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Hauptversammlung Infineon-Aktionäre kritisieren neuen Chefaufseher

Der Stahlmanager Wolfgang Eder soll im August den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen. Das ist nicht die einzige Personalie, die für Unmut sorgt.
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Der Voestalpine-Chef soll im Sommer Chefaufseher von Infineon werden. Quelle: Reuters
Wolfgang Eder

Der Voestalpine-Chef soll im Sommer Chefaufseher von Infineon werden.

(Foto: Reuters)

MünchenBald ist es so weit: Im August wird Wolfgang Eder neuer Aufsichtsratschef von Infineon. Das kündigte auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag Eckart Sünner an, der derzeit das Aufsichtsgremium des Dax-Konzerns führt. Sünner hatte das Amt erst im vergangenen Jahr übergangsweise übernommen. Der 74-Jährige erreicht im kommenden Jahr die Altersgrenze.

Es hat seinen Grund, dass Eder gerade im August antritt: Kurz vorher hört der 67-Jährige als Chef des österreichischen Stahlherstellers Voestalpine auf. Der Manager sitzt seit vergangenem Jahr im Aufsichtsrat des größten deutschen Chipherstellers. Auf der Hauptversammlung 2018 war der langjährige Chefaufseher Wolfgang Mayrhuber aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Der Österreicher verstarb Ende 2018.

Schon zur Hauptversammlung 2018 stand fest, dass Eder an die Spitze des Aufsichtsrats aufrücken sollte. Den Zeitpunkt ließ Infineon bis jetzt aber offen.

Der Aufstieg des Juristen gefällt nicht allen Aktionären. „Wir schätzen Sie als Vorstandsvorsitzenden von Voestalpine, aber wir sehen Sie nicht als geeigneten Kandidaten für den Aufsichtsratsvorsitz bei Infineon an“, kritisierte Markus Golinski, Portfoliomanager von Union Investment.

Die Investmentgesellschaft bevorzuge einen Halbleiterexperten auf dem Posten. „Wir halten es für wichtig, dass der Aufsichtsrat in der Lage ist, Entwicklungen und Markttrends in dieser sehr komplexen Industrie frühzeitig zu erkennen und richtig einzuschätzen“, sagte Golinski.

Noch etwas prangerte Golinski an: Finanzchef Dominik Asam hat Ende vergangenen Jahres gekündigt, er wird den Halbleiterhersteller Ende März verlassen. Künftig ist er für die Zahlen beim Luftfahrtkonzern Airbus verantwortlich. Bis heute hat der Aufsichtsrat keinen Nachfolger ernannt.

„Infineon braucht jetzt dringend einen neuen Finanzvorstand, damit das hohe Vertrauen, das man sich am Kapitalmarkt erarbeitet hat, auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten erhalten bleibt“, forderte Golinski.

Auch Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutionelle Privatanleger kritisierte die Aufseher dafür, dass sie noch niemanden gefunden haben: „Das müsste der Aufsichtsrat besser tun, als er es bisher getan hat.“

Die Suche solle „zügig beendet“ werden, unterstrich Aufsichtsratschef Sünner auf dem Aktionärstreffen. Das Gremium habe beschlossen, sich auf weibliche Kandidaten zu konzentrieren und auch interne Anwärter zu berücksichtigen. Bislang besteht der vierköpfige Vorstand nur aus Männern.

Aktionäre stellen Ziele in Frage

Wer auch immer künftig für die Kasse von Infineon zuständig ist: Es sind bewegte Zeiten bei den Münchenern. Anfang Februar hat Vorstandschef Reinhard Ploss seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr, es endet im September, gekappt. Statt mit bis zu elf Prozent rechnet der Ingenieur nur noch mit neun Prozent Umsatzplus. Die operative Marge soll etwa 17,5 Prozent statt der ursprünglich angepeilten 18 Prozent betragen.

Gleichzeitig investiert der Konzern aber kräftig in neue Maschinen und Fabriken. Die Expansion sehen viele Investoren kritisch. Nicht zuletzt deshalb ist der Aktienkurs seit der Hauptversammlung 2018 um rund zwölf Prozent gesunken. Der Dax hat demgegenüber lediglich etwa neun Prozent an Wert verloren.

Aktionärsvertreter sind skeptisch und zweifeln daran, dass Infineon seine Ziele dieses Jahr erreicht. Das schwache Wirtschaftswachstum in China und die weltweiten Handelsstreitigkeiten könnten Infineon treffen, fürchtet Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

„Nach zwei außergewöhnlich starken Jahren beruhigt sich der Markt an einigen Stellen“, sagte CEO Ploss auf der Hauptversammlung. Er fügte hinzu: „Aber wir wachsen weiter.“

Infineon dürfe nicht den Fehler machen, „massiv Produktionskapazitäten aufzubauen, die dem Unternehmen im konjunkturellen Abschwung auf die Füße fallen“, mahnte demgegenüber Union-Manager Golinski.

Es gebe kräftigen Verbesserungsbedarf im Konzern. „Trotz des guten Umsatzwachstums bleibt Infineon bei der Profitabilität und der freien Liquiditätsgenerierung deutlich hinter den führenden US-Wettbewerbern zurück. Hier sehen wir Verbesserungsbedarf.“

Die Hauptversammlung hat die Börse an diesem Donnerstag nicht recht überzeugt. In einem richtungslosen Markt stagnierte der Kurs bei rund 19,70 Euro.

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