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Journalistenpreis Das sind die Preisträger des Georg von Holtzbrinck Preises für Wirtschaftspublizistik

Am Dienstagabend wären die renommierten Journalistenpreise bei einer Gala verliehen worden – doch die musste wegen der Pandemie ausfallen und wird 2021 nachgeholt.
23.11.2020 - 19:00 Uhr Kommentieren
Eigentlich wären die Gewinner des Georg-von-Holtzbrinck-Preises für Wirtschaftspublizistik am Dienstagabend im 49. Stock der Commerzbank-Zentrale ausgezeichnet worden. Wegen der Pandemie fällt die Veranstaltung aus. Quelle: The Climate Reality Project/Unsplash
Preisverleihung

Eigentlich wären die Gewinner des Georg-von-Holtzbrinck-Preises für Wirtschaftspublizistik am Dienstagabend im 49. Stock der Commerzbank-Zentrale ausgezeichnet worden. Wegen der Pandemie fällt die Veranstaltung aus.

Düsseldorf Eigentlich wären die Gewinner des Georg von Holtzbrinck Preises für Wirtschaftspublizistik am Dienstagabend im 49. Stock der Commerzbank-Zentrale ausgezeichnet worden. Mit atemberaubendem Blick über die Frankfurter Bankentürme hätten sich dort rund 100 Gäste mit den ausgezeichneten Journalisten gefreut. Inmitten des zweiten Lockdowns muss das ausfallen.

Auch die Jury, die stets im Herbst in der Düsseldorfer Verlagszentrale zusammenkommt, um über die Sieger zu diskutieren, ging diesmal gänzlich anders vor: Statt die eingereichten Manuskripte über die Tische zu schieben und nach intensiver Diskussion Punkte zu vergeben, musste das Votum per Videokonferenz übermittelt werden.

Was geblieben ist: Auch in diesem Jahr haben sich Journalisten aus allen Teilen der Republik mit ihren Reportagen, Analysen, Porträts und Fernsehbeiträgen um die renommierte Auszeichnung beworben. Die eingereichten Arbeiten zeigen, wofür Journalismus in Deutschland stehen kann: für kritisches Hinterfragen von Wirtschaft und Politik, für das Aufzeigen von gesellschaftlichen Missständen – gerade in Krisenzeiten ist das besonders wichtig.

„2020 war kein einfaches Jahr für den Journalismus“, sagt die Juryvorsitzende Miriam Meckel. „In die Welt gehen, recherchieren, was geschieht, und darüber berichten – das ist unsere Hauptaufgabe.“ Corona habe das nicht leicht gemacht.

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    Umso erfreuter ist Meckel, dass es auch in diesem Jahr wieder journalistische Glanzleistungen gebe. „Sie sind unter besonderen Bedingungen entstanden und haben deshalb auch eine besondere Ehrung verdient“, so die Gründungsverlegerin von ada, der Plattform für das digitale Leben und die Wirtschaft der Zukunft.

    Wenn Journalistenpreise verliehen werden, geht es vordergründig um die Qualität der Beiträge. Zugleich spiegeln solche Auszeichnungen auch die Themen wider, die Teil der öffentlichen Debatte sind. Die Gewinnerbeiträge handeln von ernsten Themen: Es geht darum, wie teuer ein lebensrettendes Medikament sein darf. Um den Konflikt zwischen denen, die Bauland suchen, und jenen, die daran verdienen. Und um den kriminellen Missbrauch von Kryptowährungen.

    Die Verleihung des Georg von Holtzbrinck Preises gibt auch Anlass zur Reflexion: Die Jury ist in Sorge, ob es auch in den kommenden Jahren noch derart hochwertige Einreichungen geben wird. Denn nicht nur die Branchen, über die Zeitungen und Zeitschriften berichten, sind von der Pandemie getroffen. Der Journalismus selbst ist es auch.

    Das mag auch ein Grund sein, warum es in diesem Jahr für die Kategorie Multimedia-Speziale nur sehr wenige Bewerbungen gab. Solche interaktiven Geschichten sind oft aufwendig produziert – das kostet Zeit und Geld. Wegen der geringen Zahl an Zusendungen hat sich die Jury entschieden, in diesem Jahr keinen Preis in dieser Kategorie zu verleihen.

