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Internetstreaming Pro Sieben Sat 1 attackiert Netflix und Amazon mit Youtube-Star LeFloid

Heute startet mit „LeFloid vs. The World“ die erste kostenpflichtige Internetserie von Pro Sieben Sat 1. Die Hoffnungen in das neue Geschäftsfeld sind groß.
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Für das neue Format ist der Youtube-Star um die halbe Welt gereist und hat Prominente wie Christine Lagarde oder Dieter Zetsche getroffen. Quelle: dpa
LeFloid

Für das neue Format ist der Youtube-Star um die halbe Welt gereist und hat Prominente wie Christine Lagarde oder Dieter Zetsche getroffen.

(Foto: dpa)

MünchenWas die Tagesschau für die Älteren ist, das ist der Youtube-Kanal von Florian Diedrich alias LeFloid für die Jugend. In Videoclips erklärt der Berliner Tag für Tag die Welt. Mit einfachen Mitteln produziert, erreicht er dennoch stets mehrere hunderttausend Zuschauer.

Der 30-Jährige soll Pro Sieben Sat 1 dabei helfen, ein neues Geschäftsfeld zu erschließen: Die Münchener wollen eigene Produktionen als Bezahlinhalte an Internetkonzerne verkaufen.

Einen ersten prominenten Kunden hat der Medienkonzern bereits gefunden: Google. Im Auftrag der Amerikaner drehte Pro Sieben Sat 1 in den vergangenen Monaten mit LeFloid als Hauptdarsteller eine achtteilige Serie: „LeFloid vs. The World“. Sie ist von nun an wöchentlich auf „Youtube Premium“ zu sehen. So nennt sich das Bezahlangebot des Videodienstes Youtube, der zu Google gehört. Am Mittwoch startete der Premium-Videodienst auch in Deutschland.

LeFloid erhält Teil der Einnahmen

Verantwortlich für die Serie ist Studio 71, der Youtube-Vermarkter von Pro Sieben Sat 1. Bislang vermittelt die Produktionsfirma Sponsoren an Youtube-Stars und kassiert dafür einen Teil der Einnahmen von LeFloid und Co. Zudem nimmt Studio 71 neue „Influencer“ unter Vertrag, um auch sie im Netz bekannt zu machen. Darüber hinaus ist die 70-köpfige Mannschaft dafür zuständig, ausgewählte TV-Programme von Pro Sieben Sat 1 ins Internet zu bringen.

Nun hat Studio 71 erstmals mit Online-Künstlern professionelle Inhalte produziert, um sie an Konzerne wie Google zu verkaufen. Die Internet-Nutzer seien inzwischen durchaus bereit, für hochwertige Sendungen im Netz zu bezahlen, sagte Studio71-Geschäftsführer Sebastian Romanus im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dafür verlangten sie jedoch Qualität: „Bei den Zuschauern gibt es eine klare Erwartungshaltung.“

Für das neue, englischsprachige Format ist LeFloid um die halbe Welt gereist und hat Prominente wie Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Daimler-CEO Dieter Zetsche oder Basketball-Star Dirk Nowitzki getroffen.

Die im Auftrag von Google produzierte Serie ist für Manager Romanus die ideale Referenz, um nun weitere Kunden zu gewinnen: „Wir wollen zeigen, dass wir auf Augenhöhe mit Netflix und Amazon Prime sprechen können.“

Der Vorstoß von Studio 71 ist Teil der Konzernstrategie von Pro Sieben Sat 1, unabhängiger von der TV-Werbung zu werden. So schalten zwar noch immer jeden Tag mehrere Millionen Menschen die Fernsehsender der Gruppe ein, insbesondere Pro Sieben, Sat 1 und Kabel eins.

Youtube als zusätzliche Einnahmequelle

„Die klassische lineare Fernsehnutzung bleibt mit etwa drei Stunden pro Tag stabil“, urteilen die Marktforscher von TNS Infratest. Die Reklameeinnahmen wüchsen aber kaum noch. Daher bemüht sich das im MDax notierte Medienunternehmen schon seit Jahren, zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen.

So gründete der damalige Konzernchef Thomas Ebeling bereits vor fünf Jahren Studio 71 – und das im hippen Berlin, fernab der Zentrale im Münchener Medienvorort Unterföhring. Anfangs waren es hauptsächlich jugendliche Computerspieler, die den Youtube-Kanälen folgten.

Das Repertoire von Studio 71 bildet aber längst schon die ganze Gesellschaft ab, von Sport über Mode und Kosmetik bis zu Politik. Journalistischer Höhepunkt war 2015 ein Interview von LeFloid mit Kanzlerin Angela Merkel.

Zu Jahresbeginn hat sich Pro Sieben Sat 1 eine neue Struktur gegeben. Aus vier Sparten wurden drei. Seither gehört Studio 71 zum neuen Bereich „Content Production & Global Sales“. Hier hat Pro Sieben Sat 1 seine Filmstudios weltweit sowie den Vertrieb der Inhalte zusammengefasst.

Kein Wunder also, dass auch Studio 71, eingegliedert im neuen Bereich, jetzt mehr Wert auf professionelle und internationale Produktionen legt.

Allerdings lief das Geschäft zuletzt alles andere als rund: Der Außenumsatz der Division „Content Production & Global Sales“ sank in den ersten sechs Monaten 2018 um zwölf Prozent auf 214 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Erlöse des gesamten Konzerns gingen leicht um vier Prozent auf etwa 1,8 Milliarden Euro zurück.

Studio 71 als Wachstumsfeld

Seit Juni führt mit Max Conze ein neuer Vorstandsvorsitzender Pro Sieben Sat 1. Der ehemalige Chef des Staubsaugerherstellers Dyson hat sich fest vorgenommen, den tiefen Fall an der Börse zu stoppen. Seit Herbst 2015 bröckelt der Kurs, im Frühjahr 2018 flog die Firma deshalb aus dem Dax.

Conze versprach Anfang August den Aktionären, den Unternehmenswert in den nächsten drei bis fünf Jahren zu verdoppeln – ein hoch gestecktes Ziel. Da gibt es nur ein Problem: Um es zu erreichen, müsse der Aktienkurs wieder das Niveau vom Frühjahr 2017 erreichen, wissen die Analysten von Independent Research.

Um die Investoren zu überzeugen, braucht Pro Sieben Sat 1 dringend Wachstumsfelder, wie sie etwa Studio 71 jetzt erschließt. Detaillierte Zahlen zu der Tochter veröffentlicht der Konzern jedoch nicht.

Den Worten des Managements zufolge sieht es für die nächsten Monate aber gut aus. „Wir sprechen schon über weitere Projekte“, sagte Christian Meinberger, der Chief Content Officer von Studio 71, dem Handelsblatt. Erstmals produziere die Firma derzeit für einen internationalen TV-Sender.

Pro Sieben Sat 1 muss sich in den nächsten Wochen angesichts der schwachen ersten sechs Monate gehörig steigern. Denn für das gesamte Jahr hat Conze den Investoren ein Umsatzplus im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich versprochen, also bis zu fünf Prozent. Ein „ambitionierter Ausblick“ sei das, meinen die Analysten von Independent Research.

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