Internet-Projekt in Indien Zuckerbergs Kampf gegen die Facebook-Feinde

Der Facebook-Gründer will einer Milliarde Indern kostenlosen Zugang zu ausgewählten Online-Diensten ermöglichen. Netz-Aktivisten sehen darin keine Wohltat, sondern wittern kommerzielle Interessen.
Auf großen Plakaten wirbt die Facebook-Initiative für die App Free Basics. Quelle: Reuters
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Auf großen Plakaten wirbt die Facebook-Initiative für die App Free Basics.

(Foto: Reuters)

BangkokWenn Mark Zuckerberg erklären will, warum er ein guter Mensch ist, erzählt er die Geschichte von Ganesh. Demnach ist Ganesh ein armer Bauer aus Indien, dessen Leben dank Facebook ein bisschen besser geworden sei. Denn mit der Facebook-App Free Basics könne Ganesh jetzt kostenlos ins Internet und sei bestens über Wetter und Saatgut-Preise informiert, schreibt Zuckerberg in der Times of India.

Für seine scheinbar gute Tat muss sich der Facebook-Gründer verteidigen. Denn auf dem Subkontinent ist eine Debatte über Free Basics unter Zuckerbergs Initiative Internet.org entbrannt, die in mehr als 30 Staaten vertreten ist. Zuckerberg sieht darin die Möglichkeit, Millionen Indern mit einem Internetzugang ein besseres Leben zu ermöglichen. Seine Kritiker vermuten andere Motive: „Facebook geht es nicht darum, den Leuten einen Internetzugang zu geben“, kritisiert die Organisation Save the Internet. „Es will, dass Facebook und seine Partner kostenlos sind und alles andere kostenpflichtig bleibt.“

Diese Tech-Ikonen verschenken ihre Milliarden
Mark Zuckerberg
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Die Geburt seiner Tochter hat den Facebook-Gründer dazu inspiriert, 99 Prozent seiner Facebook-Aktien zu spenden. Der 31-Jährige und seine Ehefrau Priscilla Chan kündigten in einem langen Brief an ihre Tochter Max an, sie wollten das Vermögen von aktuell rund 45 Milliarden Dollar für die Lösung dringender Probleme auf der Welt ausgeben. Im Fokus der „Chan Zuckerberg Initiative“ sollen zunächst unter anderem Bildung und der Kampf gegen Krankheiten stehen, sowie das Ziel, „Menschen zu verbinden“. Zuckerberg hält gut 420 Millionen Aktien des weltgrößten Online-Netzwerks, sie machen fast sein gesamtes Vermögen aus. Doch er ist mit dieser Initiative nicht der Einzige in der Tech-Welt.

Sheryl Sandberg
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Die mächtigste Frau in Zuckerbergs Konzern ist ebenfalls dabei: Die Topmanagerin und ihr mittlerweile verstorbener Mann Dave Goldberg schlossen sich 2014 der Initiative „The Giving Pledge“ an. Die beiden verpflichteten sich, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu Lebzeiten oder nach ihrem Tode für wohltätige Zwecke zu spenden. Das US-Magazin „Forbes“ schätzt Sandbergs Vermögen auf rund 950 Millionen Dollar (690 Millionen Euro). Ihr Geld steckt vor allem in Facebook-Aktien.

Dustin Moskovitz
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Auch ihn machte Facebook reich: Moskovitz war einst der jüngste Self-Made-Milliardär der Geschichte. Der dritte Angestellte in der Geschichte von Facebook hat sich im Rahmen von „The Giving Pledge“ verpflichtet, mindestens die Hälfte seines Vermögens zu spenden. Gemeinsam mit seiner Frau Cari Tuna finanziert und leitet er die wohltätige Stiftung „Good Ventures“.

Bill Gates
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Er ist der Vorreiter in Sachen Wohltätigkeit. Der Microsoft-Gründer rief 2010 gemeinsam mit Warren Buffett „The Giving Pledge“ ins Leben. Bereits mehr als 180 superreiche Familien beteiligen sich daran. Mit der rund 29 Milliarden Dollar schweren „Bill & Melinda Gates Foundation“ kämpft er unter andrem gegen Kinderlähmung und Malaria.

Paul Allen
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Gates' früherer Geschäftspartner, mit dem zusammen er den Software-Riesen Microsoft gründete, beteiligt sich auch an „The Giving Pledge“. Der Großteil seines rund 17 Milliarden Dollar fassenden Vermögens soll in seine Familienstiftung und in wissenschaftliche Forschung fließen.

Tim Cook
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Auch der Apple-Chef will sein gesamtes Vermögen für wohltätige Zwecke spenden. Zuvor werde er allerdings noch die College-Ausbildung seines heute zehnjährigen Neffen finanzieren. Durch die Auszahlung von Optionen könnte es sich bei seiner Spende mit der Zeit um eine Summe im Milliarden-Bereich handeln.

Richard Branson
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Der Brite zählt ebenfalls zu den „Giving Pledge“-Unterzeichnern. Der Unternehmer ist für seine Firmengruppe „Virgin“ bekannt, die unter anderem auch in ausgefallene Projekte wie private Raumfahrt investiert. „Dinge bringen kein Glück. Familie, Freunde, Gesundheit und die Zufriedenheit, einen positiven Unterschied gemacht zu haben, ist das, was wirklich zählt“ schrieb er 2013.

Die Aktivisten stört, dass Facebook mit Free Basics nur eine abgespeckte Version des Internets anbietet: Der Farmer Ganesh kann zwar die Getreidepreise checken, sich bei BBC sowie Wikipedia informieren und natürlich Facebook besuchen. Auf Google, Twitter und viele andere wichtige Websites hat er aber keinen Zugriff. Was ansteuerbar ist, das entscheidet alleine Facebook – nach rein technischen Kriterien, sagt das Unternehmen.

Für die Kritiker ist das ein Verstoß gegen die Netzneutralität, nach der alle Daten im Internet gleich behandelt werden müssen. Aktivisten haben es geschafft, die indische Telekommunikationsaufsichtsbehörde TRAI zu sensibilisieren. Die Beamten haben Reliance Communications – den einzigen Telekommunikationsanbieter, über den Free Basics zu erreichen war – angewiesen, das Angebot vorerst zu stoppen. Eine endgültige Entscheidung über Free Basics und ähnliche Angebote dürften die Beamten in den kommenden Wochen fällen.

Statt sich auf die Debatte um Netzneutralität einzulassen, argumentiert Zuckerberg lieber mit Gefühl: „Warum soll Ganeshs Möglichkeit, Preise besser prognostizieren zu können, schlecht für den Wettbewerb im Internet sein?“, fragt er. Facebook fordert Free-Basics-Nutzer außerdem auf, eine vorgeschriebene E-Mail an die Aufsichtsbehörde TRAI zu schicken: „Mit mehr als einer Milliarde Menschen ohne Internetzugang würde das Ende von Free Basics vor allem die schwächsten im Land Treffen“, heißt es darin.

„Indiens Kampf wird auch andere Länder beeinflussen“
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