Harman Samsung kauft Spezialisten für Auto-Elektronik

Samsung stößt weiter in das Geschäft mit dem vernetzten Auto vor. Die Südkoreaner kaufen dazu den US-Elektronikhersteller Harman für rund acht Milliarden Dollar. Die Firma rüstet auch Autos deutscher Hersteller aus.
Update: 14.11.2016 - 11:58 Uhr
Samsung drängt mit dem Kauf des Elektronik-Konzerns massiv ins Autogeschäft. Quelle: dpa
Harman-Chef Dinesh Paliwal

Samsung drängt mit dem Kauf des Elektronik-Konzerns massiv ins Autogeschäft.

(Foto: dpa)

Seoul/StamfordSamsung drängt mit dem Kauf des Elektronik-Konzerns Harman massiv ins Autogeschäft. Der südkoreanische Smartphone-Marktführer einigte sich auf den Kauf der US-Firma für insgesamt rund acht Milliarden Dollar. Harman macht rund zwei Drittel seines Geschäfts mit Autoelektronik und rüstet unter anderem auch Fahrzeuge deutscher Hersteller mit Unterhaltungsanlagen aus.

Zugleich arbeitet der Konzern an der Vernetzung von Autos und Sicherheitssystemen. So zeigte Harman auf der vergangenen Elektronik-Messe CES zum Beispiel eine Kamera-Anlage, die das Stress-Niveau des Fahrers erkennt. Der Zulieferer arbeitet mit 36 Marken zusammen, aktuell seien rund 30 Millionen Fahrzeuge mit Technik von Harman auf den Straßen. „Das wird die Industrie durchrütteln“, andere Zulieferer kämen stärker unter Druck, sagte Harman-Chef Dinesh Paliwal zu dem Deal in einer Telefonkonferenz.

Samsung bekommt nach eigener Auskunft durch die Akquisition eine maßgebliche Position in dem schnell wachsenden Markt für Autoelektronik. Der Konzern kämpft gerade mit einem Debakel mit dem neuen Smartphone Galaxy Note 7, das nach Bränden vom Markt genommen werden musste – ein immenser Imageschaden für den Weltmarktführer in diesem Bereich. Der Konzern ist aber breit aufgestellt und bietet unter anderem noch Fernseher, Hausgeräte, Bildschirme und Halbleiter an.

Mit dem Harman-Kauf bekommt Samsung eine enge direkte Verbindung zu führenden Autobauern und einen Einblick in deren Zukunftsvisionen und die Wünsche der Verbraucher. Damit könnte der Wettstreit um die Schlüsselposition bei der Bedienung von Elektronik im Auto noch einmal spannender werden. Die Autohersteller setzen auf eigene Lösungen, während Apple und Google mit den Plattformen Carplay und Android Auto iPhones und Smartphones mit dem Android-System in den Mittelpunkt rücken. Insgesamt hat Harman Aufträge aus der Autobranche für 24 Milliarden Dollar in den Büchern.

Außerdem gehören zu Harman bekannte Unterhaltungselektronik-Marken wie Harman/Kardon, AKG oder JBL. Der TV-Geräte-Marktführer Samsung könnte damit seine Position im Sound-Bereich gegen Rivalen wie Sony ausbauen.

Das sind die größten Autozulieferer
Platz 14: Valeo
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14,5 Milliarden Euro erwirtschaftete der französische Autozulieferer im vergangenen Jahr. Das Unternehmen wirbt unter anderem damit, dass jedes dritte Auto in Europa mit einer Valeo-Kupplung fährt.

Quelle: Berylls Strategy Advisors

Platz 13: Goodyear
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Der US-Konzern ist der weltweit drittgrößte Reifenhersteller und kam 2015 auf einen Umsatz von 15 Milliarden Euro.

Platz 12: Lear Corporation
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Der amerikanische Zulieferer stattet vor allem das Innenleben der Autos aus, unter anderem mit Sitzgarnituren. Mit einem Umsatz von 16,7 Milliarden Euro kommt Lear auf Rang zwölf.

Platz 11: Faurecia
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Der französische Automobilzulieferer designt und produziert Autositze, Abgasanlagen, Innenraumsysteme und Kunststoff-Außenteile. Die weltweit fast 100.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr 20,7 Milliarden Euro.

Platz 10: Michelin
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Der traditionsreiche französische Reifenhersteller kam 2015 auf einen Umsatz von 21,2 Milliarden Euro.

Platz 9: Johnson Controls
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Eine Batterie steht im Werk Johnson Controls in Hannover auf einem Produktionsband. Der Mischkonzern produziert und vertreibt Innenausstattungen und Elektroniksysteme vieler Autohersteller. Umsatz: 23,9 Milliarden Euro.

Platz 8: Bridgestone/Firestone
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Das japanische Unternehmen ist vor allem für seine Reifen bekannt. Im Jahr 2015 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 24,1 Milliarden Euro.

Es ist der größte Zukauf eines südkoreanischen Unternehmens in Übersee. „Samsung nutzt seine riesigen Barbestände, um im Markt für Autotechnologien die Konkurrenz zu überholen“, sagte Fondsmanager Park Jung-hoon vom Vermögensverwalter HDC Asset Management. „Aber es bleibt noch abzuwarten, ob es zu einem Unternehmen anwachsen kann, dass hier mit Bosch und Continental mithalten kann.“

Harman kam in den vergangenen zwölf Monaten auf einen Umsatz bei sieben Milliarden Dollar. Der Preis von 112 Dollar pro Aktie bedeutet einen Aufschlag von 28 Prozent auf den Schlusskurs von Freitag. Harman soll als unabhängige Tochter unter dem Samsung-Konzerndach agieren, Firmenchef Dinesh Paliwal und das Top-Management sollen an Bord bleiben. Der Deal muss noch von Aktionären und Aufsehern abgesegnet werden und soll bis Mitte 2017 über die Bühne gehen.

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