Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Server

Brainloop und Diligent wollen gemeinsam Firmen-IT absichern.

(Foto: mauritius images)

IT-Spezialist Brainloop Der Geheimnisträger der deutschen Wirtschaft wird verkauft

Brainloop ermöglicht Konzernen geheimen Informationsaustausch. Nach dem Verkauf in die USA beschwichtigen die Beteiligten die aufgeregte Kundschaft.
Kommentieren

München, BerlinEs ist der geheime Datenraum der deutschen Wirtschaft. Mehr als zwei Drittel der Dax-Konzerne nutzen die Sicherheitssoftware von Brainloop. Der IT-Spezialist stellt sichere Datenräume und -kanäle zur Verfügung, zum Beispiel für die vertrauliche Kommunikation zwischen Vorstand und Aufsichtsrat oder bei der Prüfung der Bücher bei Übernahmen.

Auch Abstimmungen und der Austausch von Dokumenten sind mit der Software möglich. Auf der Kundenliste stehen Allianz, Bayer oder die Kanzlei CMS.

So gab es Unruhe, als vor Wochen durchsickerte, Brainloop solle in die USA verkauft werden. Das transatlantische Verhältnis ist angeschlagen, das Thema Datenschutz heikel angesichts der Diskussionen über Übergriffigkeiten von US-Behörden und IT-Konzernen. Doch aus dem Gerücht wird nun Gewissheit. Der US-Konkurrent Diligent übernimmt den deutschen Marktführer, der 2016 gerade einmal 20,4 Millionen Euro umsetze, zu einem ungenannten Kaufpreis.

In den zuletzt vorgelegten Jahresberichten erwies sich die Münchener Aktiengesellschaft als eher ertragsschwach. 2016 verdiente sie unterm Strich nur 2,7 Millionen Euro, im Jahr zuvor erlitt Brainloop einen Verlust von 5,7 Millionen Euro.

Die im April 2000 gegründete Gesellschaft unterhält Tochterfirmen in Großbritannien, Frankreich, der Schweiz und in Österreich. Bislang gehörte sie den Investmentgesellschaften Inventment (48,5 Prozent) und Baytech Venture Capital (18,2 Prozent) sowie zahlreichen Einzelinvestoren, unter ihnen auch Firmenvorstand Thomas Deutschmann, 61, der zuletzt ein Prozent der Anteile hielt.

Bundesregierung hält sich zurück

„An der Datensicherheit ändert sich überhaupt nichts“, beschwichtigt Diligent-Chef Brian Stafford nun gegenüber dem Handelsblatt. Die Daten-Center blieben in Deutschland, schon aus Eigeninteresse werde man daran nichts ändern. Vertrauen sei „unser größtes Kapital“.

Grundsätzlich hat die Bundesregierung die Möglichkeit, bei Übernahmen aus dem Ausland einzuschreiten, wenn es Bedenken bezüglich der deutschen Sicherheit und Ordnung hat. Das ist laut Außenwirtschaftsverordnung auch dann der Fall, wenn die für das Cloud-Computing genutzten Infrastrukturen eine bestimmte Schwelle überschreiten.

Auf die Nachfrage, ob die Bundesregierung die Übernahme von Brainloop durch Diligent prüfe, wollte sich das Wirtschaftsministerium nicht äußern. Doch die Bundesregierung geht mit dem Instrument der Untersagung zurückhaltend um. In der Diskussion stehen derzeit vor allem Übernahmeversuche durch chinesische Investoren.

Brainloop werde weiterhin als selbstständiges Unternehmen für seine Kunden tätig sein, hieß es bei Verkündung der Übernahme am Donnerstag. Während finanzielle Details geheim blieben, wurde bekannt, dass Spitzberg Partners den Käufer Diligent strategisch beriet.

