Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

HP setzt auf Windows 7 Zurück in die Zukunft

Volle Breitseite: Der IT-Riese Hewlett Packard ärgert seinen langjährigen Kooperationspartner Microsoft und bringt Windows 7 auf seine Geräte zurück. Es ist das schmutziges Ende einer ehemals guten Freundschaft.
4 Kommentare
Wegen des großen Interesses zurück: HP liefert seine Produkte wieder mit Windows 7 aus. Quelle: Screenshot

Wegen des großen Interesses zurück: HP liefert seine Produkte wieder mit Windows 7 aus.

(Foto: Screenshot)

San FranciscoBesucher der US-Webseite von Hewlett Packard staunen nicht schlecht. Prominent auf der ersten Seite prangt die Werbung für ein Notebook. Aber nicht irgendein Notebook: „Zurück aufgrund großer Nachfrage“ steht da und das Besondere ist das Betriebssystem: Es ist Windows 7, Vorgänger des aktuellen Windows 8.1. Und wer diese Version wählt, der spart auch noch bis zu 150 Dollar.

Eine Werbung, die Microsoft überhaupt nicht in den Kram passt. Windows 8 mit seinem Metro-Design kämpft immer noch mit Akzeptanzschwierigkeiten. Das Update auf 8.1 hat die schlimmsten Schnitzer und Kanten ausgebügelt, aber noch lange nicht zu einem Stimmungsumschwung geführt. Wer immer einen Laptop oder PC ohne Berührungsbildschirm kauft, der braucht Windows 8 schlicht nicht. Wer einen hat, der findet sich in einer neuen Welt wieder, in die er sich erst langsam einarbeiten muss. Kritiker höhnen über Windows 8 schon länger, es sei das „New Coke“ der Softwareindustrie. Vor rund dreißig Jahren brachte Coca Cola eine komplett neue Formel für seinen größten Umsatzbringer heraus, um nur weniger später reuevoll zur alten Formel zurückzukehren.

HP ist nicht irgendein Computer-Hersteller. Es ist der größte einzelne Windows-Kunde von Microsoft. Während der Boom-Zeiten des PCs waren HP und Microsoft ein Traum-Duo, eine wahre Gelddruckmaschine. Noch 2010 lag die Schlagzahl bei zwei PCs pro Sekunde, die die Auslieferungslager von HP verließen oder über eine Ladentheke irgendwo auf der Welt gereicht wurden. Laut dem damaligen PC-Chef Todd Bradley entsprach das einem Umsatz von vier Millionen Dollar pro Stunde.

Doch ab 9. Februar 2011 änderte sich plötzlich alles. In San Francisco präsentierte Bradley die Zukunft von HP. Neben Smartphones und Tablets mit dem Betriebssystem webOS, zusammen mit Palm für 1,3 Milliarden Dollar eingekauft, prangten auf einer großen Leinwand PCs und Notebooks mit dem Logo „HP webOS“. Microsofts größter Kunde versuchte den Alleingang. Mehr noch: webOS sollte auf Druckern und in Kameras Einzug halten, kurz überall, wo HP draufsteht. Bradleys Plan: Über 100-Millionen webOS-Geräte pro Jahr unter die Kundschaft bringen.

Hoffen, dass Dell nicht nachzieht

Schneller Vorlauf ins Jahr 2013: Von den hochfliegenden Plänen ist nichts übrig geblieben. Der damalige CEO Leo Apotheker musste gehen, Todd Bradley ist nicht mehr Chef der PC-Sparte. Das Betriebssystem webOS ist an Lenovo verkauft, die damit TV-Geräte ausrüsten. HP hat den Anschluss im Smartphone- und Tablet-Markt komplett verpasst, und die amtierende CEO Meg Whitman kämpft mit einbrechenden PC-Verkäufen und versucht den Turnaround.

Und dennoch mit immer weniger, statt mehr Microsoft. Ab Februar sollen in Indien Smartphones mit Googles Android-Betriebssystem verkauft werden. In den USA ist ein 7-Zoll-Tablet mit Intel-Prozessor und Android für 99 Dollar im Markt. Vier Laptop-Modelle mit Googles Betriebssystem Chrome haben neben den Windows-Laptops Platz genommen. Und jetzt wird Windows 7 beworben, statt Windows 8.

Das kann Microsoft, derzeit auf der Suche nach einem neuen CEO, nun überhaupt  nicht gebrauchen. Nach Erhebungen  des Web-Dienstleisters Net Applications ist der Marktanteil von Windows 8 (und 8.1) Ende Dezember gerade mal bei zehn Prozent angekommen. Windows 7 allerdings weigert sich schlicht, zu sterben und hat es geschafft, in 2013 seinen Marktanteil von knapp 45 auf 48 Prozent zu steigern. Gerade Unternehmenskunden setzen auf die ausgereifte ältere Version. Die umstrittene 8er Version profitiert also nur teilweise vom Absturz des betagten Windows XP von 40 auf 30 Prozent.

Im April lässt Microsoft endgültig die Unterstützung für XP auslaufen, und das scheint der Hintergrund der HP-Attacke. Die Masse der Umsteiger wird, vor allem bei Unternehmen und Behörden, auf Windows 7 setzen, so die Hoffnung. Der Albtraum in Redmond: Nach HP stiegen Dell, Lenovo Acer und Co ebenfalls noch auf diesen Trend ein. Doch das bleibt erst einmal abzuwarten.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

4 Kommentare zu "HP setzt auf Windows 7: Zurück in die Zukunft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich verstehe es nicht - auf Win 8 gibt es immer noch den Desktop mit einigen interessanten Verbesserungen. Und die Modern UI ist a) ein aufgeräumteres Startmenü, b) sehr wohl und wunderbar mit der Maus zu bedienen, c) als Dashboard konfigurierbar und dann sehr informativ, d) mit interessanten Apps wie "News" versehen. Und die neuen Win Tablets wie Acer Iconia und Ultrabooks wie Lenovo Yoga sind hardware-technisch sehr interessant und können auch Touch. Mit ein bißchen guten Willen und Zukunftsorientierung ist die ach so schwierige Bedienung des Win 8 Starbildschirms in fünf Minuten erlernt. Da ist der Wechsel zwischen Win und Android oder Mac OS X und iOS wesentlich größer.

  • Guter Zug. Bin beruflich auf ein funktionierendes, schnelles Betriebssystem angewiesen - und benötige keine Spielwiese. Windows 8 samt neuen (eigentlich sehr guten) Laptop habe/n ich/wir nach 1 Woche zurückgegeben und "alte Systeme" wieder eingesetzt. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • WebOS ging nicht an Lenovo sondern an LG. Wer sich die Geschäftskundenshops für Laptops von Lenovo und Dell anschaut sieht dass die längst die gleiche Strategie verfolgen, kaum Win8. Die Frage ist nur wann die Hersteller diese Möglichkeit auch für Heimanwender anbieten werden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette