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Interview Sky baut Dutzende Stellen ab – CEO Schmidt: „Wir erfinden uns ein Stück weit neu“

Mehrere Arbeitsplätze sollen bei Sky wegfallen. Im Interview spricht Deutschland-Chef Carsten Schmidt über den Umbau, die Eigenproduktionen und den Wettbewerb um die Fußballrechte.
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Sky Deutschland baut Stellen ab – das sagt CEO Carsten Schmidt Quelle: PR
Sky-Chef Carsten Schmidt

„Wir wollen ein digitales Unternehmen werden, das berühmt für seine Inhalte ist und das sowohl für innovationsfreudige Menschen als auch Programmprofis höchstattraktiv ist. “

(Foto: PR)

München Anfang Juli ist Sky Deutschland zehn Jahre alt geworden. Doch nicht allen Mitarbeitern ist zum Feiern zumute. Denn CEO Carsten Schmidt baut in der Zentrale des Bezahlsenders um, zahlreiche Stellen fallen weg. „Am Standort Unterföhring beschäftigen wir rund 2000 Mitarbeiter und wir sprechen von einer zweistelligen Zahl an betroffenen Positionen sowie zudem von einer niedrigen zweistelligen Zahl an Führungskräften“, sagte der Manager dem Handelsblatt.

Schmidt will den Abbau möglichst schnell abschließen. „Wir gehen den Weg unter anderem über ein Freiwilligenprogramm, das die Mitarbeiter kommunikativ mitnimmt und absolut transparent ist. Bis September wird dieser Prozess abgeschlossen sein“, sagte Schmidt. Ziel sei es, dass Sky Deutschland effektiver und agiler werde.

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Die Umstrukturierung sei kein Zeichen wirtschaftlicher Schwäche der Tochter des US-Konzerns Comcast, betonte Schmidt: „Was wir jetzt tun, ist etwas, was jedes erfolgreiche Unternehmen tun sollte, nämlich sich immer wieder ein Stück weit neu zu erfinden.“ Gleichzeitig stelle Sky auch neue Mitarbeiter ein, „nur suchen wir eben andere Kompetenzen“.

Lesen Sie hier das ganze Interview mit Carsten Schmidt:

Herr Schmidt, am 4. Juli ist Sky Deutschland zehn Jahre alt geworden. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?
Sehr positiv. Mit der Umbenennung von Premiere in Sky Deutschland haben wir damals mehr als den Namen gewechselt. Wir haben eine Aufbruchseuphorie entfacht. Seitdem haben wir uns hervorragend entwickelt. Es ist ein wachstumsstarkes, innovatives Unternehmen entstanden.

Ein Unternehmen allerdings, in dem Sie offenbar erheblichen Veränderungsbedarf ausgemacht haben. Sie haben gerade einen tiefgreifenden personellen Umbau angestoßen. Was genau passiert bei Sky?
Was wir jetzt tun, ist etwas, was jedes erfolgreiche Unternehmen tun sollte, nämlich sich immer wieder ein Stück weit neu zu erfinden. Ich bin jetzt 20 Jahre im Unternehmen. In der Zeit sind wir rasant gewachsen, auch bei den Mitarbeitern. Dabei sind naturgemäß Strukturen und Abläufe entstanden, die wir nun anpassen – wir setzen einen klaren Plan um, der uns für unser Business hilft und die zukünftigen Bedürfnisse unserer Kunden berücksichtigt. Dieser führt dazu, dass unsere Entscheidungswege noch effektiver werden und wir noch agiler werden.

Reagieren Sie damit auf den immer schärferen Wettbewerb?
Selbstverständlich haben wir den Markt im Blick, aber der jetzige Prozess entstand auf Basis einer eingehenden Analyse. Wir haben uns für diese ausreichend Zeit genommen, so etwas passiert nicht über Nacht. Wir gehen nun im Unternehmen sehr transparent damit um und nehmen die Belegschaft bestmöglich mit.

Wie viele Stellen fallen weg?
Genauso wie sich unser Geschäft gemäß der Kundenbedürfnisse entwickelt, tun dies auch die Kompetenzen, die wir benötigen. Am Standort Unterföhring beschäftigen wir rund 2000 Mitarbeiter und wir sprechen von einer zweistelligen Zahl an betroffenen Positionen sowie zudem von einer niedrigen zweistelligen Zahl an Führungskräften. Wir gehen den Weg unter anderem über ein Freiwilligenprogramm, das die Mitarbeiter kommunikativ mitnimmt und absolut transparent ist. Bis September wird dieser Prozess abgeschlossen sein. Und ganz wichtig: Wir stellen auch ein, nur suchen wir eben andere Kompetenzen.