Brainloop-Chef Deutschmann versicherte gegenüber dem Handelsblatt: „Die Daten unserer Kunden werden eher noch sicherer.“ Gemeinsam könne man die Sicherheitstechnologien weiterentwickeln. Im Übrigen könne nicht einmal Brainloop selbst die verschlüsselten, vertraulichen Daten der Kunden lesen. „Um die Daten zu entschlüsseln, bräuchten alle Rechner dieser Welt zusammen 500 Jahre.“

Fordernde Kunden

Brainloop und Diligent seien den europäischen Datenschutzgesetzen verpflichtet, würden diese „allumfassend anwenden“ und sämtliche vertraglichen Vereinbarungen erfüllen, betonte Deutschmann. „Unsere Kunden haben auch in Zukunft uneingeschränkte Kontrolle darüber, wer Zugang zu ihren Daten erhält und wer nicht.“

Die deutschen Kunden werden sehr genau hinsehen. Philipp Schultheiß, Leiter Vorstandsstab bei der BBBank, nennt zwei Voraussetzungen als ausschlaggebend für die Geschäftsbeziehung: „die durchgängige Verschlüsselung der Daten und der Serverstandort Deutschland“.

Deutschmann wies bereits vor dem Deal in einem Blog auf die drohenden Auswirkungen des sogenannten „Cloud Acts“ hin. Das Gesetz war im Frühjahr von der US-Regierung beschlossen worden. Dieses sehe vor, dass in Zukunft US-Anbieter Daten auf Servern in anderen Ländern herausgeben müssen, wenn es sich um Daten von US-Bürgern handelt.

„Dies ist ein weiteres Beispiel einer schrittweisen Aufweichung der regionalen Datensouveränität“, schrieb Deutschmann, „basierend auf einem grundsätzlich anderen kulturellen Verständnis von IT-Sicherheit und Datenschutz.“

Deutschmann sieht durch die Allianz mit Diligent nun die Chance, das Geschäft außerhalb Europas auszurollen. „Wir haben über die Jahre mehrere strategische Optionen geprüft, und dieser Weg ist für alle Beteiligten die beste Lösung.“ Die transatlantischen Spannungen hätten keine Auswirkungen. „Es ist schwer vorstellbar, dass der Software-Markt renationalisiert wird.“

Diligent sieht sich mit einem Umsatz von mehr als 200 Millionen Dollar als Weltmarktführer, ist im Produktportfolio aber nicht so breit aufgestellt wie Brainloop. Die Amerikaner sind auf Abstimmungen von Aufsichtsräten und Vorständen spezialisiert. Der Bedarf bei den Unternehmen wachse.

Noch tauschten viele Firmen vertrauliche Informationen per E-Mail aus, sagte Stafford. Durch Berichte über gehackte E-Mail-Konten sei das Problembewusstsein aber gestiegen. „Das ist ein Milliardenmarkt, und er wächst prozentual zweistellig.“ Gemeinsam könnten Brainloop und Diligent stärker auftreten. „Der Software-Markt ist seit jeher international, und Skaleneffekte spielen eine große Rolle.“

Der Markt werde bislang neben dem Marktführer Diligent von vielen kleinen, teilweise lokalen Anbietern besetzt, sagte Monica Basso, Expertin bei der Technologieberatung Gartner. Inzwischen drängten auch Anbieter wie Dropbox und Office 365 ins Geschäft, die Plattformen für den Austausch von Inhalten anbieten. Eine Herausforderung seien zudem Firmen mit einfacheren, kostengünstigen Angeboten.

Weitere Übernahmen

Bis 2020 dürften in den reiferen Märkten 80 Prozent der großen und mittleren Firmen mindestens eine Plattform für den Austausch einsetzen, schätzen die Experten von Gartner. In Europa setzt Diligent dabei auf die Brainloop-Basis.

Diligent habe kein Interesse, etwas an der technologischen Aufstellung und der Absicherung der Daten bei Brainloop zu ändern, ist Gartner-Expertin Basso überzeugt. Andernfalls würden die Kunden abwandern.

Derzeit bemüht sich Brainloop, Sorgen bei den Firmen zu zerstreuen. „Wir sprechen mit allen Kunden und beantworten ihre Fragen“, sagte Deutschmann. Stafford ist zuversichtlich, dass die beiden Unternehmen nun im Verbund ihr Wachstum noch beschleunigen.

Dabei könnte Brainloop nicht die letzte Akquisition gewesen sein. „Wir sind offen für Akquisitionen, wenn wir an einem Team oder einer Technologie interessiert sind.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: IT-Spezialist Brainloop - Der Geheimnisträger der deutschen Wirtschaft wird verkauft

0 Kommentare zu "IT-Spezialist Brainloop: Der Geheimnisträger der deutschen Wirtschaft wird verkauft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote