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Cebit 2018

In diesem Jahr lockte der Branchentreff nur noch 120.000 Besucher auf das Messegelände in Hannover.

(Foto: dpa)

Hannover IT-Messe Cebit wird nach Besucherschwund eingestellt

Nach jahrelang sinkender Bedeutung folgt nun das Aus für die einst weltgrößte Computershow. Die Cebit wurde für den Betreiber zum finanziellen Risiko.
Update: 28.11.2018 - 17:19 Uhr 2 Kommentare

Düsseldorf, Frankfurt Die Frage stellten sich viele Besucher, die im Juni 2018 über die Messe Cebit liefen: Hat die Technologiemesse noch eine Zukunft? Gewiss, das neue Konzept sorgte für frische Impulse. Am Riesenrad von SAP war einiges los, bei den abendlichen Konzerten auf der Plaza im Zentrum der Veranstaltungen feierten Tausende Menschen.

Doch in etlichen Hallen verloren sich die Besucher zwischen den Ständen, und mancher Aussteller ließ hinter vorgehaltener Hand durchblicken, dass sich die Investition nicht gelohnt habe.

Nun hat die Deutsche Messe AG als Ausrichter selbst die Antwort geliefert: Das Unternehmen gibt die Cebit auf. Schon die Veranstaltung nächstes Jahr, die für Ende Juni angesetzt war, wird nicht mehr stattfinden, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. „Angesichts rückläufiger Flächenbuchungen“ werde man die industrienahen Themen in die Hannover Messe integrieren, hieß es.

„Die Zukunftsfähigkeit der Messe hat mit der Verbreitung der Digitalisierung und anderer technologischer Trends in allen Branchen abgenommen“, sagte Bernd Althusmann, Wirtschaftsminister von Niedersachsen und Aufsichtsratschef der Messe AG, dem Handelsblatt. „Wir mussten daher schnell handeln und haben es getan.“ Das Unternehmen werde nun Themen wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz „in kleineren Messen Raum geben“.

Offenbar drohte ein massives finanzielles Risiko. „Aus heutiger Perspektive würde eine Cebit 2019 massiv in den Verlustbereich abdriften. Auch in der längerfristigen Perspektive ist eine Besserung nicht zu erwarten“, heißt es in einem internen Schreiben des Messevorstands, aus dem die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ zitiert.

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Der Verlust im kommenden Jahr hätte nach Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen bei rund fünf Millionen Euro gelegen, vor allem wegen rückläufiger Standbuchungen. Demnach wollten von den sechs Premiumpartnern IBM, Salesforce und Huawei ihr Engagement gänzlich einstellen.

Die drei anderen Partner – Volkswagen, SAP und Vodafone – planten teilweise deutlich geringere Investitionen. Die Unternehmen wollten das nicht direkt kommentieren. Ein IBM-Sprecher äußerte aber Verständnis für die Entscheidung der Deutschen Messe, die Cebit einzustellen.

Hinzu kommt: Von den zuletzt rund 120.000 Besuchern in diesem Jahr waren nur rund zwei Drittel zahlende Besucher.

Die Einstellung der Cebit hat auch personelle Konsequenzen: Cebit-Chef Oliver Frese wird das Unternehmen verlassen. Er habe um seine Entbindung gebeten, heißt es in einer Erklärung. Nach Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen muss er gehen, weil er die gesteckten Ziele nicht erreicht hat. „Es ist sehr bedauerlich, einen so erfahrenen Messemacher und Vorstand zu verlieren“, sagte Aufsichtsratschef Althusmann.

Das Ende einer Ära

Das Cebit-Aus bedeutet das Ende einer Ära. In den 70er-Jahren richtete die Deutsche Messe AG das „Centrum der Büro- und Informationstechnik“ ein, zunächst als Teil der Industriemesse. Angesichts der wachsenden Bedeutung erhielt die Cebit 1986 einen eigenen Auftritt. Schon die erste Veranstaltung war ein Erfolg: Es kamen 330.000 Besucher.

Die Welt wurde immer digitaler, die Cebit immer größer. Zu Hoch-Zeiten zählte das Unternehmen mehr als 800.000 Besucher auf dem Gelände im Süden Hannovers, Konzerne wie Nokia und Microsoft stellten dort Weltneuheiten vor.

Seit der Jahrtausendwende büßte die Cebit allerdings massiv an Bedeutung ein. Das lag auch an der erstarkenden Konkurrenz: Messen wie die CES in Las Vegas und der Mobile World Congress in Barcelona richten sich ebenfalls an ein Publikum, das an der Digitalisierung mit allen Facetten interessiert ist. Selbst mit der Ifa in Berlin, der einstigen Funkausstellung, gab es Überschneidungen. Konferenzen wie die South by Southwest (SXSW) in Austin sprechen die jungen Digitalspezialisten an.

