In eigener Sache Wechsel in der Chefredaktion

Führungswechsel beim Handelsblatt: Hans-Jürgen Jakobs übernimmt die Chefredaktion der Zeitung. Auf Relevanz, aber auch das Unerwartete sollen sich die Leser weiterhin verlassen können.
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Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart (links) und sein Nachfolger als Chefredakteur, Hans-Jürgen Jakobs. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart (links) und sein Nachfolger als Chefredakteur, Hans-Jürgen Jakobs.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Liebe Leserinnen und Leser,

für viele war erstaunlich, was sich in Düsseldorf, Kasernenstraße 67, in den vergangenen drei Jahren alles getan hat. Große, informative Titelgeschichten. Mut zur Meinung. Neue Formate. Eine attraktive Wochenendausgabe. Das Handelsblatt setzte auf einmal neue Maßstäbe, und von außen wirkte das wie eine Revolution. Es fiel auf und belebte die Debatte.

Das ist das Verdienst der Redaktion, deren bisheriger Chefredakteur Gabor Steingart zu Jahresbeginn den Vorsitz der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt übernommen hat und als Herausgeber dieser Zeitung weiterwirken wird. Ich freue mich, die Chefredaktion jetzt zu übernehmen und den eingeschlagenen Weg der Erneuerung fortzusetzen.

Das Handelsblatt ist für mich nicht einfach nur eine Zeitung, sondern zusammen mit seinen Leserinnen und Lesern eine Gemeinschaft zur Verbreitung des wirtschaftlichen Sachverstands. Dazu gehören ein erfolgreicher Online-Auftritt bei Handelsblatt.com, die neue, digitale Tageszeitung Handelsblatt Live (die Anfang März startet) und eine Reihe von Veranstaltungen.

Wir fühlen uns dem Auftrag verpflichtet, in strikter Unabhängigkeit Ereignisse einzuordnen und zu erklären. Unsere Maßstäbe sind die des Liberalismus und der Sozialen Marktwirtschaft. Das macht das Handelsblatt aus unserer Sicht unverzichtbar im täglichen Aufmerksamkeitswettbewerb.

Es geht um Relevanz, aber auch um Überraschung. Auf das Unerwartete sollen Sie sich auch weiterhin verlassen können.

Ihr Hans-Jürgen Jakobs
Chefredakteur Handelsblatt

Hans-Jürgen Jakobs, neuer Chefredakteur des Handelsblatts. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

Hans-Jürgen Jakobs, neuer Chefredakteur des Handelsblatts.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Über Hans-Jürgen Jakobs:

Vor seinem Wechsel zum Handelsblatt hat Hans-Jürgen Jakobs das Wirtschaftsressorts bei der Süddeutschen Zeitung in München geleitet. In seiner insgesamt elfjährigen Tätigkeit bei der SZ war er zudem mehrere Jahre Chefredakteur von sueddeutsche.de und hat die Medienseite der Zeitung verantwortet. Zuvor war der Diplom-Volkswirt achteinhalb Jahre als Wirtschaftsredakteur des Nachrichtenmagazins Spiegel in Hamburg tätig und von 1990 bis 1993 als Leiter des Wirtschaftsressorts der Münchener Abendzeitung.

Auch die Verlagsgruppe Handelsblatt ist Jakobs nicht unbekannt: Von 1986 bis 1989 hat er als Redakteur für ZV+ZV und später als Chefredakteur von Copy in Düsseldorf gearbeitet. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen unter anderem „Augstein, Springer & Co.“ sowie „Geist oder Geld: Der Ausverkauf der freien Meinung“.

