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Internet BMG fordert mehr Respekt vor Urheberrecht

CEO Hartwig Masuch unterstützt scharfe Kritik des Künstlers Sven Regener an der Kostenlos-Kultur im Internet. Masuch fordert, künftig bei Urheberrechtsverletzungen die Internetkonzerne zur Rechenschaft zu ziehen.
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Die zunehmende Kostenlos-Kultur im Internet beunruhigt Künstler und die Musikbranche. Quelle: © Edgar R. SCHOEPAL/GERMANY

Die zunehmende Kostenlos-Kultur im Internet beunruhigt Künstler und die Musikbranche.

(Foto: © Edgar R. SCHOEPAL/GERMANY)

Düsseldorf Die zunehmende Kostenlos-Kultur im Internet, ideologisch befeuert durch den Aufstieg der Piratenpartei, beunruhigt die Musikbranche. „Der Respekt vor Urheberrechten sinkt. Es gibt einen Teil der Gesellschaft, der Inhalte umsonst konsumieren will“, sagte Hartwig Masuch, Chef von BMG Rights Management, dem Handelsblatt (Montagsausgabe). Es fehle bei diesen Menschen ein Unrechtsbewusstsein, kritisiert der CEO von Deutschlands größtem Musikrechteverlag. Masuch, früher selbst Rockmusiker, warnt vor einer Aushöhlung des Urheberrechts. „Die Nutznießer sind in erster Linie die großen Internetkonzerne. Das haben immer noch nicht alle verstanden“, sagt der Manager in Anspielung auf Google, zu dem auch das Videoportal Youtube gehört.

Masuch fordert, künftig bei Urheberrechtsverletzungen die Internetkonzerne zur Rechenschaft zu ziehen. „Noch immer treffen die großen Internetplayer keine adäquaten Vorsichtsmaßnahmen, um Gesetzesbrüche zu verhindern. Das muss sich ändern.“ Sie müssten endlich in die Pflicht genommen werden. „Auch in Supermärkten dürfen schließlich keine geklauten Produkte verkauft werden, sonst würde sich der Einzelhändler der Hehlerei strafbar machen“, sagt der BMG-Chef. BMG Rights Management wurde 2008 vom heutigen Bertelsmann-Chef  Thomas Rabe initiiert und gehört dem Medienkonzern sowie dem Finanzinvestor KKR.

In der Musikbranche tobt derzeit eine heftige Diskussion. Auslöser war ein Radiointerview mit Sven Regener, erfolgreicher Musiker („Element of Crime“) und Bestseller-Autor („Herr Lehmann“, „Neue Vahr Süd“). Er wehrt sich gegen einen Zeitgeist, der Urhebern ihre Rechte abspricht und für die Leistung von Künstlern nicht bezahlen möchte.  Für Musik zu bezahlen sei eine Frage des Respekts und des Anstands.  Schützenhilfe bekommt Regener nun von BMG. Viele Kreative hätten nur ein Monatseinkommen von 1 000 oder 2 000 Euro, obwohl sie über Jahre hinweg große Hits hatten. „Wir müssen endlich eine Diskussion über die soziale Lage von Kreativen führen. Die meisten Musiker sind heute näher an Hartz IV als an einen Privatflugzeug.“ Die soziale Realität sei weit entfernt von der öffentlichen Wahrnehmung

  • hps
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24 Kommentare zu "Internet: BMG fordert mehr Respekt vor Urheberrecht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • 1. Jedes System muss funktionieren. Im Patentbereich funktioniert das. Deswegen sagt auch keiner was. Nach 20 Jahre sind die meisten technischen Entwicklung ohnehin veraltet.

    Fuer Komponisten funktioniert das System nicht mehr; es ist heute normal, dass ein Songschreiber nur noch mit Nebenjobs ueberleben kann. Und da ist nicht das Urheberrecht schuld sondern die Unmoeglichkeit, dieses durchzusetzen.

  • @malvin

    wie schon oben weiter gesagt, wir haben diametral unterschiedliche Ansichten zum Thema "geistiges Eigentum".
    Lassen wir es also dabei.

  • Klare Kante, sie haben es eben nicht kapiert.
    Bei technischen Schutzrechten geht es um einen Tausch, der Erfinder veroeffentlicht Details zu seiner Erfindung, und bekommt im Gegenzug ein befristetes Exklusivrecht. Technische Enrwicklungen bauen immer auf vorhergehende Ideen auf. Um die Entwicklung nicht abzuwuergen wird die Schutzdauer begrenzt auf 20 Jahre.
    In der Musik gibt es den Entwicklungs- und Inovationshedanken nicht. Musik ist abstrakt, und es gibt kein Schuztrecht auf Songs und folgende Songs, die den ersten Song enthalten und damit von.diesem abhaengig sind.

