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Hilfe für Expats Wie eine Xing-Tochter Konzernen dabei hilft, sich besser um ihre Mitarbeiter im Ausland zu kümmern

Die Tochter des Karriereportals Xing steigt ins Geschäft mit Firmenkunden ein und gewinnt auf Anhieb renommierte Kunden – aus gutem Grund.
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Seit Sommer 2017 gehört das Start-up Internations mit 130 Mitarbeitern zum Karrierenetzwerk Xing. Quelle: dpa
Xing

Seit Sommer 2017 gehört das Start-up Internations mit 130 Mitarbeitern zum Karrierenetzwerk Xing.

(Foto: dpa)

MünchenWeltweit gehen Politiker mit dem Ruf nach Abschottung auf Stimmenjagd – und das zusehends mit Erfolg bei den Wählern. Für Unternehmen eine bedenkliche Entwicklung, denn sie sind darauf angewiesen, Hochqualifizierte ins Ausland zu schicken. Um ihre Mitarbeiter trotzdem von einem Aufenthalt in fremden Ländern zu überzeugen, nutzen die Konzerne immer häufiger Internations, ein soziales Netzwerk für sogenannte Expats.

Bislang musste jedes Mitglied die Kosten dafür selbst übernehmen. Nun steigt die Tochter des Karriere-Netzwerks Xing ins Firmenkundengeschäft ein. Dabei tragen Unternehmen den Mitgliedsbeitrag für Beschäftigte, die sie ins Ausland schicken. Offiziell geht die Sparte erst in diesen Tagen an den Start. Für die Wirtschaft ist das Angebot aber offenbar so attraktiv, dass Chef und Gründer Malte Zeeck schon in den vergangenen Wochen und Monaten namhafte Kunden gewonnen hat.

„Die Arbeitgeber wollen sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter sich im Ausland wohl fühlen und damit verhindern, dass es zu frühzeitigen Abbrüchen kommt“, erklärt Zeeck ein wichtiges Motiv für die Betriebe. Das ist nicht alles: „Die Unternehmen sind in Zugzwang. Sie müssen für Arbeitnehmer attraktiv sein. Die schauen genau darauf, was angeboten wird.“

Auf bis zu 60 Millionen schätzt Zeeck die Zahl der Expats rund um den Globus. Sie sind die Grundlage für das Geschäft von Internations. Sein Netzwerk von ausländischen Arbeitskräften zählt inzwischen 3,3 Millionen Mitglieder, es ist in 420 Städten vertreten. Dabei sein ist kostenlos.

Erst wer Zugang zu allen Informationen und Veranstaltungen bekommen möchte, wird zur Kasse gebeten. Im Schnitt werden rund 80 Euro im Jahr fällig. Kunden sind etwa Ingenieure, Berater, Ärzte oder Juristen. Sie bekommen auf der Internet-Seite Tipps für ihre Zeit in der Ferne oder die Gelegenheit, dort Gleichgesinnte zu treffen.

Die meisten der Firmenkunden dürften nicht genannt werden, sagt Christoph Zeinecker, der Chef des neuen Geschäftsbereichs Business Solutions. Ein paar Unternehmen allerding machen aus der Kooperation kein Geheimnis. Der Darmstädter Chemie- und Pharmakonzern Merck etwa, sowie Cigna, ein Krankenversicherer für Expats.

Integration ist vor allem für die Partner der Expats wichtig

Auch Volkswagen ist dabei. Der Autohersteller spendiert die Mitgliedsbeiträge aber nicht den Kollegen, sondern deren Partnern. Aus gutem Grund: „Die Expats selbst sind über den Job meist relativ flott integriert, nicht so jedoch ihre Partner“, erläutert Karen Lange.

Sie ist als Leiterin Global Assignments für die Auslandseinsätze von Mitarbeitern des Konzerns zuständig. Aus Erfahrung weiß die Managerin: „Mitarbeiter treten mitunter einen Auslandseinsatz gar nicht erst antreten, wenn wir uns nicht auch um die Partner kümmern.“

Für den Dax-Konzern sind 4.300 Beschäftigte für einen begrenzten Zeitraum außerhalb ihrer Heimat im Einsatz, auf der ganzen Welt, aber natürlich auch in Deutschland. Daher sei es wichtig gewesen, dass Internations lokale Ableger an für den Konzern wichtigen Standorten eröffnete, am Stammsitz in Wolfsburg, aber zum Beispiel auch im bayerischen Ingolstadt, wo die Tochter Audi ihre Wurzeln hat.

Mehr als 6.000 Veranstaltungen organisieren Zeecks „Ambassadors“, eine Gruppe Freiwilliger, jeden Monat. Von Auckland bis Nairobi verabreden sich Expats zu Yogastunden, Wanderungen, Kochabenden. Um den Bedürfnissen der Beschäftigten aus dem Ausland gerecht zu werden, hat Internations gerade sechs neue, sogenannte Communities in China eröffnet.

Araceli Méndez führt als Ambassador seit diesem Sommer den neu geschaffenen Ableger in Ingolstadt. Regelmäßig träfen sich inzwischen 40 Expats in der oberbayerischen Industriestadt, sagt die Mexikanerin: „Da sind schon einige Freundschaften entstanden.“

Sie selbst ist schon seit mehreren Jahren Mitglied bei Internations. Weil es in Ingolstadt keine Community gab, schloss sie sich den Expats in Regensburg oder München an. Die deutschen Kollegen hätten eben schon Freunde und Familie, meint sie, da sei es vor allem am Wochenende schwierig, Anschluss zu finden. Internations sei da eine große Hilfe.

Eine Gemeinde im Aufbau

Noch sei die Community in Ingolstadt erst im Aufbau, wenngleich sich die Mitglieder bereits regelmäßig zum Essen treffen würden. Kommenden Samstag etwa geht’s zum Mexikaner nach München, erzählt die Managerin, die bei Audi in der Beschaffung tätig ist. Seit Sommer 2017 gehört das Münchener Start-up mit seinen 130 Mitarbeitern zum Karrierenetzwerk Xing. Der Umsatz erreichte vergangenes Jahr 8,9 Millionen Euro.

Nach Ansicht von Spartenchef Zeinecker ist allein schon die Aussicht, nach der Entsendung nicht alleine im Ausland da zu stehen, wichtig für die Beschäftigten und ihre Firmen. „Eine Mitgliedschaft bei uns kann helfen, einen Mitarbeiter vom Auslandseinsatz zu überzeugen“, sagt der Manager, der selbst jahrelang in Südafrika gelebt hat. Einmal vor Ort seien die Leute zudem schneller einsatzbereit, weil viele Fragen von anderen Expats oder Einheimischen beantwortet würden.

Der vielerorts aufkommenden Fremdenfeindlichkeit zum Trotz: Immerhin jedes dritte Mitglied stammt aus der betreffenden Stadt – und ist dabei aus Freude am Austausch mit Leuten aus dem Ausland. Mexikanerin Méndez will denn auch nicht klagen.

Sie und die anderen Mitglieder von Internations in Ingolstadt hätten keine Schwierigkeiten: „Alle fühlen sich wohl.“

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