Interview Bastei-Lübbe-Chef Schierack „Dan Brown hätten wir fast abgelehnt“

Der Bastei-Lübbe-Verlag setzt ganz aufs digitale Geschäft. Im Interview berichtet Verlagschef Thomas Schierack wie er Chinesen deutsche E-Books schmackhaft macht und warum er sich für Mittelstandsanleihen (fast) schämt.
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Bastei-Lübbe-Chef Thomas Schierack: Top-Autoren wie Dan Brown und Ken Follett kennt er persönlich. Quelle: picture alliance/dpa

Bastei-Lübbe-Chef Thomas Schierack: Top-Autoren wie Dan Brown und Ken Follett kennt er persönlich.

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DüsseldorfEs war ein turbulentes Jahr für den Bastei-Lübbe-Chef Thomas Schierack: Vor fast einem Jahr ging der Verlag an die Börse, seitdem übernahm er vier junge Unternehmen – nun steht die erste Hauptversammlung an. Im Interview mit dem Handelsblatt berichtet der Manager, wie er die Groschenromane ins digitale Zeitalter bringen will, was Computerspiele mit Büchern zu tun haben und wie der Verlag dem heutigen Bestseller-Autoren Dan Brown fast eine Absage geschickt hätte.

Herr Schierack, vertrauen Sie nicht mehr auf Ken Follett und Dan Brown?
Natürlich vertrauen wir auf Ken Follett und Dan Brown. Sie sind Weltbestseller-Autoren. Ihre Bücher verkaufen sich hervorragend, gedruckt wie digital.

Trotzdem haben Sie die Mehrheit an der Self-Publishing-Plattform Bookrix gekauft, auf der Nutzer selbst veröffentlichen können, und bilden Autoren in der „Bastei Lübbe Academy“ aus. Warum?
Es ist sinnvoll, unsere Abhängigkeit von einzelnen Titeln und Autoren zu verringern. Deswegen entwickeln wir Serien, die wir über die digitalen Kanäle verteilen, derzeit 12 oder 13. Dafür brauchen wir Inhalte von eigenen Autoren, an denen wir alle Rechte halten. Bei Bookrix sehen wir eine hervorragende Möglichkeit, über die Autoren, die dort veröffentlichen, weitere Rechte zur Verwertung in Deutschland und zur internationalen Verwertung zu.

Der Groschenroman fürs digitale Zeitalter…
Das ist eine unserer Strategien für die Zukunft! Die Inhalte sollen moderner sein, aber die Grundstruktur stammt aus dem Romanheftbereich.

Es klingt so, als ob Sie das nächste „Shades of Grey“ suchen.
Alle Autoren haben mal klein angefangen. Dan Brown zum Beispiel war in Großbritannien und Amerika zunächst erfolglos. Bei uns lag das Manuskript auch schon im Fach für die Rücksendung, bis unser Verlagsleiter es noch mal in die Hand nahm und das Potenzial erkannte. Wir haben die deutsche Ausgabe dann mit einem anderen Cover verkauft als in Amerika. Mit einem Mönch in Kutte und tief ins Gesicht gezogener Kapuze bekam es dadurch die Anmutung einer Verschwörung.

Mit bekanntem Erfolg.
Als die Amerikaner dieses Motiv dann nachträglich auch verwendet haben, ging das Buch auch dort durch die Decke. Das Internet gibt jedem Autoren die Chance, groß zu werden. Aber es schafft nur einer von 100.000, wenn überhaupt. 

Und was liest der Verlagschef persönlich?

Kennen Sie die Top-Autoren eigentlich?
Bei Bastei Lübbe legen wir großen Wert auf persönliche Beziehungen zu unseren Autoren, ob das Dan Brown ist, Jeff Kinney oder Rebecca Gablé. Ken Follett hat uns vor ein paar Wochen sogar zu seinem 65. Geburtstag eingeladen, da gab es den Dresscode „White Tie“– wir sind dann erstmal alle zum Frackverleih gegangen. Das war eine hochinteressante Veranstaltung.

„Das Wachstum kommt aus dem Ausland“
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