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Interview W. Petersen: Schlechtes Benehmen ist erlaubt

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Welche Fehler sollte man, gerade als ausländischer Filmemacher, in Hollywood tunlichst vermeiden?

Wenn man erfolgreich ist in Hollywood, kann man machen, was man will. Solange man Erfolg hat, darf man auch alle Regeln brechen. Da spielt es keine Rolle, woher man kommt, da gibt es keine geografischen Vorgaben. Das war immer schon so in Hollywood, und das wird auch immer so sein. Erfolg erlaubt einem letztendlich alles, sogar sehr schlechtes Benehmen.

Haben Sie Ihre Karriere geplant?

Ja, das kann man schon sagen. Als ich zwölf Jahre alt war, habe ich zu meinen Eltern gesagt: Ich möchte eine Kamera haben, eine Acht-Millimeter-Filmkamera. Die war damals ziemlich teuer und noch dazu recht ungewöhnlich. Aber ich wusste schon mit zwölf ganz genau, dass ich Filmregisseur werden will.

Woher?

Das ist ganz merkwürdig. Ich war ein Kino-Narr, habe mir damals in Hamburg alle Filme angeschaut und war mir immer sicher, dass es das war, was ich machen möchte. Das hat sich auch nie verändert, da bin ich immer dabei geblieben. Ich war von amerikanischen Filmen begeistert und wusste, dass ich irgendwann einmal nach Hollywood gehen würde, um da zu arbeiten und zu drehen. Und das in einem Alter von 16, 17 Jahren!

Fromme Wünsche haben viele, wie haben Sie das in die Tat umgesetzt?

Ich arbeitete vier Jahre am Theater, studierte Theaterwissenschaften, ging auf die Filmakademie, und dann ging es mit den ganzen Tatort-Geschichten los. Irgendwann bot mir Produzent Günther Rohrbach „Das Boot“ an, und das hat mein Leben von Grund auf verändert, das war der Film, der es mir ermöglichte, mein Fernziel Hollywood zu erreichen.

Das klingt so, als könne man „erfolgreicher Regisseur“ lernen?

Das werde ich immer wieder gefragt, ob man das lernen kann. Ja, aber dabei sind viele Dinge sehr wichtig. Grundvoraussetzung ist, dass eine ungeheuerliche Leidenschaft für Film und Kino da sein muss. Regisseur ist ein so schwieriger Beruf in dem Sinne, dass es nur sehr wenige wirklich schaffen und Erfolg haben. Aber wenn man es wirklich will – und nichts anderes will, eine regelrechte Passion hat dafür – dann kann alles, was man sich so aneignen kann, nur helfen. Wie bei mir mit dem Theater und der Filmschule. Können das aber auch andere, die nicht am Theater waren? Natürlich. Können auch Leute große Regisseure werden, die nie auf eine Filmschule gegangen sind? Aber sicher. Da gibt es viele Beispiele. Es gibt halt keine festen Regeln.

Ist es denn in diesem regelfreien Raum heute einfacher oder schwieriger, Karriere zu machen?

Es ist heute vielleicht ein wenig einfacher, weil es heute mehr Möglichkeiten gibt, sich bildlich auszudrücken. Du kannst heute für 150 Euro schöne, kleine Filme machen und sie auf Youtube stellen. Oder man macht Musikvideos oder arbeitet an Werbefilmen, auch da kommen heute viele Regisseure her.

Sie waren in Ihrer Jugend in Hamburg an einem altsprachlichen Gymnasium. Profitieren Sie heute noch von Ihrer humanistischen Bildung, oder muss man sowas in Hollywood ablegen?

Naja, so ganz ablegen kann man solche Sachen natürlich nicht, aber sie haben schon recht, da gibt es ein gewisses Spannungsfeld. Ich versuche bei bestimmten Filmen, meinen humanistischen Background und das Gedankengut mit einzubringen. „Troja“ zum Beispiel war für mich ganz schön, weil es da eine Brücke zwischen dem Humanismus, meiner Gymnasialausbildung, und meiner Arbeit hier gab.

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