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Indien IT-Götter verzweifelt gesucht

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Zurzeit sind in der indischen IT-Industrie, Weltmarktführer beim Outsourcing von Datenmanagement und Softwarepflege, 2,2 Mio. Menschen beschäftigt. Seit 2002 hat sich ihre Zahl vervierfacht. Aber solche Steigerungsraten sind passé. In Asien, Osteuropa und Lateinamerika drängen immer mehr Wettbewerber auf den Markt. Indiens IT-Firmen müssen sich umorientieren und künftig hochspezialisierte Dienstleistungen anbieten anstatt nur billig die Datenmassen westlicher Konzerne zu verwalten, wenn sie ihre führende Position behaupten wollen. Das reicht von der Auswertung medizinischer Daten bis zum Management des Emissionshandels.

Doch das auf stures Auswendiglernen ausgerichtete Bildungssystem produziert dafür nicht die geeigneten Talente. Eigeninitiative, Teamfähigkeit und oft schon die nötigen Sprachkenntnisse fehlen. Internationale Firmen wie der deutsche Software-Entwickler SAP mit rund 5 000 Mitarbeitern in Indien stellen deshalb erst gar keine Hochschulabgänger ein. "Wir bevorzugen Leute mit zwei bis vier Jahren Berufserfahrung", sagt Clas Neumann, Präsident SAP Labs. Schlecht steht es an den Hochschulen auch um die für Indiens Zukunft so wichtige Forschung. Gerade mal 100 Informatiker promovieren pro Jahr. China, das neuerdings massiv ins IT-Geschäft drängt, kommt auf 1 500 Doktoranden.

Neben Infosys betreiben deshalb auch die anderen führenden IT-Dienstleister in Indien wie Tata Consultancy Services (TCS) und Wipro firmeneigene Ausbildungsszentren. Dort wird zehntausenden Berufsanfängern drei bis neun Monate lang das fehlende Basiswissen vermittelt, bevor überhaupt das Training im Job beginnt. Bis zu zwei Mrd. Dollar pro Jahr gibt die Branche laut Nasscom-Präsident Som Mittal für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter aus - immerhin 3,4 Prozent ihres Jahresumsatzes.

Mittal fordert eine Bildungsreform, damit Indiens IT-Industrie an der Spitze bleibt. Die Lehrpläne, die technische Ausstattung der Hochschulen und die Bezahlung der Lehrkräfte müssten verbessert werden. Auch müsse die Regierung das absurde Verbot aufheben, dass ausländische Universitäten in Indien keine Ableger gründen dürften. "Die kreativen Köpfe gehen wegen der höheren Gehälter in die Wirtschaft, deshalb haben die Unis ein Qualitätsproblem", beobachtet Neumann. Noch koste ein indischer Informatiker etwa ein Viertel seines Kollegen in Deutschland, sagt der SAP-Manager. Wirklich gute Leute allerdings seien deutlich teurer. "Der Arbeitsmarkt ist hier sehr eng geworden."

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