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Internetwirtschaft Apple-Chef Tim Cook hält Social-Media-Regulierung für „unvermeidlich“

Apple-Chef Tim Cook gießt Öl ins Feuer der Regulierungsdebatte der Internetwirtschaft. Er glaubt, dass Apple Gewinner der Regulierung sein könnte.
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Apple: Tim Cook hält Social-Media-Regulierung für „unvermeidlich“ Quelle: AP
Tim Cook

Der Apple Chef ist überzeugt, dass die Internetwirtschaft stärker reguliert werden wird.

(Foto: AP)

San FranciscoApple-Chef Tim Cook ist überzeugt, dass die Internetwirtschaft stärker reguliert werden wird. Die Skandale um werbefinanzierte und datenfokussierte Plattformen wie Google oder Facebook seien ein „klares Versagen der freien Marktwirtschaft“.

In einem Interview mit der Nachrichtenseite Axios, das am Sonntag im US-Bezahlsender HBO ausgestrahlt wurde, plädierte er dafür, dies einzugestehen und die entsprechenden Schritte zu ergreifen: Eine gewisse Form von Regulierung sei „unvermeidlich“ angesichts des Fehlverhaltens der Technologiebranche. „Kongress und Regierung“, orakelte Cook, „werden zu irgendeinem Zeitpunkt irgendetwas verabschieden.“

Ausgestrahlt wurde das Interview am Vorabend eines schweren Einbruchs an der Wall Street. Am Montag führten Technologiewerte wie Google, Facebook, Amazon, aber auch Apple die Verliererliste an den Börsen an. Facebook wird gerade durch schwere Kritik an COO Sheryl Sandberg, erschüttert. Laut der New York Times wird ihr intern vorgeworfen, die Datenskandale und die Probleme um russische Wahlpropaganda und „Fake News“ erst geleugnet, dann verniedlicht und viel zu spät und halbherzig angegangen zu haben.

Diese Anschuldigungen erhalten durch die Anmerkungen Cooks nun zusätzliches Gewicht. Zumal sowohl Republikaner als auch Demokraten im Kongress längst über stärkere Regulierung der Social-Media-Plattformen nachdenken. Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung der politischen Parteien auf staatliche Eingriffe ist deutlich gestiegen, seit die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückgewonnen haben.

Bei Amazon begann der Kursabstieg schon vor Wochen nach der Warnung vor abgeschwächtem Umsatzwachstum im Weihnachtsquartal. Der Kursverlust beschleunigte sich dann zuletzt.

Bei Google irritiert der plötzliche Abgang der Vorstandschefin der Sparte Cloud-Computing, Diane Greene, in der vergangenen Woche. Google versucht verzweifelt, in diesem Boom-Markt zu Amazon und Microsoft aufzuschließen. Die Aktie des Unternehmens schloss zum ersten Mal in fast sieben Jahren im „Bären“-Bereich. So bezeichnen technische Aktienanalysten einen Fall des Aktienkurses um 20 oder mehr Prozent unter das Allzeithoch. Dann, so die gängige Erfahrung, seien weitere Kursverluste wahrscheinlich.

Apple wird für Google-Kooperation kritisiert

Auch die Apple-Aktie musste in den vergangenen Wochen eine Schlappe hinnehmen. Berichte, denen zufolge das Unternehmen die Produktionsziele für alle neuen iPhone-Modelle zurückgefahren habe, ließ das Vertrauen der Anleger schwinden. Zuvor hatte Vorstandschef Cook angekündigt, in Zukunft keine Absatzzahlen für die iPhone-Verkäufe auszuweisen.

Cook hatte sich schon im vergangenen Monat in Brüssel kritisch zum Datenhunger der Internet-Werbeindustrie geäußert. Jetzt legte er noch mal deutlich nach, indem er auch Namen nannte. Google mit dem Betriebssystem „Android“ ist Apples größter Konkurrent im mobilen Internet. Cook betonte noch einmal, dass Apple nicht die Daten seiner Kunden an die Werbeindustrie verkaufe. Und er ist konsequent in der Ablehnung der in den USA existierenden laxen Regelungen für Privatsphäre und Datenweitergabe. Im Grunde legt er den Gesetzgebern in Washington eine Radikallösung nahe: „Es geht hier nicht um eine Abwägung zwischen Privatsphäre oder Gewinn“, so Cook, „Ein Smartphone hat unglaubliche Informationen über den Nutzer in sich. Aber als Unternehmen muss ich diese nicht haben.“

Diese extreme Positionierung passt in das neue Bild von Apple, das Cook Kunden und Investoren vermitteln will: Apple als Unternehmen, dass sein Geld mit Hardware verdient und in Zukunft mit Dienstleistungen wie Musik, Filme, TV oder Apps – ohne die Nutzer dabei auszuspionieren. Der Servicebereich ist bereits die zweitgrößte Sparte Apples nach dem iPhone.

Kritik musste Cook sich anhören, weil Apple einen geschätzt jährlich neun Milliarden Dollar schweren Deal mit Google abgeschlossen hat, der die Google-Suchmaschine als Standard auf iPhones oder iPads einrichtet. Cook rechtfertigte es mit der überragenden Qualität der Suche gegenüber der Konkurrenz und außerdem habe Apple Sicherheitsbarrieren eingebaut, die die Weitergabe und das Abschöpfen von privaten Daten stark einschränkten.

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