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Hartmut Esslinger Macintosh-Designer prophezeit China eine große Zukunft

Der Deutsche hat mit Steve Jobs den ersten tragbaren Macintosh entworfen. Er gilt als einer der besten Designer – und attestiert China eine große Zukunft.
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„Die Frage ist nicht, wie es Apple geht, sondern warum die Kopierer nicht etwas Innovativeres machen.“ Quelle: picture alliance / Photoshot
Hartmut Esslinger

„Die Frage ist nicht, wie es Apple geht, sondern warum die Kopierer nicht etwas Innovativeres machen.“

(Foto: picture alliance / Photoshot)

Er ist ein großer China-Kenner: Hartmut Esslinger, geboren im Schwarzwald, wohnhaft in Kalifornien, hat innerhalb der Fudan University und des Shanghai Institute of Visual Art ein Institut für Strategisches Design und Innovation aufgebaut. Noch, so sagt er, kupfern alle von Apple ab. Aber wie lange noch?

Was ist das Besondere an Apples Design?
Unsere Idee war es, eine Designsymbolik zu finden, die das Thema Digital ausdrückte. Das war 1982, und Apple steckte in einer tiefen Krise. Wir hatten die Idee, dass wir jedermann ansprechen wollen – nicht nur die IT-Experten in den Firmen.

Gefällt Ihnen das neue iPhone?
Ja, es ist schon unsere Designsprache – nach wie vor. Auch wenn der Notch am iPhone, also der Ausschnitt am oberen Ende, nicht wirklich gut aussieht. Wichtig ist aber auch: Nicht das physische Design ist heute wichtig, sondern die „experience“, die man damit hat.

Was kommt denn nach dem Smartphone?
Das nächste Produkt muss etwas ganz Neues sein. Alle arbeiten daran – auch ich.

Und wie sieht das nächste Produkt aus?
Das kann ein Knopf an der Kleidung sein oder ein Chip im Ohr. Als Beispiel.

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Oder eine Armbanduhr?
Nein, das glaube ich nicht. Die iWatch von Apple ist wie ein Parasit-Produkt. Ein Produkt, das es schon gibt, wird mit neuen Inhalten gefüllt. Die Menschen haben aber schon Armbanduhren. Die Geschichte dieses Produkts ist über 100 Jahre alt. Alles, was an den Körper kommt, wird irgendwann kompliziert, weil es zu Mode wird.

Wie lange wird sich der Stern von Apple halten?
Die Frage ist nicht, wie es Apple geht, sondern warum die Kopierer nicht etwas Innovativeres machen, damit sie auch höhere Gewinne erzielen. Apple erzielt mit einem Marktanteil von 14 Prozent 87 Prozent der Gewinne; und Samsung mit einem Marktanteil von 20 Prozent nur zehn Prozent der Gewinne. Das ist doch kurios. Warum ist der Rest der Unternehmen – Samsung, Xaomi, Huawei und so weiter – nicht innovativer?

Samsung hat immerhin ein neues faltbares Display vorgestellt – ist das nicht innovativ?
Ja, durchaus, aber die Idee gibt es schon lange. Die „New York Times“ hat mich vor 20 Jahren nach der Zukunft der Computer gefragt, da habe ich ihnen solch ein flexibles Display vorgeschlagen.

Warum liegt das so nahe?
Erstens, es macht Spaß, man kann damit herrlich spielen. Und dann ist es praktisch, man kann es zusammenfalten und klein in die Tasche stecken. Ich finde Samsungs Vorstoß gut – da passiert wenigstens etwas.

Wie sähe ein Smartphone aus, das Sie heute entwickeln?
Ich arbeite dran. Mehr verrate ich nicht.

Wie beurteilen Sie die Designstärke Chinas?
An unserer chinesischen Designschule, an der ich seit 2011 unterrichte, ist in jeder Abschlussklasse ein Student dabei, meistens ist es eine Studentin, die absolute Weltklasse ist. Das Problem in China ist nicht der Mangel an Talent, sondern der Mangel an Verständnis auf der Managementebene.

… und dazu kommt die Kopierlust.
Ja. Alle kopieren Apple. Und Designer sind oft auch Feiglinge. Sie achten streng darauf, dass nichts schiefgeht. Sie sehen nicht die Chance für ein besseres Business. Die Angst vor dem Neuen ist bei den meisten Menschen groß. Viele Leute kopieren lieber, als dass sie neue Werte schaffen.

Sie nehmen für sich in Anspruch, ständig etwas Neues auszuprobieren. Was war denn Ihr radikalstes Designprodukt?
Das war schon Apple, vor allem der Apple IIc, der 1984 rauskam. Ganz simpel, ganz radikal. Es gab ja damals kein designmäßiges Vorbild für Apple. Und das war riskant: Wenn der Apple IIc nicht geklappt hätte, hätte das Unternehmen mich gefeuert. Aber es klappte – wir haben 800.000 Stück im ersten Jahr verkauft. Aber dahin zu kommen: War das ein gnadenloser Kampf! Das wollte ja niemand bei Apple. Außer Steve Jobs war keiner auf meiner Seite. Der Rest waren Feiglinge – und haben gebremst.

Worauf kommt es bei einer Designstrategie an?
Dass die Menschen sagen: Oh Gott, was soll das? Aber sie können die Augen nicht abwenden.

Was kann gutes Design bewirken?
Design muss das, was die Menschen wollen und sich erträumen, mit dem verbinden, was technisch möglich und sinnvoll ist. Das kann ganz trivial sein: Ich nehme zum Beispiel aus der Tastatur Dinge raus und packe sie in den Bildschirm. Das ist das Geheimnis von Design: den Menschen etwas geben, was das Leben verbessert.

Gibt es heute noch echte Designinnovationen?
In vielen Unternehmen spielt Design heute eine essenzielle Rolle. Firmen wie Apple, Sony und auch viele Automobilhersteller wären ohne Designstrategie undenkbar. Das ist ein Riesenfortschritt im Vergleich zu früher. Wer sich heute Design nicht leistet, der geht den Bach runter. Beispiel Tesla: Das Unternehmen hat überhaupt kein Designprofil. Es ist ein Mischmasch aus Jaguar und Mazda. Die Autos sehen aus wie abgelutscht.

Tesla hat kein überzeugendes Design?
Nein. Tesla-Designer Franz von Holzhausen ist zwar ein brillanter Designer, aber der Gründer Elon Musk ist kein Steve Jobs. Musk hat keinen Geschmack, keinen Stil. Er ist ein Reinredner. Ich habe immer wieder Leute gefunden, die irgendwohin wollten, und dann hat was gefehlt, und es hat sich herausgestellt, dass sie irgendwohin wollen, wo ich auch hinwill. Man braucht Glück, man muss fleißig sein. Mit Elon Musk könnte ich nicht arbeiten, sein Verhalten geht mir gegen den Strich.

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