    Im Grunde aber ist und bleibt auch geistiges Eigentum eben geistiges Eigentum und muesste im prinzip immer bis zum Tode und darueber hinaus unbefristet und vererbbar sein. Dass das Urheberrecht auslauft 70 Jahre nach dem Tod des Komponisten ist im Grunde ein Akt der Enteignung. Das gilt auch fuer Patente, jedoch ist auf dem Gebiet der Technik der Entwicklungsgedanke entscheidend.
    Aber Herr klugklarekante, wie waers we.n i h ihr tagebuch einfach in die Hand nehme, vervielfaeltige und in hohen stueckzahlen verkaufe ohne ihnen etwas davon abzugeben? Das wuerde sich si,her reissend verkaufen.

  • ...weil das vollkommen andere Geschäftsfelder sind: ein Musikstück ist kein Verfahren, wie in einer Patentanweisung beschrieben oder beschreibbar. Ebenso ist auch ein Buch, ein Text oder ein Bild kein Verfahren. Patentiert wurde in dem Zusammenhang zu Ihrer Information z.B. das Verfahren Ölfarbe mit entsprechenden Düsen und Computerunterstützung auf Bildträger aufbringen zu können oder aber technische Innovationen zur computerunterstützten Erzeugung von Musik. Der Einsatz dieser Verfahren ist indes nicht zwingend erforderlich zur Erzeugung von Kunst.

    Das gilt sowohl in technischen, wie auch in Musikerkreisen nicht als Meinungsfrage.

    Sollten Sie selbst zb Tonsatz lernen und Musik beruflich betreiben wollen und das zu patentieren lassen wünschen wäre es gewiss eine Patentschrift wert, Ihr kompositorisch besonderes Verfahren bei der Erzeugung technisch erzeugter Musik zu definieren: seien Sie gewiß, die Musikinstrumente-Industrie dürfte Ihre Bemühungen mit Interesse zur Kenntnis nehmen.

  • @malvin

    so so, Kunst ist also etwas besonderes und bedarf deshalb größeren Schutzes als beispielsweise das Patent auf eine wie Sie es nennen "Vorrichtung". Warum eigentlich ?
    Ich darf mich von jedem Patent ebenso kostenlos inspirieren lassen wie von einem Musikstück. Nur nachbauen darf ich es nicht. Musiktitel darf ich auch nicht nachbauen. Was glauben Sie, wie schnell die Rechtsverdreher von BMG + Co. vor der Tür stehen, wenn die eine bekannte Tonfolge erkennen, die einer ihrer Vertragskünstler geschaffen hat.
    Was daran jetzt unsensibel ist, erschließt sich mir nicht wirklich. Wenn Sie mit 20 einen Superhit schreiben und das statistische Durchschnittsalter von sagen wir 80 Jahren erreichen, haben Sie einen Schutz von insgesamt 130 Jahren (60 Lebensjahre + 70 Jahre nach Tod) gegenüber 20 Jahren für ein Patent. Wo bleibt da die Gleichbehandlung. Der Ingenieur muß nach spätestens 20 Jahren auch wieder etwas Neues entwickeln, um Einnahmen erzielen zu können. Über die Frist jammern übrigens z.B. weder Automobil- noch Pharmaindustrie öffentlich, komisch eigentlich.

    PS: Ich habe das übrigens schon verstanden, bin nur ganz grundsätzlich anderer Meinung als Sie.

  • Nochwas: Warum ist die Gema das Problem? Sie treibt ja nur das den Urhebern zustehende Geld ein. Da koennte man genauso die Supermaerkte auffordern endlich die Kassen abzumontieren!!!
    Auch ist der Vergleich der Urheber/Nutzungsrechte mit Patenten absolut unsachlich.
    Ein Patent ist ein technisches Schutzrecht, das nur deshalb auf 20 Jahre befristet ist, um die technische Weiterentwicklung nicht zu behindern. In der Musik gibt es ja keine technische Weiterentwicklung, jeder darf sich von jeder Musikveroeffentlichung sofort und kostenlos inspirieren lassen.
    Der Patentvergleich zeigt auch wie unsensibel manche Leute durchs Leben gehen. Musik ist Kunst, nicht gegenstaendlich, und wet das mit einem Gegenstand, z.b. einer Vorrichtung, vergleicht, der hat was ganz Grundlegendes nicht verstanden!!!

