Haushaltsroboter Sie saugen die Wohnung und mähen den Rasen – Roboter übernehmen den Haushalt

Seit Jahren prognostizieren Experten einen Siegeszug von Haushaltsrobotern. Passiert ist zunächst wenig. Doch jetzt ändert sich das Bild.
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Die Zahl der automatisierten Helfer nimmt rasant zu.
Poolroboter

Die Zahl der automatisierten Helfer nimmt rasant zu.

BerlinMit einem dumpfen Brummen setzt sich der Roboter in Bewegung. Seine Mission: wischen. Zwei Wischmopps sind auf der Unterseite des pizzatellergroßen Gerätes montiert. „Die wischen 600-mal in der Minute. Damit können wir nahezu jeden Boden reinigen“, sagt Hobot-Managerin Grace Chang.

Chang und ihre Kollegen haben sich die Elektronikausstellung Ifa in Berlin ausgesucht, um den Roboter mit dem sperrigen Namen „LEGEE-688“ zu präsentieren. „Reinigungsroboter werden immer beliebter. Doch unser Geräte ist das erste, das nicht nur saugen, sondern zuverlässig wischen kann“, sagt Chang.

Damit setzen sie auf einen Trend. Seit vielen Jahren treten Firmen mit den Versprechen auf, den Menschen mit Robotern den Alltag zu Hause zu erleichtern. Doch die meisten Geräte waren nicht ausgereift genug oder zu teuer, um einen Massenmarkt zu erschließen. Das ändert sich heute.

Saugroboter treten einen Siegeszug an. Allein im ersten Halbjahr 2018 stieg der Umsatz mit den smarten Putzhilfen in Deutschland laut Daten des Marktforschungsinstituts GfK um mehr als 100 Prozent an. Fuhr die erste Generation der elektrischen Helfer noch weitgehend planlos durch die Gegend, sind die neueren Geräte mit Kameras und Sensoren ausgestattet. Sie erkennen die Räume, in denen sie eingesetzt werden, und fahren die Flächen effizient ab.

„Einmal gestartet, saugen Saugroboter selbstständig durch die Räume und entfernen, täglich eingesetzt, vor allem Grobschmutz recht erfolgreich“, lobte die Stiftung Warentest vergangenes Jahr in einer Untersuchung. Unüberwindbare Hinternisse werden umfahren, und die smarten Geräte finden selbstständig zur Ladestation zurück, sobald der Akku zur Neige geht. Allerdings kann ihre Kraft nicht mit der eines Staubsaugers mithalten, kritisierten die Tester. „Auf Teppich entfernen sie Staub nur oberflächlich“, monierte die Stiftung Warentest.

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Rund 60 Prozent der in der Bundesrepublik verkauften Geräte sind bereits smarte Varianten. Der Absatz mit den Saugrobotern trieb das gesamte Geschäft mit vernetzten Kleingeräten in Deutschland in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 75 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

Die amerikanische Firma iRobot ist für ihren Roomba bekannt, der den Boden saugt. Auch ein Gerät zum Wischen ist inzwischen im Angebot. An einem automatischen Rasenmäher arbeiten die Ingenieure gerade, berichtet Firmenchef Colin Angle. Details will er noch nicht verraten. Das US-Unternehmen stellte ursprünglich Roboter für militärische Zwecke her, verkaufte dieses Geschäft aber.

iRobot ist im Technologie-Börsenindex Nasdaq notiert. 2018 peilt das US-Unternehmen einen Umsatz von einer Milliarde Dollar und ein Betriebsergebnis von 100 Millionen Dollar an. iRobot rühmt sich, mit 20 Millionen verkauften Geräten globaler Marktführer zu sein.

Die 120 Millionen Dollar, die iRobot in Forschung und Entwicklung investiert, teilt Firmenchef Angle in mehrere Bereiche. Erstens verbessert seine Firma bestehende Produkte wie die Staubsaugroboter – hier fließt der Großteil des Geldes hin. Zweitens arbeitet sie an Technologien, die in einigen Jahren relevant sein könnten – etwa Augmented Reality und die Vernetzung des Zuhause.

Und drittens geht es um Technologien, „von denen wir nicht wissen, ob sie wichtig werden“, wie Angle es formuliert. Roboterarme sind beispielsweise ein Thema, das der Ingenieur spannend findet. Oder die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. „Wie sollten Roboter aussehen, die sich mit Menschen unterhalten?“

Ethische Fragen

Große Chancen sieht Angle beispielsweise in der Pflege: „Eine der größten Herausforderungen für uns ist der demografische Wandel.“ In alternden Gesellschaften steigen die Kosten für die Betreuung, Einrichtungen wie Altersheime sind sehr teuer. „Langfristig fokussiert sich iRobot auf Systeme, die älteren Menschen dabei helfen, länger unabhängig zu leben.“ Ein Gerät mit Videokonferenzsystem könne etwa bequem die Kommunikation mit Angehörigen oder Ärzten erleichtern.

