Hewlett Packard Enterprise „Lieber klein als tot“ – wie Hewlett Packard Enterprise überleben will

Nach hartem Reformkurs will Antonio Neri, der neue Chef von HP Enterprise, das Unternehmen mit Cloud- und Edge-Computing zu neuem Wachstum führen.
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Der Chef von Hewlett Packard Enterprise setzt auf Wachstum in der Cloud. Quelle: Bloomberg
Antonio Neri

Der Chef von Hewlett Packard Enterprise setzt auf Wachstum in der Cloud.

(Foto: Bloomberg)

Las VegasAntonio Neri steht vor einer großen Herausforderung. Erst seit viereinhalb Monaten ist der 51-Jährige an der Spitze von Hewlett Packard Enterprise (HPE). Und in dieser Funktion soll er die Hoffnungen erfüllen, die Investoren in den Konzern setzen, der 2015 aus der Aufspaltung des IT-Dinosauriers Hewlett Packard hervorging.

Doch auch gut drei Jahre nach der Entlassung in die Eigenständigkeit kämpft HPE mit Problemen. Zwar übertrafen die jüngsten Quartalszahlen des Anbieters für Unternehmenstechnologie die Erwartungen der Investoren. Der Nettogewinn lag bei 778 Million Dollar. Im gleichen Vorjahresquartal fuhr HPE noch einen Verlust in Höhe von 612 Millionen Dollar ein.

Das bereinigte Ergebnis lag bei 39 Cent pro Aktie und damit über den Erwartungen der Analysten, die laut Bloomberg mit 36 Cent gerechnet hatten. Auch der Umsatz legte zehn Prozent zu. Allerdings kam das Wachstum vor allem aus dem „alten“ Geschäft von HPE, aus der gestiegenen Nachfrage nach Servern und Netzwerk-Ausrüstung.

Die großen Konkurrenten wachsen dagegen vor allem im Cloud-Geschäft deutlich schneller. Im vergangenen Quartal steigerte Microsoft die Erlöse seiner Cloud-Plattform Azure um 93 Prozent. Amazon Web Services (AWS) legte 49 Prozent zu. Der Internethändler Amazon dominiert das Cloud-Geschäft mit einem Markanteil von 33 Prozent, Microsoft folgt mit 13 Prozent. Steve Koenig, Managing Director bei der Investmentfirma Wedbush Securities sieht HPE daher „unter erheblichem Druck.”

Allerdings räumt der Konzern auch selbst Fehler ein. HPE habe neue Trends wie die mobile Revolution oder den Aufstieg der Datenwolke Cloud “verpasst”, erklärt Strategiechef Vishal Lall.

Umso mehr sieht sich das Unternehmen nun zum Wandel gezwungen. „Es macht keinen Sinn, das Unausweichliche hinauszuzögern”, sagt Neri. „Wir wollen lieber klein, wendig und fokussiert sein, als aufgeblasen und tot.”

Dabei hat HPE in den vergangenen sechs Jahren bereits den größten Umbau seiner Konzerngeschichte durchlaufen. Die langjährige Ebay-Managerin Whitman verkleinerte den aus der Konzernspaltung entstandenen IT-Serviceanbieter HPE drastisch.

Sie veräußerte die Dienstleistungen für Unternehmen und verschmolz Teile des Softwaregeschäfts mit der britischen Firma Micro Focus International. Von den ehemals 350.000 HP-Mitarbeitern beschäftigte HPE heute noch nur 60 000.

Auch die Konzernzentrale in Palo Alto blieb von dem harten Sparkurs nicht verschont. Das Gebäude, in dem der Hewlett Packard Konzern seit 1957 residierte, steht zum Verkauf, Neri zieht mit dem Team ins weiter südliche Santa Clara.

Er hält den Konzernumbau für abgeschlossen und verbreitet Optimismus: „HPE wollte früher alles machen. Nun haben wir eine sehr viel kleinere, fokussierte Firma.”

Um das Unternehmen endgültig auf die Erfolgspur zu bringen, investiert Neri in den kommenden vier Jahren vier Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung neuer Produkte, die es Unternehmen vereinfachen soll, ihre Informationen und Unternehmensprozesse zu managen.

„Daten sind die neue Währung”, begründet der HPE-Chef diese Entscheidung. Die Firmen, die ihre Daten am besten nutzen, würden gewinnen. Bei seinem Wachstumskurs will HPE vor allem den Trend zum sogenannten „Edge Computing” für sich nutzen.

Diese Technologie gewinnt im Zeitalter der Datenwolken an Bedeutung. Normalerweise steht in einem Netzwerk eines oder mehrere Rechenzentren im Zentrum. Über die Kanten, also die „Edges”, fließen die Daten in das Netzwerk hinein, wo sie dann zentral weiterverarbeitet werden.

Das Edge-Computing dreht dieses Verhältnis um. Es ermöglicht die Analyse an den „Kanten” selbst. Gartner schätzt, dass 2022 aufgrund der Digitalisierung 75 Prozent aller in Unternehmen anfallenden Daten außerhalb der traditionellen zentralisierten Datenzentren oder Cloud-Infrastrukturen anfallen, also an den „Kanten”. Für 2018 hatte Gartner lediglich zehn Prozent vorhergesagt.

Möglich wird dies, weil die „Kanten” selbst, die Geräte im Internet der Dinge, darunter zum Beispiel Smartphones, Wearables oder smarte Haushaltsgeräte, immer intelligenter werden, erläutert der IDC-Analyst Del Prete.

Eine weitere Rolle spielt die Technologie bei der Industrie 4.0, um Unternehmen in Echtzeit Einblicke in ihre Unternehmensprozesse und Daten ermöglichen und die Produktion anzupassen.

Eine solche Anwendung testet HPE derzeit mit Elektrohersteller Tesla. Es nimmt in der Fertigungsstraße letzte Fahrzeugtests vor, wie an Scheibenwischer, Musikanlage oder Heizungssystem, bevor die Autos vom Band laufen.

Aber HPE-Chef Neri setzt nicht allein auf neue Technologien. Er wolle auch im Unternehmen noch „eine Menge“ verändern. „Es geht nicht nur um Kosteneffizienz, sondern darum, das Geschäft effizienter zu führen”, sagt er und gesteht: „Nicht alles funktioniert gut. Wir wollen uns noch schneller bewegen.”

Damit will Neri auch Investoren überzeugen. Denn die Anleger von HPE sind verunsichert. Der Kurs der HPE-Aktie, der seit Januar zunächst kräftig zulegte und Ende Februar ein neues Hoch von 18,59 Dollar erreichte, ist auf etwas mehr als 15 Dollar zurückgefallen. „Investoren fragen sich, woher neues Umsatzwachstum für den Hersteller kommen kann”, sagt Steve Koenig, Managing Director bei der Investmentfirma Wedbush Securities.

Und so sieht auch George Iwanyc, Analyst bei der Boutique-Bank Oppenheimer & Co. die zweite Hälfte des Jahres 2018 als den „wirklichen Test” für das Unternehmen an. Nur ein weiterer Aufschwung könne Investoren davon überzeugen, dass das Wachstum von HPE auch nachhaltig sei.

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