Angela Merkel mit Schiebehandy: Dieses Gerät dürfte nicht verschlüsselt sein.
Herr Erdmann, ihre Firma liefert verschlüsselungsfähige Handys an die Bundesregierung. Haben Sie wegen der Meldungen über das abgehörte Mobiltelefon der Kanzlerin einen Schreck bekommen?
Zuerst mal war ein bisschen Aufregung …
... weil Sie die Verschlüsselungschips für die Nokia-Geräte der Bundesregierung geliefert haben.
Ja, aber es geht in diesem Fall ja wohl nicht um die kryptierten Handys, sondern um ein nicht verschlüsseltes Telefon.
Das heißt, es kann kein Kanzlerinnen-Telefonat abgehört worden sein?
Ein verschlüsseltes Gerät kann sowohl verschlüsselte Kommunikation über „eingestufte Inhalte“ ermöglichen als auch nicht verschlüsselte Kommunikation. Verschlüsselt kann man aber nur zwischen zwei so ausgestatteten Geräten reden. Selbst wenn es mehrere tausend verschlüsselte Telefone beim Bund gibt, ist das nicht viel. Speziell, wenn man die Kanzlerin betrachtet, wenn sie mit Fraktion oder Partei telefoniert: Denn die haben nicht solche Geräte, mit denen muss sie gezwungenermaßen offen reden.
Auf Fotos sieht man Frau Merkel in der Öffentlichkeit mit einem Nokia-Schiebehandy.
Dieses Nokia der Kanzlerin ist nicht von uns geliefert worden und meines Wissens nicht kryptiert. Wir haben meistens ein E63 geliefert, das war das prominenteste Modell. Wer es sich leisten konnte, hat auch ein E71 genommen.
Mit den Behörden im Austausch
Das heißt, wenn die NSA ein Handy angreifen konnte, dann dieses Schiebehandy?
Weder das Kanzleramt noch das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) geben an, was überhaupt vorgefallen ist. Irgendwo hat man wohl die Rufnummer gefunden, wo sie nicht sein durfte. Daraus zu schließen, dass jemand ihre Gespräche angegriffen hat, ist erst einmal eine Mutmaßung. Wenn man versucht hat, ihre Telefonate abzuhören und es waren verschlüsselte Gespräche, dann hat auch die NSA da wenig Freude dran. Wenn die Kanzlerin offen telefoniert hat, dann gibt es dafür auch keine Verschlüsselung.
Die verschlüsselten Gespräche über die von ihnen ausgerüsteten Handys können nicht geknackt worden sein?
Unsere Verschlüsselungslösung ist nach Stand der Technik nicht entschlüsselbar. Man kann bestenfalls die verschlüsselten Daten aus öffentlichen Netzen abgreifen – das ist das, was die NSA im Wesentlichen tut. Aber diese Daten zu entschlüsseln, ist nicht ohne weiteres möglich. Was heute sicher ist, kann zwar in Zukunft durchaus entschlüsselbar sein. In der Theorie sind unsere Systeme aber nachweislich so sicher, dass man nicht durch Raten an den Schlüssel kommen kann. Alle Computer auf der Welt bräuchten länger, an den Schlüssel zu kommen, als die Erde existiert. Also selbst, wenn man verschlüsselte Daten abfängt und speichert, werden die nicht entschlüsselbar sein. Aber das Alles hilft nichts, wenn man die Verschlüsselung nicht benutzt.
Sie sind also sicher, dass Ihre Technik nicht gehackt wurde?
Da sind wir sicher.
Wie sind Sie in die Versuche der Aufklärung der Vorfälle involviert?
Wir beliefern die Bundesbehörden inklusive Kanzleramt mit der Verschlüsselungstechnik und stehen mit den Kunden im Austausch.
Gerade bekommt die Bundesregierung Blackberry-Geräte, die von Ihnen mit Sicherheitstechnik versehen wurde.
Die Geräte sind in Auslieferung und die ersten seit September im Einsatz.
Kompletter Datenzugriff verschlüsselt
Hat Frau Merkel auch schon so ein Gerät?
Zu den Kunden gehört das Kanzleramt. Ob sie es schon hat, das weiß ich nicht – ich glaube eher nicht.
Und was ist der Vorteil der neuen Geräte?
Damit wird auch der komplette Datenzugriff verschlüsselt – nicht nur Gespräche und SMS. Die Blackberrys bieten gesicherten Zugriff auf das Intranet des Bundes und dann in das Internet.
Wie geht es weiter für Ihre Firma?
Wenn sich bestätigt, dass – wenn überhaupt – nur offene Telefonie angegriffen, dann ist das gut für uns. Nach dem Motto: „Hättest du das mal lieber verschlüsselt gemacht.“ Es rückt ins Bewusstsein, dass Verschlüsselung auf diesem Level ein Muss ist. Das ist die einzige effektive Maßnahme, um sich dagegen zu schützen. Denn sie werden niemals die Daten auf dem Transportwege schützen können – egal ob es die Kanzlerin oder der Papst ist. Daten gehen über öffentliche Netze und können abgegriffen werden, das wissen wir seit Snowden. Und die Verschlüsselung haben wir uns nicht im stillen Kämmerlein ausgedacht, das ist ein Standard des BSI, den wir umsetzen.
Und wie läuft ihr Geschäft derzeit?
Sehr erfreulich. Die Snowden-Enthüllungen haben unserem Angebot sehr gut getan. Wir haben jetzt auch mehr Firmenkunden. Seit September haben wir allein an Bundesregierung über 1000 Stück verkauft und das ist nicht das Ende.