Zur Pressemitteilung der Verlagsgruppe Handelsblatt

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10 Kommentare zu "In eigener Sache: Wechsel in der Handelsblatt-Chefredaktion"

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  • Als Gabor Steingart Chefredakteur des "hb" wurde, hatte ich sofort ein ungutes Gefühl, denn hier bestand offenbar die Gefahr der "Verspiegelung" einer Wirtschaftszeitung. Man muss sich nur die Titelseiten der Ausgaben des "Spiegel" der letzten Jahre ansehen, um zu verstehen, was ich meine. Auch H.J. Jabobs war einige Jahre beim "Spiegel", hat sich aber gebessert und war zuletzt bei der "Süddeutschen" verantwortlich für die Wirtschaft - das spricht für seine Intelligenz. Gabor Steingart als neuer Herausgeber muss jetzt dafür sorgen, dass das "HB" profitabel wird bzw. bleibt - keine leichte Aufgabe. Hoffentlich lässt er H.J. Jakobs die Freiheit, das Blatt zu gestalten, ohne zuviel hinein zu regieren. Grundsätzliche Bitte von meiner Seite: das "HB" ist immer noch sehr deutsch-europäisch ausgerichtet. Angesichts der grossen strategischen Bedeutung Asiens sollte man diesen Kontinent noch viel ausführlicher behandeln und kommentieren - ansonsten muss ich hier in Bangkok auch weiterhin die asiatischen und US-amerikanischen (!) Wirtschaftsblätter lesen, oder den Economist, um auf dem Laufenden zu bleiben. Oder sind den deutschen Managern stupide "Sexismus"-Debatten wirklich wichtiger, während ihre eigenen Unternehmen langsam dahinsiechen aus Mangel an strategischer Weitsicht?

  • Eine Bitte, könnte denn Handelsblatt.de in Zukunft nicht eher auf Qualität als auf Quantität setzen?

    Ich bin immer froh wenn Wochenende ist weil Ihre website da nicht wie unter der Woche mit ständig neuen Atikeln überflutet wird. Bei dieser hohen Anzahl an Informationen hat man Mühe alles noch mitzuverfolgen.

    Vielleicht hängen die Probleme der Verlage auch damit zusammen dass heutzutage einfach viel zu viele Informationen veröffentlicht werden die man gar nicht mehr alle aufnehmen kann.

  • Mit Herrn Steingart verläßt uns eine Ikone.

    Unvergessen bleibt sein Aufruf zum Ankauf
    griechischer Staatsanleihen - geübte Solidarität
    in Reinkultur.

    Und somit hat er seinen Platz in der HALL OF FAME.
    Er ist eine Legende.

  • Lieber Sapere_aude, volle Zustimmung nochmals von meiner Seite. Auch ich werde gern ein Abonnement vom Handelsblatt erwerben, wenn sich diese Zeitung wieder der Grundwerte besinnt, die sie einst zu recht für sich beansprucht hat und über Jahre verlässlich vertreten hat. Diese sind derzeit bis zur Unkenntnis verwässert und Ihr Wortspiel ist zutreffend. Die Kenntnis des ornungspolitischen Rahmens, d.h. der sozialen Marktwirtschaft, setzt die Kenntnis beider Begriffe voraus. Das Wort sozial wird dabei von einigen Mitarbeitern & Kommentatoren des Handelsblattes in Unkenntnis volkswirtschaftlicher & betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge in das Gegenteil verkehrt ("Sozial = höhere Steuern für Reiche", ist das so?). Zudem bietet das HB teils Personen ein (Werbe-)Forum deren (wissenschaftliche) Leistung oder Beitragsmöglichkeit zur unabhängigen Meinungsbildung sehr überschaubar ist. Herr Rürup sei als Beispiel genannt. Auch die kürzlich erschiene "Werbeblog" für Herrn Maschmeyer mit seinem höchst fragwürdigen Beitrag zum Thema Luxussteuer muss von einem mitdenkenden Leser wohl sehr kritisch gesehen werden. Ich hoffe, dass auch hier die Auswahl und Evaluierung der Kommentatoren besser wird. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!
    Viel Erfolgt!

