Intel Der Befreiungsschlag des Brian Krzanich

Bessere Ergebnisse als erwartet und optimistische Prognosen: Der Chip-Riese erfreut die Anleger mit Wachstum, Gewinnen und einer satten Dividendenerhöhung. Vorstandschef Brian Krzanich kann aufatmen.
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Der Intel-Chef rechnet trotz der Imageprobleme wegen der Chip-Schwachstellen mit einem guten Geschäft in diesem Jahr. Quelle: AP
Brian Krzanich

Der Intel-Chef rechnet trotz der Imageprobleme wegen der Chip-Schwachstellen mit einem guten Geschäft in diesem Jahr.

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San FranciscoIntel ist wieder im Rennen. Lange war die Frage, ob ein seit Jahren abnehmender PC-Markt den Weltmarktführer bei Halbleitern und Prozessoren, der dazu noch den Smartphone-Markt komplett verschlafen hat, mit in den Abgrund reißen wird. Die Aktionäre wurden nervös, der Stuhl von Vorstandschef Brian Krzanich wackelte bedenklich. Jetzt zeigen sich erste Erfolge des Umbaus von einem PC-Lieferanten in einen diversifizierten Technologiekonzern, der auch Datencenter für die Cloud und selbstfahrende Autos ausrüstet.

Brian Krzanich musste im vierten Quartal 2017 vor allem zwei Fragen beantworten: Wächst das Hoffnungsfeld Server-Prozessoren stark genug, um das schwächelnde PC-Geschäft aufzuwiegen, und zeichnet sich nach dem Debakel mit Sicherheitslücken in Intel-Prozessoren ein Rückschlag im Verkauf ab? Beide Fragen wurden zur vollsten Zufriedenheit der Anleger beantwortet.

Der Servermarkt, zum Beispiel Rechner für große Cloud-Datencenter, zeigte trotz leicht zunehmender Konkurrenz durch AMD ein fulminantes Wachstum von 20 Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar. Intels Marktanteil liegt bei über 90 Prozent. Viele Konkurrenten, einschließlich Google, Microsoft oder Apple versuchen, Alternativen zu Intel-Prozessoren für ihre Cloud-Datencenter zu entwickeln. Aber bessere Chips als der Weltmarktführer zu bauen, ist nicht so einfach. So werden auch in den Datencentern, die Apple für zehn Milliarden Dollar bauen will, mit hoher Wahrscheinlichkeit superschnelle Intel-Chips werkeln.

Der Anstieg bei Server-Chips überdeckte einen schwächer als erwarteten, zweiprozentigen Rückgang im PC-Segment. Das ist mit fast neun Milliarden Dollar immer noch die stärkste Sparte, und alles zusammen führte zu einem Gesamtumsatz von 17,03 Milliarden Dollar im vergangenen Quartal. Analysten hatten 16,35 Milliarden erwartet.

Die Frage ist, ob es in Zukunft zu spürbaren Belastungen durch Verbraucherklagen, Schadenersatz oder Vertrauensverlust der Kunden im Zusammenhang mit den Schwachstellen „Spectre“ und „Meltdown“ kommen wird. Intel wollte das am Donnerstag nicht ausschließen. Aber es ist noch zu früh, das abzuschätzen.

Ein Softwarepatch, das nach der Veröffentlichung der Schwachstellen am 3. Januar veröffentlicht wurde, musste allerdings „bis auf weiteres“ wieder zurückgezogen werden. Kein gutes Zeichen. Im Analystengespräch hieß es nur, man „sei jetzt fast soweit“. Die Anleger nahmen es angesichts der neuen Dynamik nicht weiter übel: Der Aktienkurs schoss nachbörslich um bis zu 4,02 Prozent in die Höhe auf 47,02 Dollar.

Die US-Steuerreform schlug mit einer einmaligen Belastung aufgrund von Bewertungskorrekturen in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar zu Buche, was zu einem Nettoverlust von 687 Millionen Dollar führte. Im Gegenzug wird für 2018 eine Steuerrate von nur noch 14 Prozent angesetzt. Wohin das eingesparte Geld fließen wird, wurde auch direkt klargestellt: Die Dividende wird um zehn Prozent angehoben, was Zuversicht angesichts des Chip-Debakels demonstrieren soll. Bereits im Laufe des Jahres sollen neue Prozessoren mit „Änderungen in der Hardware“ ausgeliefert werden, die die Problem zuverlässig beseitigen werden.

Die Prognosen für das Gesamtjahr 2018 sind trotz der Imageprobleme wegen der Chip-Schwachstellen optimistisch. Ein Umsatz von 65 Milliarden Dollar, plus-minus fünf Prozent, ist die Zielmarke. 2017 kamen 62,8 Milliarden Dollar Umsatz zusammen, ein Plus von vier Prozent. Der bereinigte Gewinn pro Aktie für 2018 wird bei 3,55 Dollar erwartet. Von Thomson Reuters befragte Analysten gingen bislang von 3,27 Dollar pro Aktie aus.

Mit der Etablierung des Servermarkts als Gegengewicht zum PC-Markt richten sich nun die Hoffnungen der Anleger auf die Zukunftsmärkte Internet der Dinge (IoT) und selbstfahrende Autos. Mit der Übernahme von Mobileye für 15 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr ist Intel hier groß eingestiegen und schon Anfang Januar stellte Krzanich in Las Vegas das erste Auto auf Basis seiner autonomen Technologie vor. IoT und selbstfahrende Autos sollen Intel zudem in völlig neue Geschäftsfelder führen: Die Sammlung, Speicherung und Analyse von riesigen Datenmengen durch künstliche Intelligenz in Echtzeit. Intel wird zum Serviceanbieter. Ein Mann hat es eilig.

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