Bei der Entwicklung geht es nicht nur um technische, sondern auch um ethische Fragen. „Es dauert noch ein bisschen, bis ein Roboterarm einem Senior aus dem Bett helfen kann“, sagt Angle. „Aber da ergeben sich viele Fragen, etwa nach der Vermeidung von Verletzungen.“ Ziel sei es, eine Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine zu etablieren. Dass so etwas möglich ist, daran hat der Unternehmer keinen Zweifel. „Mehr als 90 Prozent der Nutzer geben ihren Roombas Namen.“ Er selbst hat eine Rosie und einen Roswell zu Hause.

Roboter mit Beinen hält Angle dagegen nicht für praktikabel. Als er am Massachusetts Institute of Technology (MIT) studierte, entwickelte er ein solches Modell. „In extremen Umgebungen wie dem Dschungel haben Beine Vorteile. Aber sie sind teuer und schwer zu kontrollieren.“ Daher gebe es nur wenige sinnvolle Einsatzgebiete – und dazu zähle der Haushalt nicht.

In Düsseldorf bringt sich ein Konkurrent aus China in Stellung. Das Unternehmen stellt seit 1998 Komponenten für Staubsauger und Bodenpflege her und firmiert seit 2006 unter dem Namen Ecovacs als Anbieter von Robotern. Der Bereich sei noch klein, wachse aber stark, sagt Europa-Chef Andreas Wahlich. In Deutschland liege die Marktdurchdringung nur zwischen zwei und drei Prozent. „Den Massenmarkt adressieren wir noch nicht, da ist viel Luft nach oben“, meint Wahlich.

Technologie spielt dabei eine entscheidende Rolle. Das Ziel formuliert der deutsche Manager so: „Der Roboter kümmert sich um alles automatisch.“ Verbraucher drücken im Idealfall einfach auf den Knopf oder programmieren eine Routine ein.

Damit das ohne Probleme abläuft, entwickelt Ecovacs eine Bilderkennung. Die Sensoren im Roboter sollen automatisch erkennen, wenn eine Socke, ein Kabel oder ein Hund auf dem Boden liegt und er einen Bogen um das Hindernis fahren muss. Die Bilder, betont Wahlich, würden nicht ans Unternehmen übertragen.

Eine Weiterentwicklung habe das Unternehmen „vor Augen“. Ein Beispiel: „Roboter sind mobil – wir überlegen, welche Funktionen wir daraus entwickeln können“, sagt Wahlich. Das Gerät könne ein Partner sein, nicht nur beim Putzen in den eigenen vier Wänden. Derzeit gebe es aber kein Entwicklungsprojekt, das in den nächsten zwei bis drei Jahren zu einem konkreten Produkt führe.

500 der 6 000 Mitarbeiter sind in der Forschungsabteilung tätig. Ecovacs schrieb im ersten Halbjahr 395 Millionen US-Dollar Umsatz und 31 Millionen Dollar Gewinn, beides jeweils ein Plus von 28 Prozent. Das Unternehmen ist seit diesem Jahr an der Börse, 75 Prozent der Aktien gehören aber der Gründerfamilie.

Die Saugroboter könnten die Einstiegsdroge in eine neue Welt sein. In den Entwicklungsetagen der Unternehmen wird ununterbrochen über die nächsten Generationen der Haushaltshelfer nachgedacht. Die Firma Foldimate verspricht, dass künftig das Wäschefalten der Vergangenheit angehört.

Stolz zeigt Chefverkäuferin Debbie Cohen-Abravanel auf den Kasten in den Dimensionen einer Waschmaschine. „Hier oben müssen sie die Kleidungstücke reinschieben“, sagt sie und legt eine Hose in den dafür vorgesehenen Einzug. Mit einem Zurren wird das Kleidungsstück in die Maschine gezogen. „Ich muss allerdings gestehen, dass dieses Gerät nur eine Demonstration ist. Der Apparat kann nicht falten“, sagt sie. Dann öffnet sie eine Klappe des Faltautomaten und zieht die zusammengeknüllte Hose heraus.

Doch die Kundschaft ist dennoch begeistert. Nach der ersten Vorstellung des Geräts gebe es bereits Tausende Vorbestellungen für den knapp 1 000 Euro teuren Faltroboter, teilt die Firma mit. „Unsere verbesserte Version soll bereits Ende 2019 auf den Markt kommen“, meint Foldimate-CMO Cohen-Abravanel.

Aber noch müssen die Hersteller den Beweis antreten, dass künftige Gerätegenerationen wirklich mehr leisten können, als nur einfache Aufgaben zu erledigen. Soziale Roboter, die wie kleine Menschen aussehen und ihre Nutzer mit Kulleraugen ansehen, konnten bislang nicht durchstarten.

Das Start-up Mayfield Robotics kündigte zum 31. Oktober das Aus für seinen Haushaltsroboter „Kuri“ an. Bosch hatte sich im Juli aus der Firma zurückgezogen, und kein anderer Investor wollte einspringen. Auch andere Hersteller wie Softbank oder Asus ringen damit, ihre sozialen Roboter tauglich für ein Massenpublikum zu machen.

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