.

Mit Material von dpa.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Handykosten - Billiger telefonieren in der EU – Was die Entscheidung für Verbraucher bedeutet

0 Kommentare zu "Handykosten: Billiger telefonieren in der EU – Was die Entscheidung für Verbraucher bedeutet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.