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Internet Yahoo und die geborgte Zeit

Einst wollte Yahoo den Konkurrenten Google kaufen. Das Scheitern dieser Übernahme besiegelte das Ende des Internetkonzerns als eigenständiges Unternehmen. Heute ist Yahoo selbst von einer feindlichen Übernahme bedroht. Die Schutzmauern bröckeln.
Yahoo CEO Jerry Yang. Quelle: Reuters

Yahoo CEO Jerry Yang. Quelle: Reuters

DÜSSELDORF. Wenn man wissen will, warum heute Microsofts CEO Steve Ballmer dem Webriesen Yahoo überhaupt so unverholen mit feindlicher Übernahme drohen kann, muss man zurückgehen bis 2002. Da wurde das Ende des Internetkonzerns aus Sunnyvale als eigenständige Firma besiegelt – und wahrscheinlich sogar von Yahoo selber. Alles danach waren nur Abwehrschlachten, das weiß man heute.

Terry Semel, frisch gebackener CEO mit der Mission, einen Online-Mediengiganten zu schaffen, wollte ein kleines Unternehmen namens „Google“ kaufen. Drei Milliarden Dollar war er bereit zu geben, die Gründer aber lehnten ab. Yahoos Manager rieten, auf fünf Milliarden Dollar zu erhöhen. Aber Hollywood-Mann Semel lehnte ab – das sei überzogen. Der Rest ist Geschichte.

Seitdem ist viel Zeit vergangen, aber eines ist geblieben: die eher passive Rolle Yahoos, wenn es um große Übernahmen geht, und eine eher aktive Rolle, wenn es darum geht, sich gegen fremde Einflüsse abzuriegeln. Doch langsam bröckeln die Schutzmauern vor sich hin.

Jerry Yang, seit 2007 wieder CEO, hatte Microsofts Geduld bereits strapaziert, als ihn am 31. Januar 2008 eine Sekretärin mit den Worten empfing „Steve Ballmer ist am Telefon“. Seit Februar 2007 werde man hingehalten, so Ballmer. Immer hieß es, es sei „nicht der richtige Zeitpunkt“, um zu reden. Nun mache man ernst und biete für Yahoo. Yang setzte sofort seine Investment-Banken, darunter Lehman Brothers, in Bewegung, um nach anderen Bietern oder Partnern Ausschau zu halten.

Als erstes wurde News Corp. angesprochen. 2007 hatte es Meldungen gegeben, wonach Rupert Murdoch sein Social Network „Myspace“ gegen einen Yahoo-Anteil tauschen würde. Doch daraus wurde nichts. Jetzt wollte Yahoo – aber Murdoch lehnte ab. „Kein Interesse“, ließ er verlauten. Auch Kandidaten wie AT &T oder der Kabelanbieter Comcast, die die Analysten von Gartner Group ganz vorne wähnten, tauchten nicht auf. Hoffnungen auf einen Kauf von AOL zerschlugen sich – man hätte Yahoos Kassen geleert und den Brocken selbst für Microsoft unverdaulich groß gemacht. Blieb ausgerechnet Google: doch die wollten nur Kooperationen eingehen. Eine Fusion oder namhafte Überkreuzbeteiligung wäre wettbewerbsrechtlich wohl niemals durchgegangen.

Ende Februar: Headhunter von New York bis San Francisco beginnen, Yahoo-Leute abzuwerben. Yang macht aus der Not eine Tugend: Er verspricht jedem, der im Zuge einer Übernahme den Job verlieren sollte, Gehaltsfortzahlungen für bis zu zwei Jahre und volle Abdeckung der (extrem hohen) Kosten für Krankenversicherungen. Sein Kalkül: Die Leistungsträger bleiben und für Microsoft wird es noch teuer, weil ohne Personalabbau die erhofften Synergien von über einer Mrd. Dollar kaum zu realisieren wären.

Fast zeitgleich kommen die Überlegungen auf, einen „Proxy Fight“ um die Vorherrschaft im Yahoo-Board anzuzetteln. Microsoft könnte eigene Kandidaten einschleusen, um anschließend den Widerstand von innen zu brechen. Das Ganze würde vielleicht 30 Mill. Dollar kosten, statt Milliarden mehr für ein höheres Angebot. Yahoo reagiert prompt: die Anmeldefrist für Board-Kandidaten wurde Anfang März verlängert auf „zehn Tage nach Ankündigung der Hauptversammlung“. Wieder ein Spiel auf Zeit – der alte Termin war 14. März.

Fällt das Board an Microsoft, bleibt eine letzte Waffe: Sie stammt aus dem Jahre 2001, als sich Yahoo gerade vom ersten Dot-Com-Crash erholte und der Aktienkurs in die Tiefe gerauscht war. Damals wurde ein Plan verabschiedet, der jedem Alt-Aktionär den verbilligten Bezug von neu auszugebenden Yahoo-Aktien erlauben würde, sobald ein einzelner Angreifer 15 Prozent des Kapitals eingesammelt hätte. Diese Aktienschwemme würde jedes Angebot für „alle ausstehenden Aktien“ dramatisch verteuern. „Das schreckt Investoren schon erst einmal ab“, sagt Shirley Westcott von der Beraterfirma Proxy Governance.

Aber das war 2001, als alle noch glaubten, dass bei Yahoo die Bäume in den Himmel wachsen und Google nur eines von vielen netten Start-Ups war. Heute sieht es anders aus: Der Yahoo-Kurs war im derzeitigen Abwärtstrend gerade unter die Marke von 20 Dollar gefallen, als Microsoft auftrat. Kämen Aktionäre wie die gesprächsbereite Gruppe „Yahoo Plan B“ des Aktionärs Eric Jackson, die angeblich über zwei Millionen Aktien vertreten, zu der Meinung, das Yahoo-Management verfolge mit seinem Kampf nur seine eigenen Interessen, dürften Klagen vor US-Gerichten so gut wie sicher sein. Jackson hatte 2007 auch die Revolte angeführt, die Terry Semel zu Fall gebracht hat. Vielleicht ist es wirklich höchste Zeit für Yang, zu verhandeln.

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