Wie teuer sind die Geräte?
Für die Bundesregierung kosten sie über einen Rahmenvertrag 1750 Euro das Stück. Privatkunden zahlen 2.500 Euro.
Dr. Christoph Erdmann ist Mitgründer und Geschäftsführer der Düsseldorfer IT-Sicherheitsfirma Secusmart.






17 Kommentare zu "Handylieferant der Bundesregierung: „Keine Hilfe, wenn man die Verschlüsselung nicht nutzt“"
Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.
...und nicht zu vergessen die Chinesen. die machen das ja auch, nur die sind ein bisschen schlauer als die NSA und haben auch keinen Maulwurf wie den Snowden in ihren Reihen....;-)
Na ja, was wird Merkel schon besonderes über ihr Mobiltelefon zu besprechen haben was die NSA interessieren könnte, ichelrich nicht die Koalitionsespräche mit der SPD.....;-) Vie schlimmer ist doch, wenn Firmen abgehört werden und dann diess wissen über Produkte, etc. von der NSA an amerikanische Firmen weitergegeben wird zum Wohle des Wettbewerbsvorteil. Da geht es um zig Milliarden die unsere Wirtschaft verliert.
...................wenn ich lese....."keine Hilfe, wenn man die Verschlüsselung nicht nutzt".....Ein Satz herausgegeben von der Fa. Sucusmart in Düsseldorf.
Sehr geehrter Herr Christopf Erdmann......Sie haben es unterlassen in erschöpfender Weise Ihre verschlüsselten Handys bis zum Umfallen erklärt zu haben. Ich gehe davon aus, das es so ist. Sie reihen sich in die Schar all Jeniger ein, die heute verkaufen nur um des schnöden Mammons wegen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß Ihr mangelndes Engagement zu dieser Katastrophe geführt hat, die unsere Bundeskanzlerin erleben muß. Da Sie nicht aus der alten Schule stammen, sondern noch ein verhältnismäßig junger Mann sind, gehören Sie zu den Typen von Unternehmern, die die Ware am liebsten über die Ladentheke schieben und sonst nichts. Aus der alten Schule stammen die Frauen und Männer, die sich über Jahrzehnte von unten nach oben gedient haben. Sie haben bis zum Exzess und bis zur totalen Erschöpfung für ihr Produkt gearbeitet. Und dazu gehört die Beratung bis zum Umfallen. Sie können erst nach Hause gehen, wenn absolut und zuverlässig alles verstanden wurde. Haben Sie verstanden??????? Das können die Jungunternehmer von Heute nicht und sie werden es auch nicht verstehen, weil sie es gar nicht wollen. Der schnelle Euro ist wichtiger. Das Kaliber Beratung ist um so wichtiger, was an Komplexität vorliegt. Das in den Kunden hineingehen, ihm eine Beratungsorgie hinzulegen, die oscarreif ist, das können Sie nicht. Und sie ist das Geheimnis des Artikels. Er ist fast wertlos, wenn nicht alles, aber auch wirklich alles besprochen wurde. Für eine solch wichtige Person hat man Tag und Nacht in erschöpfender Weise zur Verfügung zu stehen, mit strahlenden Augen, besessen, das Beste zu geben, nämlich sein Wissen, seine Botschaft..............Aber es ist ein frommer Wunsch von mir..........das gibts nicht mehr, es war einmal , und überall das gleich Bild ......................
Hier bringen aber einige einiges durcheinander!!
1. is tlt. Aritkel derzeit nicht bekannt, ob M vershlüsselt hat oder nicht. Es ist nicht einmal sicher, welches Handy vor der Abhörung betroffen ist.
2. Darüber hinaus ist aber auch völlig egal, welches Handy abgehört wurde und ob die NSA das Abgehörte LESEN kann. Fakt ist die Abhörung selbst, nicht, ob der Abhörende was damit anfangen kann. Falls er das nicht kann, weils verschlüsselt ist, dann ist das ja nicht sien Verdienst.
Hier stellt sich die Frage ob die Bundeskanzlerin überhaupt mit einen Mobiltelefon(nicht Handy) rumlaufen muss, sieht doch sehr provinziell aus!!!
Hier stellt sich die Frage, ob die Bundeskanzlerin überhaupt mit einen Mobiltelefon(nicht Handy)rumlaufen muss, sieht ja provinziell aus!!!
Kommentar überflüssig. Dummheit schützt nicht vor Torheit! Jeder Handy Nutzer und jeder PC Nutzer sollte sich mit seiner Sicherheit vertraut machen und leider ist dieses nicht der Fall bei einen Handy unserer Bundeskanzlerin gewesen. Sie sollte sich doch besser informieren oder hat Sie inkompetente Sicherheitspersonal zur Erklärung Ihres Handys gehabt.
Bitte nicht aufregen, wir Bürger werden ja auch überwacht. :-)
Europa sollte sich überlegen, ob es nicht ohne die engen Bindungen zu den USA besser dastehen würde. Ich würde z.B. anstelle der NATO die Idee der europäischen Verteidigungs-Gemeinschaft wieder beleben.
In Berlin sollte man wieder eine Enigma 2.0 einführen.
Zitat : „Keine Hilfe, wenn man die Verschlüsselung nicht nutzt“
- die Verschlüsselung ist bei einer Totalabsaugmethode witzlos. Sie sorgt nur für eine zeitliche Verzögerung bei der Entschlüsselung !
Denn alles, was verschlüsselt wird, kann auch entschlüsselt werden !
Ausserdem funktioniert die Verschlüsselung nur bei Handys,die den Code auf beiden Handys haben.