Wie wollen Sie denn neue Mitarbeiter gewinnen, wenn Sie gleichzeitig Stellen abbauen? Das dürfte Bewerber doch erst einmal abschrecken?
Wir wollen ein digitales Unternehmen werden, das berühmt für seine Inhalte ist und das sowohl für innovationsfreudige Menschen als auch Programmprofis höchstattraktiv ist. Dafür investieren wir unter anderen massiv in Inhalte, aber auch in Technologie. Darüber hinaus bauen wir ein digitales und flexibles Arbeitsumfeld, sei es über E-Learning Angebote oder die Möglichkeit für Mitarbeiter die eigene Arbeit zeitlich und räumlich noch flexibler zu gestalten. Zudem werden wir internationaler, setzen verstärkt auf Diversität und Inklusion. Und unsere Mitarbeiter sollen in Zukunft noch unternehmerischer agieren können.

Stichwort Mitarbeiter – wie nehmen Sie diese mit?
Ich führe persönlich viele Gespräche, produziere Videoblogs und wir haben uns gerade intensiv mit der Belegschaft in einem Fish-Bowl-Event ausgetauscht.

Ein Fish-Bowl-Event?
Ja, das ist ein Format, in dem sich das Management den Fragen der Mitarbeiter stellt und diese direkt beantwortet. Ich war begeistert vom Engagement der Mitarbeiter und den exzellenten Fragen, die sie gestellt haben. Dabei gewann ich den Eindruck, dass alle bereit sind den nun eingeschlagenen Weg mitzugehen.

Spüren Sie eine stärkere Zentralisierung innerhalb der Sky-Gruppe?
Nein, ich sehe das ausschließlich positiv. Ich habe schon in vielen Konstellationen gearbeitet: Als wir noch zu Kirch gehörten, als Finanzinvestoren das Sagen hatten, und auch, als wir eigenständig an der Börse waren. Durch die Sky-Gruppe erhalten wir die optimale Unterstützung und können Synergien perfekt nutzen. Und ich versichere Ihnen: Ich kann das Unternehmen genauso frei führen wie eh und je.

Seit Sky Deutschland zu Comcast gehört, werden keine Zahlen mehr veröffentlicht für das Geschäft hierzulande. Was können Sie zur Entwicklung sagen?
Ich darf Ihnen leider keine detaillierten Angaben machen. Nur so viel: Ich bin zufrieden mit dem ersten Halbjahr. Wir sind auf einem guten Weg. Wir wachsen.

Sie investieren seit einiger Zeit stark im Bereich der Eigenproduktionen. Gehen Sie diesen Weg weiter?
Ja, wir gehen unseren Weg entschlossener und noch intensiver als je zuvor.

Die Eigenproduktionen hat Sky jetzt international gebündelt in den Sky Studios. Was bringt ihnen das und inwiefern können Sie noch selbstständig auswählen, in welche Serien Sie investieren?
Die Entscheidung, welche deutschen Eigenproduktionen entwickelt und produziert werden, wird wie bisher auch in Deutschland getroffen. Zudem profitieren wir von der neuen Aufstellung: Bei uns kümmert sich eine kleine Mannschaft von unter zehn Leuten um unsere eigenen Serienproduktionen. Dies wird auch weiterhin so sein, dazu kommt über die Sky Studios ein um ein Vielfaches größeres Team im internationalen Verbund. Das hilft uns, den Output schneller zu erhöhen und unterstützt durch neue Auswertungsmodelle die Finanzierung. Wir werden künftig viel mehr produzieren als bisher. Die Investitionen in unsere sogenannten „Sky Originals“, also unsere eigenen Inhalte, wollen wir in den kommenden fünf Jahren europaweit mehr als verdoppeln.

Für Deutschland haben Sie acht Eigenproduktionen pro Jahr angekündigt. Reicht das, um im Wettbewerb zu überzeugen?
Davon bin ich überzeugt. Es geht um Qualität und nicht um Quantität. Bislang ist uns das gut gelungen. Mit „Das Boot“ und „Babylon Berlin“ gehen wir im kommenden Winter beziehungsweise Frühjahr schon in die zweite Runde. Die Serien waren auch bei Sky in Italien und England ein großer Erfolg. Und gemeinsam mit den beiden Ländern kommen wir auf deutlich mehr Sky-Original-Serien im Jahr.

