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Initiative „Wir Zusammen“ Digital deutsch lernen

In der Deutschlandzentrale von Google in Hamburg fand die zweite Handelsblatt-Veranstaltung zur Initiative „Wir Zusammen“ statt. Dabei ging es um die Vernetzung von Unternehmen, Behörden und Helfern.
31.05.2017 - 14:49 Uhr Kommentieren
Auf dem Podium diskutierten (v.l.n.r.): Thomas Letixerant von der Bundesagentur für Arbeit, Hans-Jürgen Jakobs vom Handelsblatt und Dirk Werner vom Institut der deutschen Wirtschaft. Quelle: Johannes Arlt für Handelsblatt
Handelsblatt-Veranstaltung „Wir zusammen“

Auf dem Podium diskutierten (v.l.n.r.): Thomas Letixerant von der Bundesagentur für Arbeit, Hans-Jürgen Jakobs vom Handelsblatt und Dirk Werner vom Institut der deutschen Wirtschaft.

(Foto: Johannes Arlt für Handelsblatt)

Hamburg Wie können Unternehmen mit digitaler Technik Flüchtlingen beim Deutschlernen helfen? Diese Frage stand bei der zweiten Handelsblatt-Veranstaltung zur Initiative „Wir zusammen“ von deutschen Unternehmen im Mittelpunkt. Passenderweise fand das Treffen in der Zentrale von Google Deutschland in Hamburg statt.

Das Unternehmen hat den Flüchtlingen ganz praktisch geholfen: Im „Project Reconnect“ stellte Google 25.000 Laptops zur Verfügung. Damit konnten die Menschen deutsch lernen, erläuterte Programmleiterin Sybille Fleischmann. Dabei hilft etwa die Software von LinguaTV, einem Anbieter von Sprachlernprogrammen, der zusammen mit McDonald's Lizenzen bereitstellte. „Die Betreuungsarbeit kann mit diesem Programm fast jeder machen“, betonte Geschäftsführer Philip Gienandt die Entlastung für die Helfer. Dazu braucht es Vernetzung: Innerhalb von zehn Tagen habe eine Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) gestanden, erinnerte er sich.

Auch die Behörde geht neue Wege: Flüchtlinge sollten das Deutschlernen direkt mit Praktika und Arbeitserfahrungen verbinden, forderte BA-Nord-Geschäftsführer Thomas Letixerant. So gebe es die besten Ergebnisse. Schließlich wolle der „Löwenanteil“ der Flüchtlinge arbeiten, auch um Familien zu unterstützen oder Schlepper-Schulden loszuwerden. Eine Ausbildung sei jedoch weniger gefragt – dabei sei eine formale Qualifikation der Schlüssel zum Arbeitsmarkt, sagte Letixerant.

An dieser Stelle setzt in Hamburg die Sozialbehörde an. Amtsleiterin Petra Lotzkat hat sich mit Handels- und Handwerkskammer verbündet, um durch Prüfer die berufspraktischen Erfahrungen von Flüchtlingen feststellen zu lassen. So erhalten sie offizielle Nachweise, die bei Bewerbungen um Jobs und Praktika helfen. Dazu allerdings braucht es entsprechendes Engagement in den Unternehmen. „Das ist auch Chefsache. Unternehmen müssen erkennen, dass ihnen Vielfalt nutzt“, sagte Dirk Werner vom Institut der Deutschen Wirtschaft.

Allerdings, gab ein Zuhörer zu Bedenken, gebe es bürokratische Hürden: Der Software-Unternehmer beklagte, in Schleswig-Holstein sei es schwer, einen Praktikanten länger als zwei Wochen zu beschäftigen – trotz eines unterschriebenen Ausbildungsvertrags ab September.

Offenbar macht es der Föderalismus komplizierter. Während bei der ersten „Wir zusammen“-Veranstaltung in München kritisiert wurde, die südlichen Bundesländer schieben auch Menschen mit Ausbildungsvertrag ab, beteuerte die Hamburger Amtsleiterin Lotzkat, in der Stadt reiche auch ein für die Zukunft abgeschlossener Ausbildungsvertrag aus, um eine Abschiebung selbst in letzter Minute zu stoppen.

Von niedrigschwelligerer Hilfe berichtete Tui-Manager Christian Rapp. Mitarbeiter des Reisekonzerns halfen als Deutschlehrer in Flüchtlingslagern – und schafften es, weitere Unternehmen zum Mitmachen zu bewegen. 90 Tui-Mitarbeiter erreichten so 300 Flüchtlinge.

„Flüchtlingsfeindliches Klima in Deutschland“
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