Israelische Araber Gründen gegen die gesellschaftliche Spaltung

Der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis gärt auch im florierenden Start-up-Sektor des Landes: Unter den Gründern sind die jüdischen Unternehmer in der Mehrheit. Verschiedene Initiativen sollen das ändern.
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Die Verkündigungsbasilika dominiert das Stadtbild.
Blick auf Nazareth

Die Verkündigungsbasilika dominiert das Stadtbild.

Nazareth/Tel AvivWenn Fadi Swidan auf den Balkon seines Büros tritt, liegt im Nazareth zu Füßen: Vor ihm zieht sich die Stadt die Berge hinauf, in der Mitte thront die Verkündigungsbasilika, gebaut über der Höhle, in welcher der Erzengel Michael der Jungfrau Maria erschienen sein soll. In Sichtweite der christlichen Pilgerstätte hat Swidan einen Ort geschaffen, an dem sich junge Gründer austauschen können und Interessierte Nachhilfe in Tech-Fragen erhalten. „Tel Aviv hat das Silicon Wadi, wir haben das Shawarma Valley,“ sagt Swidan. Das soll sich ändern.

Einige Räume weiter im selben Haus sitzt Hasan Abo-Shally: Swidan und er kennen sich gut – auch wenn Abo-Shally keine Tech-Beratung nötig hat. Nach Stationen bei verschiedenen Start-ups in Tel Aviv begann er, mit einem Freund eine App zu programmieren. Aus den gemeinsamen Programmier-Sessions wurde die Plattform „Hasoub“, bei der Gründer Wissen austauschen und gemeinsame Projekte realisieren können.

Jamil Mazzawi versucht derweil eine Reisegruppe im Blick zu behalten – so wie es sich für einen Gastgeber gehört. Er ist Gründer und Chef von Optima, einem Start-up, das sich mit der Sicherheit von elektronischen Systemen im Auto beschäftigt. Auf seine Einladung hin sind Experten von General Motor, Daimler, Renault und Mobileye nach Nazareth gekommen, um die neuesten Branchenentwicklungen auszutauschen.

Swidan, Abo-Shally und Mazzawi sind die sprichwörtliche Ausnahme, die die Regel bestätigen. Alle drei sind arabische Israelis und erfolgreiche Unternehmer. Das ist keineswegs selbstverständlich: Rund 1,8 Millionen Bürgerinnen und Bürger des Staates Israel sind Araber – Drusen, Christen oder Muslime. Sie machen zwar 20 Prozent der Bevölkerung aus, tragen aber gerade einmal rund acht Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Viele von ihnen leben unterhalb der Armutsgrenze. Der Konflikt zwischen Arabern und Juden – er zeigt sich auch im boomenden Start-up- und Tech-Sektor des Landes. Denn die meisten der Gründerinnen und Gründer sind jüdische Israelis. Und während die Start-up-Dichte zwischen Tel Aviv und Jerusalem als eine der höchsten weltweit gilt, bleiben die arabischen Israelis außen vor. Dabei könnte das Land die Fachkräfte gut gebrauchen.

Swidan ist einer von denen, die sich mit diesem Status-Quo nicht abfinden möchten: In seinen Büroräumen kommen junge arabische Israelis zusammen, um sich technisches und unternehmerisches Fachwissen anzueignen. Swidan ist zudem Mitgründer von „The Hybrid“, einem Inkubatorenprogramm, gefördert von der israelischen Regierung, dass sich gezielt an arabische Gründerinnen und Gründer richtet. Der Fokus liegt auf dem Tech-Sektor, denn da herrscht Nachholbedarf, weiß Swidan: „Es gibt eine technologische Kluft zwischen der jüdischen und der arabischen Gemeinschaft – wir versuchen die zu schließen oder zumindest eine Brücke zu bauen.“ Es sei aus vielerlei Gründen schwer für arabische Unternehmer, so der Swidan: „Der größte Teil von ihnen arbeitet in den traditionellen Familienunternehmen und nicht im Tech-Sektor.“

Zusammen mit dem Programmmanager Eitan Sella, einem jüdischen Israeli aus Tel Aviv, bereitet Swidan die Gründer vor, hilft ihnen bei Geschäftsplänen und der Suche nach Investoren: „Wir verknüpfen unsere Gründer mit dem Start-up-Ökosystem in Tel Aviv – fast alles passiert dort.“ Dabei ginge es nicht um Wohltätigkeit, sondern darum die Gründer zu befähigen und ihre Unternehmen profitabel zu machen, so die beiden Manager.

Die beiden sind ein besonderes Zweier-Team – denn in Israel leben jüdische und arabische Bürger meist getrennt voneinander. Es sei schwierig Teil des Ökosystems zu werden, wenn man beispielsweise in Nazareth lebe, meint Swidan: „Das wollen wir ändern.“ Er glaubt daran, dass das Programm langfristig auch soziale Auswirkungen haben wird: „Es ist wichtig für die arabische Gemeinschaft, neue Jobs zu schaffen und den Lebensstandard zu heben, der oft niedriger als der Durchschnitt ist.“ Vielleicht lassen sich so auch die Spannungen zwischen beiden Bevölkerungsgruppen mildern.

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