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Isabella Neven DuMont unter Druck Wie realistisch eine Zerschlagung der DuMont-Mediengruppe ist

Die Nachkommen der traditionsreichen Verlegerdynastie suchen nach einem Plan für ihren Konzern. Auch eine Zerschlagung der Mediengruppe ist möglich.
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In der Medienbranche wird seit Längerem spekuliert, wie nachhaltig das Interesse der Familie am Zeitungsgeschäft angesichts rückläufiger Zahlen auf Dauer noch sein wird. Quelle: imago/Sven Simon
Isabella Neven DuMont

In der Medienbranche wird seit Längerem spekuliert, wie nachhaltig das Interesse der Familie am Zeitungsgeschäft angesichts rückläufiger Zahlen auf Dauer noch sein wird.

(Foto: imago/Sven Simon)

Düsseldorf, Frankfurt, WienUnter Deutschlands Zeitungsverlegern war Alfred Neven DuMont eine Erscheinung mit Gravitas. Der Enkel von Malerfürst Franz von Lenbach war auch Kunstsammler und Romanautor, aber nicht nur das. Er arbeitete vom Stammhaus Köln aus mit Ehrgeiz, Sendungsbewusstsein und Zukäufen an einem Verlagshaus größerer Kontur. Aus einer regionalen Kraft sollte ein nationaler Spieler werden.

Zur Trauerfeier für „Sir Alfred“ im Kölner Dom vor fast vier Jahren wurde wunschgemäß Leonard Cohens „Hallelujah“ gespielt.

Es war ein letztes Hallelujah auf goldene Zeiten. Seitdem ist seine Tochter Isabella Neven DuMont, 50, zusammen mit Mitgesellschafter Christian DuMont Schütte, 61, und den Verlagsoberen emsig bemüht, das große Erbe in digitalen Zeiten fortzuführen – keine ganz leichte Übung. Mitten in die Strategieüberlegungen platzte am Dienstag – ein paar Tage nach der jüngsten Aufsichtsratssitzung – eine Meldung des Fachblatts „Horizont“. Demnach solle die gesamte Mediengruppe zerschlagen werden.

Die Regionalzeitungen stünden zum Verkauf und nur noch die Geschäftsfelder „Marketing Technology“ und „Business Information“ blieben übrig. Es würden derzeit „verschiedene Handlungsoptionen entwickelt“, erklärt das Unternehmen, das beinhalte „die mögliche Veräußerung von Teilen des Portfolios“.

Tatsache ist, dass das Management rund um CEO Christoph Bauer schon seit einiger Zeit Paid Content (bezahlte Inhalte) und Digitalisierung als Festgrößen der Zukunftsplanung preist und die Erkenntnis intern wuchs, für diese Nummer sei man allein zu schwach. Zur geordneten Partnersuche wurde der Münchener Firmenberater Stephan Goetz geholt, der etwa den schillernden tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky zum Handelskonzern Metro gelotst hat.

Die Goetzpartners Corporate Finance GmbH ließ vor Monaten schon die Besitztümer der DuMont-Mediengruppe auflisten. Motto: Beteiligungen und strategische Allianzen sind möglich. Dass Furcht vor radikalen Schritten problematisch ist, zeigt der Niedergang der „Frankfurter Rundschau“, die erst 2006 ins Haus gekommen war und 2012 in die Insolvenz geriet. Verlust für die Kölner: 112 Millionen Euro.

Auch Isabella Neven DuMont, eine kunstsinnige und dem Reitersport zugetane Unternehmerin, weiß, dass die Grandezza des Vaters nun betriebswirtschaftlich abgesichert werden muss. Im Aufsichtsrat und in der Öffentlichkeit spielt sie eine eher zurückgenommene Rolle, anders als etwa Julia Becker, Erbin der Essener Funke-Gruppe („Westdeutsche Allgemeine“, „Hamburger Abendblatt“).

Da ist ihr Verwandter DuMont Schütte, der dem Aufsichtsrat vorsteht, schon von dominanterer Natur. Er sieht sich in alter Verlegerrolle.

Treiber oder Getriebener?

Rivale Funke – mit denen DuMont allem Anschein nach vor einigen Jahren schon mal über Fusion geredet hat – gehört zu einer kleinen Zahl von Verlagskonzernen, die bundesweit das Zeitungsgeschäft konsolidieren. In Köln stellt sich nun mit Macht die Frage, ob das Traditionshaus dabei noch Treiber oder schon Getriebener ist.

Das vom Alt-Prinzipal Alfred Neven DuMont zusammengetragene Portfolio hat seine Hauptschwächen in den drei Boulevardblättern „Kölner Express“, „Hamburger Morgenpost“ und „Berliner Kurier“ sowie in der „Berliner Zeitung“, einst in der DDR wohlgelitten und nach der Wende eher ein Wanderpokal.

Berater Goetz lobt im kleinen Kreis Zeitungsdeals aus, wie Beteiligte berichten, und zwar mit Verweis auf Amazon-Gründer Jeff Bezos („Washington Post“) und Investoren-Veteran Warren Buffett, die in den USA Zeitungen gekauft haben. Von einem Totalverkauf will im Umfeld des Verlags und des Münchener Beraters allerdings keiner etwas wissen. Es gehe um „Teilzusammenlegungen“, sagt ein Beteiligter. Offiziell äußern sich DuMont und Goetz nicht dazu.

Die Zeichen stehen eher auf Ausloten als auf schneller Zerschlagung. „Es gibt aktuell keinen Verkaufsprozess“, meint ein Vertrauter der Eigentümerfamilie. „Es steht nichts aktuell zur Diskussion.“ Allerdings hat das traditionsreiche Medienhaus, 1620 gegründet und heute in zwölfter Generation geführt, etwaige Verkaufsperspektiven oder Kooperationsangebote bei Konkurrenten vorgefühlt. Und die Branche redet gerne.

