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Interview Constantin-Chef zur Filmbranche: „Es gibt von der Politik bisher keinerlei Perspektive“

Constantin-Film-Chef Martin Moszkowicz spricht über den Exitus des Kinogeschäfts, Filmküsse trotz Corona und die Langzeitfolgen für die ganze Kunstszene im Land.
02.05.2020 - 08:04 Uhr Kommentieren
Der Constantin-Film-Chef hält Dreharbeiten derzeit zwar planungstechnisch aufwendig, „aber machbar“. Quelle: Thorsten Jochim für Handelsblatt
Martin Moszkowicz

Der Constantin-Film-Chef hält Dreharbeiten derzeit zwar planungstechnisch aufwendig, „aber machbar“.

(Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt)

Düsseldorf Keine Premieren, keine Filmfestivals, keine Besuche bei glamourösen Dreharbeiten – die Welt von Constantin-Film-Chef Martin Moszkowicz ist klein geworden. Derzeit steuert er aus einem Haus im Allgäu das Tagesgeschäft des Münchner Produktionsriesen („Fack ju Göhte“, „Das perfekte Geheimnis“). Seiner Branche geht es ähnlich schlecht wie dem Tourismus oder dem Einzelhandel: Alle Kinos sind geschlossen, neue Produktionen können gar nicht erst gezeigt werden. Der Markt ist tot.

Die Gesamtschäden der Coronakrise werden die Filmindustrie Milliarden kosten, weil der wichtigste Vertriebsweg für Filme durch die Corona-Maßnahmen blockiert ist und Neuproduktionen derzeit weitgehend unmöglich sind. sagt Moszkowicz im Gespräch mit dem Handelsblatt und mahnt, dass die Politik bislang „keinerlei Perspektive“ liefere für einen Ausweg aus dem Shutdown. Der mache ihm „die größten Sorgen“. Jede Woche würden allein bei den deutschen Kinobetreibern Verluste von knapp 20 Millionen Euro auflaufen.

Ein zusätzliches Problem für die Filmwirtschaft: „Das Infektionsrisiko oder das Risiko eines erneuten Shutdowns wird in den klassischen Filmversicherungen und Fertigstellungsversicherungen ausgeschlossen. Banken können mit dieser Risikolage nicht zwischenfinanzieren.“ Der Constantin-Chef schlägt deshalb vor, „dass zum Beispiel die KfW oder Hermes mit Ausfallgarantien einspringen könnten“. Während der Sars-Epidemie habe die US-Regierung „dieses Instrument schon mal erfolgreich übernommen“.

Der 62-Jährige weiter: „Alle werden hart getroffen, aber am dramatischten ist wohl die Situation bei zehntausenden Künstlern und Selbständigen. Viele von denen haben keine großen Reserven und müssen schon im Normalbetrieb eher von der Hand in den Mund leben.“

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    Er hoffe, „dass die Menschen gerade jetzt verstehen, wie systemrelevant auch Kultur ist… Galerien, Ausstellungen, Museen, Theater, Oper, Ballett, Konzerte, Filme.“ Andererseits habe er „die Befürchtung“, dass die Kunstbranche in den aktuellen Shutdown- und Lockerungs-Debatten generell „hinten runterfallen könnte“.

    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Herr Moszkowicz, gerade erst haben Sie den deutschen Filmpreis, die „Goldene Lola“, gewonnen für „Das perfekte Geheimnis“ als erfolgreichster deutscher Film 2019. Könnte das auf absehbare Zeit einer der letzten Filme bleiben, die Constantin Film in die Kinos gebracht hat?
    Wir werden auch in Zukunft unsere Filme in Kinos präsentieren. An diesem wichtigsten aller Vertriebswege für unsere Kinoproduktionen wird nicht gerüttelt und ich bin sicher, dass unser Publikum sich nach dem Kinoerlebnis sehnt. Aber was mir und der ganzen Filmbranche derzeit die größten Sorgen macht, ist tatsächlich die Unsicherheit darüber, wann es wieder losgehen kann. Es gibt von der Politik bisher leider keinerlei Perspektive oder gar eine klare Ansage, unter welchen Bedingungen die Kinos wieder öffnen können.

    Auch Sie wollten sicher noch neue Filme im Frühjahr starten, die nun gar nicht mehr gezeigt werden können.
    Wir hatten ein bisschen Glück im Unglück, weil das bisher nur zwei unserer Produktionen betraf. „Ostwind – Der große Orkan“ wird verschoben. Den anderen – „Berlin, Berlin“, ein Film auf Basis der ARD-Kultserie – zeigen wir nun ab 8. Mai bei Netflix. Hier war es eine sinnvolle Einzelfallentscheidung, mit dem Film gleich auf eine Streaming-Plattform zu gehen. Darüber hinaus wollen wir natürlich auch die Produktionen wieder starten, wo wir die Teams jetzt erstmal in Kurzarbeit schicken mussten. Das Thema erreicht gerade auch unsere Zentrale in München.

    Was bedeutet Corona für eine Film- und Fernsehgröße wie die Constantin Film?
    Wir sind gut gewappnet. 2019 war mit einem Umsatz von 264 Millionen Euro und einem gestiegenen Gewinn eines unserer besten Jahre in unserer langen Geschichte. Unser Eigenkapital liegt bei über 80 Millionen, die Kreditlinien übersteigen klar 150 Millionen Euro.

    „Wir können keine seriösen Kinostarts planen“

    Welcher Ihrer Geschäftszweige funktioniert wirklich noch?
    Das Lizenzgeschäft rund um unsere aktuellen Titel und unsere sogenannte Library. Alle wollen ja jetzt Inhalte, die wir in hoher Qualität liefern können. Viele Produktionen werden jetzt geschnitten und fertiggestellt. Die Projektentwicklung brummt.

    Die Streamingdienste gelten als die großen Gewinner der Krise. Zurecht?
    Das ist sicher so. Die großen Plattformen – Disney, Amazon, Netflix – boomen gerade sehr, weil die Leute einfach meist zu Hause sind.

    Der neue „James Bond“ sollte eigentlich Anfang April starten und war dann einer der ersten Filme, die in den Herbst verschoben wurden. Was kosten solche Aktionen?
    Immens viel Geld und hohen Einsatz von Ressourcen. Solche Schritte sind aber nicht zu verhindern. Da die Kinos praktisch weltweit geschlossen sind, gibt es für derart teuer produzierte Filme keine alternative Auswertungsform. Auch wir selbst können derzeit seriös keine internationalen Kinostarts planen, weil sich die Märkte in sehr unterschiedlichen Corona-Stadien befinden. In Schweden zum Beispiel sind noch ein paar Kinos offen, aber die haben natürlich auch keine neuen Filme.

    „Corona kostet die Branche mit Sicherheit Milliarden“
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