Viele Konzerne richteten außerdem eigene Hausmessen aus. Diese Woche lädt beispielsweise Amazon in Las Vegas zur Re:Invent. Und Salesforce nutzte die Cebit, um eine kleinere Variante der eigenen Hausmesse Dreamforce abzuhalten. Die Konzerne präsentieren ihre Produkte gerne auf eigenen Veranstaltungen – Apple hat es mit den inszenierten Präsentationen vorgemacht. Angesichts begrenzter Marketingbudgets konkurriert die Cebit auch mit diesen Formaten.

Vor diesem Hintergrund erhielt die Cebit ein neues Konzept. „Klassische IT-Entscheider sind auf der Cebit stark vertreten, aber die jungen, kreativen Leute nicht in ausreichender Anzahl“, fasste Frese, der damals im Vorstand der Deutschen Messe AG für die Veranstaltung zuständig war, die Hintergründe zusammen.

In diesem Jahr vermarktete die Deutsche Messe AG die Cebit erstmals als Festival für die Digitalisierung. SAP stellte ein gewaltiges Riesenrad auf, das die Vernetzung von Maschinen im Internet der Dinge anschaulich machen sollte; IBM holte zahlreiche Kunden an den Stand, die demonstrierten, wie sich die Lieferkette mit der Technologie Blockchain kontrollieren lässt.

Umbruch in der Branche

Konzerte am Abend flankierten das neue Programm – ganz im Stil der South by Southwest, die einst als Musikfestival begann und immer mehr zu einer Konferenz für Technologiethemen wurde. Damit das gelang, fand die Messe 2018 erstmals im Sommer statt und nicht im kalten Frühjahr.

Die Einstellung der Cebit ist auch ein Beleg für den Umbruch, den die deutschen Messegesellschaften bewältigen müssen. Wie anderen Branchen macht ihnen die Digitalisierung zu schaffen.

Diese verändert die Geschäftsmodelle der Aussteller: Kunden werden anders angesprochen. Innovationszyklen verkürzen sich und passen damit nicht mehr zum Rhythmus klassischer Großmessen. Zudem werden ganz neue Netzwerke aufgebaut, die zumindest zum Teil in Konkurrenz zu den Ausstellungen in den Messehallen treten.

Als eine Antwort darauf setzen viele Messe-Chefs auf ihre Leitmessen, die so groß und führend sind, dass die Unternehmen diese kaum meiden können. Das geschieht beispielsweise durch den Export der Veranstaltung in das Ausland.

Gleichzeitig wächst der finanzielle Druck. In Deutschland sind nur wenige Messen in der Lage, ohne Subventionen auszukommen und auch ihre Investitionen zu stemmen. Dazu zählen etwa Frankfurt und Düsseldorf. Die meisten Gesellschaften benötigen Unterstützung etwa durch die Kommunen.

Die sind dazu grundsätzlich bereit, denn über die Besucher, die Geld in den Hotels und Restaurants lassen, profitiert die Region, im Fachjargon Umwegrendite genannt. Doch auch hier sind die goldenen Zeiten vorbei: Die Firmen arbeiten mit weniger Personal an den Ständen, die Besucher verbringen weniger Tage auf der Messe.

Hinzu kommt: Die EU-Kommission untersucht seit mehreren Jahren die finanzielle Unterstützung von Messegesellschaften mit Steuergeldern. Angesichts dessen überrascht es nicht, dass Messegesellschaften ihre Veranstaltungen hinsichtlich der Rentabilität genau unter die Lupe nehmen und im Zweifel einstellen.

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2 Kommentare zu "Hannover: IT-Messe Cebit wird nach Besucherschwund eingestellt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Da war ja meine Entscheidung, letztes Jahr das erste Mal seit 2000 nicht zur Messe zu gehen, sozusagen wegweisend. Das hatte aber seine Gründe: Exorbitante Eintrittspreise, und schon seit Jahren keine Innovationen mehr dort entdeckt. Die Messe hat die Trends der Elektronik verpennt, es war nie möglich, dort Software oder Hardware zu suchen weil die Stände eher zeigten, wie Grün der Energiebedarf oder wie Wolkig der Speicherplatz war, an statt die Fähigkeiten der Produkte den Besuchern beim Vorbeigehen deutlich zu machen.
    Wenn ich erst an jedem Stand einen halben Tag verbringen muss, bis ich einen mit Ahnung erreiche der mir was vorführt, dann reicht eine ganze Woche nicht, geschweige denn 1 Tag.
    So gucke ich heute eher im Internet nach Produkten die auf der Herstellerseite gut beschrieben sind.

  • Armes Deutschland - hast nicht einmal Geld für ein IT-Messe.
    Wo wird als nächstes gespart?

    Und was sollen eigentlich die lächerlichen Überlegungen zur Künstlichen Intelligenz? Wenn man schon kein Geld für eine Messe hat, dann sollte man Ausgaben für die Künstliche Intelligenz gleich begraben!
    Oder möchte man wieder ein MILLIARDEN DESASTER wie in der Photovoltaik Industrie mit der Pleite von Solarworld und viele andere????

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