IBM macht Verlust Ginni Rometty und der Fluch der Wall Street

Was für IBM ein Freudentag werden sollte, endete in einem Fiasko. Trotz des ersten Umsatzplus seit fast sechs Jahren haben Anleger so viel Vertrauen in die Konzernchefin verloren, dass sie die Chancen nicht mehr sehen.
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IBM mit Verlust: Ginni Rometty und der Fluch der Wall Street Quelle: Reuters
IBM-Chefin Ginni Rometty

Nach Präsentation der Zahlen brach der Kurs um 3,5 Prozent ein.

(Foto: Reuters)

San FranciscoVirginia „Ginni“ Rometty ist vom Pech verfolgt. Denn obwohl IBM zum ersten Mal seit mehr als fünf Jahren im Weihnachtsquartal im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzplus ausgewiesen hatte, ist der Aktienkurs nachbörslich am späten Donnerstagabend eingebrochen. Das ist schon so etwas wie Routine, wenn das 106 Jahre alte IT-Unternehmen Zahlen vorlegt. Die Aktie gab nach Handelsschluss in New York um fast 3,5 Prozent auf 163,30 Dollar nach.

Die Umsatzsteigerung um 3,6 Prozent auf 22,54 Milliarden Dollar (18,4 Milliarden Euro) hätte wegen des Seltenheitswerts bei der Konzernchefin eigentlich für Jubelsprünge sorgen können. Zumal im Gespräch mit Analysten deutlich wurde, dass nun für jedes Quartal des laufenden Geschäftsjahres ein Umsatzplus erwartet wird. Der bereinigte Gewinn pro Aktie im vierten Quartal liegt zudem bei 5,18 Dollar, Analysten hatten mit etwas weniger gerechnet.

Doch Auslöser für das Kursminus war diesmal ein Einmalaufwand von 5,5 Milliarden Dollar, der aufgrund von Neubewertungen nach der Steuerreform von US-Präsident Donald Trump fällig geworden war. Im Ergebnis stand somit ein Nettoverlust von 1,05 Milliarden Dollar, oder ein Minus von 1,14 Dollar pro Aktie. Dabei ist noch unklar, ob diese Anpassung das Geschäft nicht nur einmalig, sondern gar dauerhaft belasten könnte. Auch IBM selbst warnt vor einer höheren Steuerbelastung in der Zukunft. Zum Vergleich: Der Steuersatz lag im Jahr 2017 bei lediglich zwölf Prozent.

Nicht alle Experten sind pessimistisch. Analyst David Bahnsen von der Hightower Bahnsen Group setzt auf das dividendengetriebene „Value Play“ der IBM-Aktie. Bei einer Dividendenrendite von 3,6 Prozent (nach dem Rutsch am Donnerstag) und einer Pay-out-Rate von 43 Prozent (43 Prozent des Gewinns werden als Dividenden ausgeschüttet) sieht er die Dividendenzahlungen ungefährdet, vor allem, wenn nun der Umsatz wieder anzieht. IBM sehe für das laufende Finanzjahr stabilisierte Gewinnmargen, hatte der neue Finanzvorstand James Kavanaugh im Analystengespräch betont. Außerdem hat der Konzern eine lange Tradition regelmäßiger Dividendenanhebungen.

Der gesamte Wachstumsbereich rund um Cloud, künstliche Intelligenz, Blockchain und Software werde vom Markt noch gar nicht eingepreist, erklärte Bahnsen im Fernsehsender CNBC. Die heutige Bewertung beruhe faktisch noch immer auf den alten Geschäften mit Industrie-Großcomputern und deren Wartung. Auch Barclays-Analyst Mark Moskowitz sieht „das Gröbste jetzt überwunden“ und gibt für IBM wieder ein Kaufsignal.

Moskowitz setzt unter anderem auf den Einstieg von IBM in die Blockchain-Technologie und setzt den Zielkurs nun auf 230 Dollar. Der IT-Riese hatte kürzlich eine Kooperation mit der internationalen Maersk-Reederei angekündigt, um Blockchain im Weltcontainerhandel einzuführen. Außerdem forscht IBM, wie auch Microsoft und Google, an Quantencomputern. Laut Barclays könnte sich IBM als solider Dritter im Weltmarkt für Cloud-Computing festbeißen, hinter Amazons AWS und Microsofts Azure, aber noch vor Google oder Oracle.

Fast die Hälfte des Quartalsumsatzes entfiel auf diese „strategischen Imperative“, Romettys Zukunftswetten. Vor zwei Jahren lag deren Anteil noch bei 35 Prozent, der Rest kam vom alten Kerngeschäft. Letzteres zeigte sich in diesem Quartal einigermaßen robust, nicht zuletzt, weil die Wechselkurse IBM in die Karten spielten. Insgesamt sieht es auf der Gewinnseite jedoch weniger gut aus. Vor allem die Sparte Global Business Solutions, in der auch die Beratung angesiedelt ist, sieht eine fortwährende Margenerosion durch ansteigenden Wettbewerb und Preisdruck.

Für das Gesamtjahr 2018 erwartet IBM nun einen operativen Gewinn pro Aktie von mindestens 13,80 Dollar und einen freien Cashflow von circa zwölf Milliarden Dollar. Allerdings werde man auch mehr investieren als im Vorjahr. Finanzvorstand Kavanaugh ist optimistisch, dass die neuen Kernmärkte Ende des Jahres über 50 Prozent des Umsatzes ausmachen werden. Das stimme ihn zuversichtlich, dass im Gesamtjahr mit steigenden Umsätzen zu rechnen sei. So weit hat man sich bei IBM lange nicht mehr aus dem Fenster gelehnt.

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