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Hollywoodstar im Interview Jessica Alba: „Ich habe teure Fehler gemacht“

Jessica Alba ist Schauspielerin, Produzentin und Gründerin einer Kosmetikmarke. Im Interview spricht sie über ihren Kaltstart als Unternehmerin.
15.10.2019 - 04:01 Uhr Kommentieren
Jessica Alba: „Netflix und Co. sind gut für Frauen“ Quelle: dpa
Jessica Alba

„Unternehmerin zu sein ist, wie einen Haushalt zu führen.“

(Foto: dpa)

München Ein Schauspielstar hat mit seinem Start-up andere Probleme als gewöhnliche Gründer. Werbebudget brauchte Jessica Alba erst mal nicht. Ihre Fans kaufen ihr ihre Produkte auch so ab. Doch ihr Hollywood-Glitzer macht PR-Team und Rechtsabteilung auch viel Arbeit. Denn immer wieder gibt es Zweifel, wie viel Schauspielerei in dem Business steckt.

Frau Alba, Sie sind als Schauspielerin weltbekannt geworden. Dann gründeten Sie vor einigen Jahren eine Marke für Ökokosmetik und Babyprodukte. Sind Sie heute mehr Schauspielerin oder Unternehmerin?
Ich bin beides. Zum Glück musste ich mich nie für eins von beidem entscheiden.

Womit verbringen Sie mehr Zeit?
Etwa 60 bis 70 Prozent meiner Zeit kümmere ich mich um das Tagesgeschäft bei The Honest.

Wie kam es überhaupt zu der Entscheidung, ein Unternehmen zu gründen?
Als ich mit meiner ersten Tochter schwanger war, habe ich mich plötzlich gefragt: Womit behandle ich eigentlich meinen Körper? Was esse ich? Wie gestalte ich mein Zuhause? Und wie könnte sich das auf die Gesundheit des Kindes auswirken, das da in mir wächst. Und da habe ich angefangen zu recherchieren.

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    Was war das Problem mit Ihren Cremes und Schminkartikeln?
    Ich musste immer Abstriche machen – entweder haben die Produkte funktioniert, oder sie waren sauber. Außerdem waren die natürlichen Produkte immer vier- bis fünfmal teurer. So viel kann nur ein Bruchteil der Gesellschaft für Kosmetik ausgeben.

    „Entweder es funktioniert, oder es ist gut für dich“ ist einer von Albas Werbesprüchen. Sie beschreibt ihre Produkte als „sauber“ und „sicher“, will aber keine Beispiele für „unsichere“ Produkte nennen. Besorgte Eltern erreicht sie mit ihrer eigenen Geschichte: wie sie als Kind unter Asthma litt, als Erwachsene allergisch auf ein Waschmittel reagierte und Angst um ihr Baby bekam. Allein auf Instagram hat sie 16,5 Millionen Abonnenten. Eltern, die Alba vertrauen, zahlen dann doch etwas mehr als im Supermarkt: Im großen Paket kostet die Windel für die Kleinsten umgerechnet etwa 38 Cent. Beim deutschen Discounter bekommt man sie für elf.

    Sie haben Ihre Firma „ehrlich“ genannt, „Honest“. Was bedeutet das für Sie als Unternehmerin?
    Ich will transparent und offen sein, das ist meine Mission. Deshalb habe ich von Anfang an direkt mit den Kunden kommuniziert, habe meine Produkte über das Internet direkt vertrieben – und nicht über Einzelhändler. Wahrscheinlich war ich die erste Marke, die in sozialen Medien eine eigene Community hatte. In dieser Gemeinschaft wird über das Produkt, die Verpackung und vieles andere geredet – und ich lasse diese Diskussionen bei Überlegungen in neue Produkte einfließen.

    Sie versprechen, dass Ihre Produkte kein Gift enthalten. Wie kann ein anfangs kleines Unternehmen die ganze Lieferkette überwachen? Das ist ja nicht immer gut gegangen ...
    Das geht. Man braucht erfahrene und ehrgeizige Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung, die sich mit seltenen Rohstoffen auskennen, mit Chemikalien und mit klinischen Vorschriften. Das ist viel Arbeit, aber wir nehmen nicht einfach ein Produkt aus dem Regal eines Vertragspartners. Wir haben strenge Regeln, und die halten wir auch ein.

    Das „Wall Street Journal“ hatte 2016 bei Tests einen Stoff in Albas Waschmittel gefunden, der auf der firmeneigenen Ausschlussliste steht. Die Firma berief sich daraufhin auf die Zulieferer, denen man vertraut habe. Alba schrieb auf der Honest-Homepage, sie sei „extrem enttäuscht“ von dem Artikel, der voll von „Falschdarstellungen“ sei. Fest steht: Werbeversprechen einer Firma, die sich „ehrlich“ nennt, werden besonders kritisch geprüft. Schon mehrfach wurde The Honest wegen irreführender Reklame verklagt. Die Fälle landeten aber nie vor Gericht, weil die Firma viel Geld für Vergleiche zahlte. In einem Fall waren es 1,55 Millionen Dollar.

    Heute ist sogenanntes Influencer-Marketing eine verbreitete Werbestrategie. Irgendein Promi hält sein Gesicht in die Kamera und sagt, das ist ein tolles Produkt, und schon kaufen seine Fans es. War das auch Ihre Idee?
    Ich hatte einfach keine andere Möglichkeit. Wir hatten kein Geld für Werbung. Also musste ich erzählen, wofür wir stehen und warum es uns gibt. Eltern haben das sofort verstanden.

    Aber Jessica Alba hätte sich doch klassische Werbung leisten können?
    Sie stellen sich das so einfach vor. Anfangs habe ich zahlreiche teure Fehler gemacht. Ich habe zuerst viel Geld investiert, dann dreieinhalb Jahre mit unterschiedlichen Partnern versucht, das Geschäft aufzubauen. Zwei Führungskräfte musste ich wieder rauswerfen, weil es mit ihnen nicht ging. Wir haben immer neue Businesspläne erstellt. All das war teuer. Im Übrigen hatte ich keine Ahnung, wie das Werbegeschäft funktioniert.

    Sie hatten einen ziemlichen Kaltstart als Unternehmerin. Gibt es überhaupt Gemeinsamkeiten zwischen Schauspiel und Unternehmertum?
    Praktisch nicht. Als Schauspielerin versetzt man sich in eine andere Person und taucht in ihre Welt ein. Unternehmerin zu sein ist eher, wie einen Haushalt zu führen: Du verdienst Geld, du hast Lebenshaltungskosten, du musst Rechnungen bezahlen. Am Ende hast du hoffentlich genug übrig, um für schlechte Tage vorzusorgen. Nur die Zurückweisung ist in Schauspiel und Business gleich.

    Was meinen Sie damit?
    Als Schauspielerin bekommt man vor einer Zusage 3000 Absagen. Wenn man Investoren, Partner und Fachkräfte sucht, ist das ganz ähnlich. Ich habe als Schauspielerin eine gewisse Resilienz entwickelt, die mir als Unternehmerin sehr geholfen hat. Man muss möglichst schnell aus seinen Fehlern lernen.

    Inzwischen sind Sie mit Ihren Kosmetikartikeln auch in Europa vertreten. Wie läuft das Geschäft?
    Besser als gedacht. In Europa kooperieren wir mit Douglas und der Drogeriekette Boots. Aktuell verkaufen wir hier dreimal so viele Produkte wie geplant.

    Naturkosmetik boomt. Nicht nur Albas Firma profitiert davon, dass es oft eine Glaubensfrage ist, welche Cremes helfen und wohltuend sind. The Honest wirbt damit, mehr Inhaltsstoffe auszuschließen als die Europäische Union. Deren Kosmetik-Verordnung regelt, welche fast 1 400 Stoffe für Kosmetika verboten sind. Viele Unternehmen beschränken sich auf natürliche Rohstoffe, weil sie schonender für Mensch und Umwelt seien. Die Definition ist aber unscharf.

    Was hören wir als Nächstes von Ihnen?
    The Honest wird in Europa in den nächsten Monaten weitere Artikelkategorien mit anderen Einzelhändlern auf den Markt bringen. Genaueres kann ich dazu derzeit noch nicht sagen. Aber eins ist klar: Wir stehen erst am Anfang. Wir wollen in den nächsten Jahren in weitere Bereiche vordringen. Vielleicht Mundpflege, Körperpflege … Wir werden noch viele Pläne entwickeln.

    Egal, wo man auf der Welt mit Gründern zu tun hat: Es sind meistens Männer. Warum wagen es Frauen so selten, ein eigenes Unternehmen aufzubauen?
    Männern wird ihr ganzes Leben erzählt, sie könnten alles werden. Sie lernen früh, andere um Hilfe zu bitten und eigene Ideen umzusetzen – auch wenn sie noch nicht richtig durchdacht sind. Frauen wachsen – zumindest in den USA – in vielen Fällen anders auf. Sie lernen, dass erst alles perfekt sein muss, bevor sie ihre Pläne überhaupt jemandem zeigen.

    Das heißt, Frauen sind zu kritisch mit sich?
    Es gibt zu wenige weibliche Vorbilder. Es ist eine große Hürde, einfach anzufangen. Aber: Man lernt erst, wenn man loslegt. Deshalb sollte man nicht bis zur Perfektion warten. Es fühlt sich immer besser an, überhaupt etwas erreicht zu haben, als mit nichts dazustehen. Und die letzten 20 Prozent lassen sich später immer noch optimieren.

    Was braucht es denn unbedingt, bevor man ein Unternehmen starten kann?
    Absolute Zahlensicherheit! Nichts ist schlimmer, als einem Investor gegenüberzusitzen und ihm nicht erklären zu können, wann er mit seiner Investition Geld verdienen wird. Das Zweite ist, zu wissen, wen man fragen kann. Ich weiß, wie einschüchternd reine Männerrunden sind. Deshalb helfe ich jetzt anderen Frauen.

    Als Coach?
    Ja, so kann man das nennen. Ich habe in meiner Firma ein Förderprogramm aufgebaut, für das sich Frauen bewerben können. Jede Teilnehmerin bekommt abhängig von ihrer Position die Beratung und Unterstützung, die sie braucht, damit sie den nächsten Karriereschritt erreichen kann. Und im Film kann ich jetzt auch endlich was tun.

    Sie reden von Ihrer Rolle bei der Action-Comedy-Serie „L.A.’s Finest“?
    Das ist traditionell ein total männerdominiertes Feld. Ich habe dort nicht nur mit meiner afroamerikanischen Kollegin Gabrielle Union die Hauptrollen übernommen. Ich kann als Produzentin auch über die Besetzung entscheiden. Früher waren Frauen nur da, damit das Drehbuch nachgespielt werden kann – und das gilt für Kollegen mit Wurzeln in Afrika und Asien genauso. Es ist wichtig, dass sich das ändert.

    Auch das Filmgeschäft steht vor großen Veränderungen. Streamingdienste wie Netflix produzieren eigene Serien und Spielfilme. Einige sehen schon Teile des etablierten Geschäfts untergehen.
    Ich sehe das eher positiv. Früher haben einige wenige Studios alles bestimmt. Das ist vorbei. Durch die neuen Anbieter gibt es vor allem eins: mehr Platz für Inhalte. Jedes Land hat seine eigenen Produktionen, und mit Serien entstehen neue, sehr attraktive Formen, um Geschichten zu erzählen. Netflix und Co. sind deshalb auch gut für Frauen im Filmbusiness. Denn es gibt ja nicht nur mehr Rollen für Schauspieler, sondern auch mehr Jobs für Regisseure und Produzenten. Man braucht ganz einfach Frauen, um all diese neuen Führungspositionen besetzen zu können.
    Frau Alba, vielen Dank für das Interview.

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