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Infineon, NXP, ST Micro Der Crash in der Chipbranche ist ausgeblieben – Aktienkurse steigen kräftig

Das stramme Wachstum von Chipwerten wie Infineon ist zwar vorüber. Doch die Landung der Branche fällt sanft aus. Die Investoren sind erleichtert.
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Die Chipbranche musste keinen Crash erleiden. Quelle: Monty Rakusen / Cultura RF / var
Reinraum in der Chip-Herstellung

Die Chipbranche musste keinen Crash erleiden.

(Foto: Monty Rakusen / Cultura RF / var)

MünchenDie Anleger atmen auf: Sie hatten einen Crash befürchtet, momentan sieht aber alles nach einer sanften Landung der Chipindustrie aus. So warnte Infineon-Chef Reinhard Ploss zwar Anfang der Woche, dass der Umsatz des Halbleiterkonzerns dieses Jahr lediglich neun Prozent zulegen werde. Zuvor hatte er bis zu 13 Prozent plus in Aussicht gestellt.

„Angesichts der Rahmenbedingungen hätte es durchaus schlimmer kommen können“, meint Stephane Houri von der Investmentbank Oddo BHF. Am Mittwoch ist Infineon daher der größte Gewinner im Dax – die Aktie notiert am späten Nachmittag 2,7 Prozent im Plus bei 19,80 Euro.

Seit Jahresbeginn ist der Kurs des größten deutschen Chipherstellers um fast 15 Prozent gestiegen. Der Dax hat dagegen nur rund sieben Prozent an Wert gewonnen. Vergangenes Jahr noch gehörte Infineon zu den größten Verlierern im deutschen Leitindex, obwohl das Geschäft damals wesentlich besser lief.

Die Anleger hatten jedoch Angst vor einem Einbruch in der Halbleiterbranche. Diese Furcht scheint nun gewichen. Die Quartalszahlen des Halbleiterherstellers seien besser als erwartet ausgefallen, urteilt Barclays-Analyst Andrew Gardiner.

Infineon ist kein Einzelfall. Der Aktienkurs des niederländischen Rivalen NXP ist seit Neujahr sogar um ein Fünftel in die Höhe geschossen; vergangenes Jahr noch hatte sich der Kurs der ehemaligen Philips-Sparte an der Börse halbiert. Der französisch-italienische Infineon-Konkurrent ST Microelectronics kommt auf ein Kursplus von 15 Prozent.

Niemand bestreitet, dass die goldenen Zeiten erst einmal vorbei sind. „Nach zwei außergewöhnlich starken Jahren beruhigt sich der Markt an der ein oder anderen Stelle“, sagte Infineon-Finanzchef Dominik Asam. Der Halbleiterhersteller geht davon aus, dass der Umsatz im laufenden Quartal stagniert und dass weniger Geld hängen bleibt.

Die Unsicherheit im Markt sei hoch, ergänzte Vorstandschef Ploss. Dieses Quartal werde schwierig, aber danach gebe es eine saisonale Erholung. Er sei zuversichtlich, dass der Konzern im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahrs, also ab dem Frühjahr, zum Wachstum zurückkehre.

Chipbranche hat enormes Wachstum erfahren

Ähnlich äußerte sich zuletzt Jean-Marc Chery, der Chef von ST Microelectronics. Der Umsatz im laufenden Quartal würde gegenüber dem Vorquartal sinken, warnte der Franzose Ende Januar. Anschließend werde es jedoch Quartal für Quartal aufwärtsgehen, „mit einer Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte“. Kein Grund zur Panik, das ist die Botschaft der Manager.

Die vergangenen beiden Jahre legte die Chipindustrie enorm zu. So sind die Erlöse der Branche den Marktforschern von Gartner zufolge 2018 um 13,4 Prozent auf etwa 477 Milliarden Dollar geklettert – ein neuer Rekord. Das war wesentlich besser, als die Experten ursprünglich erwartet hatten.

Im vergangenen Frühjahr hatte Gartner mit einem Plus von lediglich sieben Prozent gerechnet. Im Jahr 2017 war der Industrieumsatz sogar um mehr als ein Fünftel gestiegen. Das starke Plus lag ganz wesentlich am guten Geschäft der Speicherchiphersteller, also von Samsung, Hynix und Micron.

Die europäischen Anbieter wie Infineon bieten keine Speicherchips mehr an, sind aber vergangenes Jahr trotzdem kräftig gewachsen. Der Umsatz von ST Microelectronics etwa legte um knapp 16 Prozent zu, der Gewinn sogar um 60 Prozent. Die Halbleiterbranche ist bekannt dafür, dass das Geschäft stark schwankt, daher die Furcht vor einem Umsatzeinbruch. Und es gibt ja auch viele Unsicherheiten momentan.

Schwäche von Chinas Autobranche wird bedrohlich

Die Spezialisten des Branchenverbands World Semiconductor Trade Statistics rechnen dieses Jahr mit einem Umsatzplus von weniger als drei Prozent. „2019 wird ganz anders als die beiden vorangegangenen Jahre“, sagt auch Gartner-Experte Andrew Norwood. „Die Speicher befinden sich bereits im Abschwung, der Handelskrieg zwischen Amerika und China belastet das Geschäft, und die Ängste um die Weltwirtschaft werden größer.“

Für Infineon und seine europäischen Rivalen NXP und ST ist zudem der schwache chinesische Automarkt bedrohlich. Noch etwas macht den Chipherstellern zu schaffen. Das Geschäft mit Smartphones stagniert, das mit Tablets schrumpft sogar.

Die schlechten Nachrichten allerdings schrecken die Investoren nicht mehr. Selbst der Aktienkurs von Intel hat sich wieder erholt. Als die Nummer zwei der Branche ihre aktuellen Zahlen Ende Januar verkündet hatte, da war der Kurs noch um mehr als fünf Prozent abgesackt. Die Amerikaner rechnen fürs laufende Jahr lediglich mit einem Umsatzplus von einem Prozent, es wäre das schwächste Wachstum seit Langem.

Doch die Analysten sehen momentan eher die positiven Seiten. Analyst Harlan Sur von JP Morgan verwies darauf, dass das Intel-Management üblicherweise bei seinen Ausblicken tiefstapele. Inzwischen liegen auch die Intel-Aktien deutlich im Plus im Vergleich zum Jahresbeginn.

Womöglich beruhigt die Investoren auch, dass die Chiphersteller auf die Flaute sofort reagiert haben. „Die Situation hat sich geändert, und wir stellen uns darauf ein“, sagte Infineon-Finanzvorstand Asam. Der Konzern werde nun weniger Geld für neue Anlagen ausgeben und kaum noch zusätzliche Stellen schaffen.

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