Das Problem: die Zeit. Es ist schwer, Printauflagen auf Höhe zu halten. Und angesichts des erwarteten konjunkturellen Abschwungs werden die Werbeeinnahmen 2019 eher schrumpfen als wachsen. Zudem schreckt, dass die lukrativen Geschäfte des Bundesanzeiger-Verlags auf Sicht auch schwinden werden. Das Bundesjustizministerium denkt daran, Gesetze künftig digital zu verkünden. Die großen Druckaufträge würden entfallen.

Isabella Neven DuMont, die Aufsichtsrats-Vizechefin, sagte vor Jahren einmal in einem Interview, sie sei in einem Haus aufgewachsen, in dem es kaum ein anderes Thema als das Zeitungsmachen gegeben habe. Zehn Jahre lang war sie Chefredakteurin einer Pferdezeitschrift in einem anderen Verlag – bis sie in die Firma ihres Vaters kam.

Doch die Situation im Gesellschafterkreis ist kompliziert. Die Anteile sind auf 17 Gesellschafter der Familien Neven DuMont, Schütte und DuMont Schütte verteilt. Das macht die Entscheidungsfindung zäh. Im Aufsichtsrat indes soll die Chemie stimmen. „Christian und Isabella kommen gut miteinander zurecht“, sagt ein Vertrauter der Familie. Was andererseits bedeuten kann, dass Spannungen nicht nach außen gelangen.

In der Medienbranche wird seit Längerem spekuliert, wie nachhaltig das Interesse der Familie am Zeitungsgeschäft angesichts rückläufiger Zahlen auf Dauer noch sein wird. Christian DuMont Schütte gilt als passionierter Jäger. Isabella Neven DuMont wiederum verfolgt ohnehin vielfältige Interessen. Sie hat zwei Bücher über Araber-Pferde verfasst und außerdem einen Hochseilgarten im Bergischen Land eröffnet.

Schon tritt eine Gewerkschaft auf den Plan. „Bekennen Sie sich zu den verlegerischen Werten, mit denen Alfred Neven DuMont Ihr Verlagshaus groß gemacht hat!“, fordert eine Sprecherin des Deutschen Journalistenverbands.

Doch eine weitere Frage steht im Raum: Gibt es überhaupt ausreichend Interessenten für die Publikationen? „Für die gesamte Mediengruppe gibt es keinen Käufer, allein schon aus kartellrechtlicher Sicht“, sagt ein Medienunternehmer. Es läuft auf viele Einzellösungen hinaus. Im nächsten halben Jahr dürfte nichts passieren.

Berliner Markt ist schwach

„Das größte Problem bei DuMont heißt ,Berliner Zeitung‘“ , sagt ein Insider. Die vor allem im Osten verankerte Tageszeitung leidet unter sinkender Auflage und schwachem Anzeigenmarkt. In der Kölner Heimat dagegen genießt das Verlagshaus dank „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Kölnische Rundschau“ ein komfortables Monopol.

Allerdings sind die Blätter längst nicht mehr die Supergewinnbringer, die sie mal waren. „Es ist schon sehr verwunderlich, wie man in der viertgrößten Stadt Deutschlands mit einer Monopol-Tageszeitung und einer Boulevardzeitung nicht eine Umsatzrendite von zehn Prozent erwirtschaften kann“, urteilt ein Medienberater. Gut läuft weiter die „Mitteldeutsche Zeitung“ in Halle (Sachsen-Anhalt), die nach Einschätzung eines Insiders eine „hochrentable Zeitung“ sei.

Offenbar ist die Verlagsgesellschaft Madsack so etwas wie ein Wunschpartner. Im Mai 2018 schlossen sich die Firmen bereits zu einer strategischen Partnerschaft zusammen und gründeten in Berlin eine gemeinsame Redaktion für Politik und Wirtschaft. DuMont ist bei der Firma, die überregionale Nachrichten und Geschichten an die Blätter der Imperien schickt, nur Juniorpartner.

Ein Verkauf oder Teilverkauf der Kölner Blätter an die finanzstarke Gruppe rund um die „Rheinische Post“ im benachbarten Düsseldorf gilt dagegen kartellrechtlich als schwierig. Und das Verhältnis ist miserabel, nachdem der „General-Anzeiger“ in Bonn als Kronzeuge beim Bundeskartellamt ausgepackt hat und von verbotenen früheren Absprachen sowie einem geheimen Vorkaufsrecht der Kölner berichtete.

Dafür blieb der „General-Anzeiger“, längst im Besitz der „Rheinischen Post“, straffrei, während die DuMont-Gruppe im September 16 Millionen Euro Kartellstrafe zahlen musste.

Konstantin Neven DuMont, jüngerer Bruder von Isabella Neven DuMont, stieg im Unfrieden 2013 aus der Mediengruppe aus und macht heute in Immobilien. Seine Anteile übertrug er damals an die Eltern. Für einen Privatsender moderierte der Verlegersohn einst die Talksendung „Quo Vadis Colonia?“ – und zerlegte Themen wie den Kölner Klüngel. Ein Spötter empfiehlt eine Neuauflage der Show mit dem Titel „Quo Vadis Familia?“ zum 400. Geburtstag des Medienhauses im nächsten Jahr.

Mehr: Alfred Neven DuMont war einer der letzten großen Verleger der Nachkriegszeit. Überregional war er zwar nicht allzu sehr bekannt. Aber am Stammsitz Köln war Neven DuMont 60 Jahre lang der große Patriarch. Lesen Sie hier mehr.

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