  • Sehr geehrter Herr Jakobs,

    ich gratuliere Ihnen zur Übernahme dieses schönen gestalterisch wirksamen und verantwortungsvollen Postens.
    Als langjähriger Leser habe ich die "Revolutionen" in der redaktionellen Arbeit des Handelsblatts - ich beziehe mich auf die inhaltlichen Veränderungen, nicht auf die formalen und medialen (Online-Auftritt etc.) - ausführlich verfolgt und lese Ihren Auftakt darum um so interessierter.

    "Unsere Maßstäbe sind die des Liberalismus und der Sozialen Marktwirtschaft."
    Davon war in den vergangenen Jahren sehr wenig zu bemerken gewesen, siehe etwa die von meinem Vor-Kommentatoren "gutesgelingen" bereits erwähnte Solidaritätsaktion "Wir kaufen griechische Staatsanleihen" vom Mai 2010, die weder den Maßstäben des Liberalismus noch mit der Sozialen Marktwirtschaft im geringsten etwas zu tun hatte - vielmehr die Verletzung dieser Maßstäbe zum Maßstab erhob.

    Meiner Beobachtung nach hat die Redaktion unter Steingart die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 genutzt, um sich einer generell marktwirtschaftsfremden Leserschaft anzunehmen und gleichzeitig eine perfekte Boulevardisierung hochkomplexer Finanz- und Wirtschaftszusammenhänge zu betreiben.

    Der früher leitgebende Satz der Handelsblatt-Redaktion "Substanz entscheidet" taucht in der Beschreibung Ihrer redaktionellen Zielsetzungen bemerkenswerter Weise nicht mehr auf.

    Wünschenswert wäre es, wenn ordnungspolitischer Sachverstand in die Redaktion zurückkehren bzw. dort, wo er bereits vorhanden ist, wieder stärker zum Zuge kommen könnte.

    Der stellenweise beschrittene Weg einer regelrechten "Ver-Spiegel-ung" des Handelsblattes ist diesem nicht bekommen.

    Machen Sie aus dem Handelsblatt bitte keinen Handelsspiegel.
    Das können andere besser.

    Mit besten Empfehlungen und viel Glück bei Ihrer neuen Aufgabe,

    ein Ex-Abonnent und langjähriger Handelsblatt-Leser.

  • Bestes dem neuen Chefredaktor des Handelsblatts, wie "dem alten" Chefredaktor mit Dank für seine auch unter schwierigen Bedingungen geleistete Arbeit.

  • Geehrter Herr Jakobs, viel Erfolg bei Ihrer neuen Tätigkeit. Da Sie Dipl-Volksw. sind setzte ich die Hoffnung in Sie, dass nun Lesern bspw. Empfehlungen wie von Herrn Steingart, man möge doch sein Geld aus (falscher!) Solidarität in fragwürdige Staatsanleihen investieren, erspart bleiben (wer übernimmt eigentlich die Haftung für solche "Anlageberatung"?). Die Verpflichtung Ihrer Zeitung zur sozialen Marktwirtschaft würde mich freuen, wobei zur Umsetzung dieses Ziels deutlich (!) bessere journalistischen Beiträge, bspw. im Bereich Steuer- und Sozialrecht, notwendig wären. So wird bspw. gerade im Steuerrecht gern Regel mit Ausnahme verwechselt und so genau unrichtig bzw. in Verkennung der Systematik das falsche skandalisiert. Ich freue mich daher darauf, dass das Handelsblatt ggf. nun bessere Beiträge als zuvor zu Wege bringt. Sollte das gelingen, werde ich evtl. auch wieder (!) eine Abonnement abschließen. Ihnen mit Tema viel Erfolg.

  • @Zeitungssterben
    Die gibt es. Aber auch die sind leider nicht perfekt. Vielen Dank für den Hinweis, wir haben korrigiert.
    Die Redaktion

  • @Zeitungssterben

    Laut Duden:

    Der Verdienst: finanzielles Einkommen

    Das Verdienst: Tat, Leistung, die Anerkennung verdient

  • "Das ist das Verdienst der Redaktion, dessen ..."

    Gibt es beim HB auch noch Deutsch-Muttersprachler?

    Frdl Gruss

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