  • Fuer mich zaehlt nur eines:
    Fakt ist, dass z.B. Youtube ein kommerzielles Anliegen verfolgt, Gelder fliessen indirekt, aber sie fliessen an Youtube pro Click.
    Selbstvetstaendlich sollte Youtube dann fuer alles Angeklickte eine Gebuehr an den Uhrheber abdruecken, das ist mehr als legitim.
    Plattformen wie Youtube sind nicht das wofuer viele sie halten, es ist eben KEINE Non-Profit Veranstaltung!!! Das ist der Unterschied. Es geht ja nicht gegen das Internet ingesamt sondern um diese Trittbrettfahrer.
    Ein Kuenstler koennte seine Rechte, egal ob Nutzungs- oder Urheberrecht nie und nimmer durchsetzen. Es ist daher richtig, von Youtube eine Abgabe per Click zu verlangen.
    Problematisch ist eben auch die Menge an Nutzern. Wenn z.B. ein Song/Video (haette ich so was) von mir, der illegal auf Youtube gespielt wird 1000000 mal von 1000000 Leuten illegal abgerufen dann muesste ich rechtliche Schritte gegen 1000000 Leute einleiten!!!! Und das geht ja nicht mal bei 10 Clicks, zudem sind die Nutzer weltweit verteilt!!!!!
    Man kann also die Internetnutzung von Musik nicht mehr mit dem Kopiere von Tonbaendern vergleichen, das waere absolut realitaetsfremd.
    Man muss auch bedenken, dass ein Komponist vielleicht Jahre lang erfolglis ist und am Existenzminimum lebt, und wenn dann der grosse Hit kommt wird es ihm verwaehrt, die Ernte einzufahren. Die Erfolge eines Komponisten sind eben nicht kalkulierbar, es ist wie eine Lottrie, er traegt das Risiko, ganz alleine. Aber man sieht ja jetzt schon wie die Musikkultur vetkommt, Musik das ist Begleitmaterial zu Popstar- Freak-Karaoke-Shows, die Qualitaet leidet, die Kreativitaet verkuemmert, nur noch aufgewaermtes.

  • Herr M. kritisiert Urheberrechtsverletzungen, nicht Verletzungen des Nutzungsrechtes. Deshalb laufen die meisten Kommentare ins Leere.

    Eine Urheberrechtsverletzung liegt z.B. vor, wenn jemand hingeht und das Lied eines Künstlers nachsingt, mit einer Kamera aufnimmt und auf YouTube hoch lädt. Solche Urheberrechtsverletzungen gibt es häufig wenn Schüler einen Song einstudieren und zum Sommerfest den Eltern vortragen. Schon öffentliches Vortragen eines Liedes in diesem Rahmen ist eine Urheberrechtsverletzung.
    Mutmaßlich bekommt Herr M. ein paar Sachen nicht richtig auf die Reihe:

    1.Dass Herr M. sich an die Rechtsverletzer wenden muss, anstatt an die Portalbetreiber, ist seinem Weltbild wohl nicht zugänglich. Das wäre so, als müssten die Autohersteller Geschwindigkeitssünder verfolgen.

    2. Dass eine Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen das Einkommen von Künstlern verbessert, die nahe Hartz 4 leben, ist Unsinn. Die Urheberrechtsverletzungen in Bezug auf Künstler, die kaum einer kennt, dürfte recht überschaubar sein.

    3. Solche Urheberrechtsverletzungen gab es auch schon vor dem Internet. Früher wurden Schulaufführungen mit der Videokamera aufgenommen und vervielfältigt.

    Und sollte sich der BMG-Boss tatsächlich Sorgen um die Existenz der Künstler machen, sollte er sich den Verwertungsrechten zuwenden. Dann könnte er mal Untersuchungen auf wissenschaftlicher Basis zum Schaden/Nutzen dieser Rechtsverletzungen anfertigen lassen. Denn dann wäre das keine Glaubensfrage mehr, sondern würde endlich einer Versachlichung zugeführt werden.

    Wobei, dass will er dann wohl doch nicht. Lieber Polemik, Volksverblödung und Lobbytum, denn eine Studie gibt es bereits und die liefert erstaunliches: "Das Brisante an dieser Studie: Sie führte zu Ergebnissen, die der GfK, die als Lobbyist großer Medienkonzerne unter anderem für die Ermittlung von Einschaltquoten zuständig ist, derart unangenehm sind, dass sie nicht publiziert wurde."

  • Ja, dort und bei den Rechteverwaltern (Stichwort GEMA) liegt das Problem.

  • "Viele Kreative hätten nur ein Monatseinkommen von 1 000 oder 2 000 Euro, obwohl sie über Jahre hinweg große Hits hatten."
    Nicht die angebliche Kostenlos-Kultur und damit die Nutzer, seine Fans, sind die Ursache, sondern die Rechteverwerter und -verwalter sollte Herr Regener anvisieren. Diese streichen schließlich jährlich enorme Gewinne ein bzw. füttern mit ihren Gebühren einen riesigen und noch dazu ineffizienten Verwaltungsapparat durch. Aber seine Stimme gegen diese Rechtsmaschinerie zu erheben, traut er sich natürlich nicht.

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