Wie ist Ihr Resümee der ersten Eigenproduktionen?
Alle bisherigen deutschen Sky Originals haben unsere Erwartungen übertroffen. Wir wussten natürlich um die Kraft von „Babylon Berlin“ und „Das Boot“, deshalb haben wir uns auch besonders über den Erfolg von „Der Pass“ und „8 Tage“ gefreut.

Mittlerweile scheint es, dass auch Wettbewerber immer mehr zusammenarbeiten. Sogar Netflix ist über Ihre Plattform zu sehen.
Das ist richtig, Netflix ist über Sky Q zu empfangen. DAZN hat von uns eine Sublizenz bei der UEFA Champions League erworben und der ARD haben wir letztes Jahr ein Bundesliga-Livespiel sublizensiert. Wir gehen Kooperationen ein, wo sie Sinn machen. An anderer Stelle ist man aber auch Wettbewerber.

Lange Zeit war Ihr Geschäftsmodell rein auf langlaufende Abonnements ausgerichtet. Mittlerweile gibt es neue Modelle, wie geht es weiter?
Verträge über mehrere Jahre sind weiterhin wichtig, da sich dies viele Kunden nach wie vor wünschen. Wer Sky Q abonniert, der bekommt das Beste, was man im deutschen Fernsehen kriegen kann ab 19,99 Euro im Monat. In dem Paket sind neben dem Sky Programm – linear und auf Abruf – die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen aber auch Partner wie Netflix enthalten. Wir werden Sky Q weiter ausbauen und verbessern. Gleichzeitig können die Kunden über den Streamingservice Sky Ticket aber auch Tages-, Wochen- oder Monatsabos abschließen. Sky Ticket hat sich sehr gut entwickelt und wir werden das Angebot noch deutlich verbessern.

Sie haben wieder die Rechte der englischen Fußball-Liga Premier League erworben. Was versprechen Sie sich davon?
Wir erwarten durch die Premier League sowohl ein Kundenwachstum als auch weiter steigende Zufriedenheit. Durch den Rückgewinn der englischen Liga aber auch durch die Formel 1 haben wir in Kombination mit den bestehenden Sportrechten das beste Portfolio im Livesportbereich überhaupt. Insgesamt sprechen wir von 9000 Live-Stunden plus unserem 24/7-Sender Sky Sport News.

Viele Kunden haben Sky nach wie vor insbesondere wegen der Bundesliga abonniert. Im Herbst startet nun die Rechtevergabe für die Spielzeiten ab 2021. Welche Bedeutung hat das Recht für Sie?
Selbstverständlich sind wir hochinteressiert an der Bundesliga – und die Bundesliga an uns.

Erwarten Sie steigende Preise?
Heute kann noch niemand etwas über die Preise sagen. Wir haben ein tiefgreifendes Wissen um den Wert von Sportrechten für uns und unsere Kunden. Wie bei jeder Rechteausschreibung werden wir auch in die kommende klar positioniert gehen. Zurzeit läuft die vom Bundeskartellamt in Abstimmung mit der DFL durchgeführte Marktbefragung potenzieller Interessen für die neuen Bundesligarechte. Es wird sich zeigen, wie die Paketierung aussehen wird und ob es mehrere Käufer geben muss, oder auch ein einziger Bieter zum Zuge kommen darf.

Ganz grundsätzlich: Erwarten Sie einen verschärften Wettbewerb?
Um Fußballrechte wird es immer einen Wettbewerb geben. Wie intensiv der ausfällt, hängt letztlich vom Markt ab. Aber wir sind da ganz selbstbewusst: Sky hat die letzten zehn Jahre gezeigt, dass sich die Bundesliga auf uns verlassen kann.

Sie sind schon lange dabei. Wie sieht Ihr persönlicher Plan aus?
Ich bin hochmotiviert und habe noch einiges bei Sky vor. Aber ich habe auch einmal in einem Interview gesagt, dass ich das Unternehmen mit 60 nicht mehr führen werde. Dazu stehe ich nach wie vor. Jetzt bin ich 55.

Herr Schmidt, vielen Dank für das Gespräch.

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