    Die Gewinner der anderen Kategorien haben ihre Glückwünsche bereits telefonisch erhalten. Auf die feierliche Gala im Commerzbank-Hochhaus müssen sie nicht verzichten. Diese soll, sofern es die Pandemie zulässt, im kommenden Herbst nachgeholt werden – gemeinsam mit den Preisträgern des nächsten Jahres.

    Und das sind die diesjährigen Gewinner:

    Kategorie: Text

    Siegerin in der Kategorie Text. Quelle: Tinka Dietz
    Astrid Viciano

    Siegerin in der Kategorie Text.

    (Foto: Tinka Dietz)

    „Der Wert des Lebens“ – so heißt die Reportage aus der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), die der Jury in der Kategorie Text am besten gefallen hat. Die Autoren Astrid Viciano, 47, und Michele Catanzaro, 41, hinterfragen darin, wie teuer ein Medikament sein darf, und suchen Antworten, was ein Menschenleben wert ist. Konkret geht es um den Wirkstoff Zolgensma des Pharmaherstellers Novartis. 2,1 Millionen Dollar kostet eine einzige Spritze.

    „Die Recherche im Spannungsfeld zwischen Medizin, Ethik und Wirtschaft war faszinierend und besorgniserregend zugleich“, sagt Viciano. Drei Monate arbeiteten die beiden Journalisten an dem Artikel, sprachen mit Betroffenen, hinterfragten, wie sich der Preis eines Medikaments zusammensetzt.

    Sieger in der Kategorie Text. Quelle: Gianluca Battista
    Michele Catanzaro

    Sieger in der Kategorie Text.

    (Foto: Gianluca Battista)

    Die Deutschspanierin Viciano ist promovierte Medizinerin und hat sich auf grenzübergreifende Recherchen spezialisiert. Sie arbeitete bei der „Zeit“, beim „Stern“ und zuletzt für die SZ, machte sich dann selbstständig – „um abseits des hektischen Redaktionsalltags mehr solcher tief greifenden Recherchen machen zu können“. Schon für frühere Texte arbeitete sie mit ihrem Kollegen Catanzaro, einem promovierten Physiker, zusammen. Der gebürtige Italiener arbeitet als Wissenschaftsjournalist in Spanien.

    Jochen Wegner, Chefredakteur der Onlineausgabe der „Zeit“, lobt die Autoren in seiner Laudatio: „Sie beleuchten immer neue Aspekte des Themas, zeigen ihren Lesern mit anschaulichen Grafiken, wie die Preisfindung funktioniert, und weisen auf eine Regulierungslücke in Europa hin, die Herstellern bei Medikamenten wie Zolgensma wohl zu viel Freiraum lässt.“

    Kategorie: Audiovisuell

    Sieger in der Kategorie Audiovisuell. Quelle: privat
    Claus Hanischdörfer

    Sieger in der Kategorie Audiovisuell.

    (Foto: privat)

    Die Idee zum Film kam Claus Hanischdörfer, 54, beim Inlineskaten um den Bodensee. An vielen Stellen hatte er kaum Sicht auf das Wasser, weil das Ufer mit Häusern verbaut ist. Er fragte sich: Wem gehört der Grund? Und wie viel kostet er? Antworten gibt seine 45-minütige ARD-Dokumentation „Goldgrube Bauland – das große Geschäft mit Grund und Boden“.

    Hanischdörfer dokumentiert darin eine erschreckende Preisentwicklung. Beispiel München: Wer dort 1950 ein Eigenheim baute, zahlte 1,4 Prozent des Hauspreises für das Land. Heute sind es 79 Prozent. Zahlen, die die Gesellschaft spalten können: Auf der einen Seite die Eigentümer, die Geld verdienen wollen. Auf der anderen jene, die den Boden dringend für ihr Eigenheim benötigen.

    Ein halbes Jahr recherchierte Hanischdörfer, in 15 Drehtagen hielt er seine Erkenntnisse in Bildern fest. Zu Wort kommt auch der frühere Oberbürgermeister von München, Hans-Jochen Vogel. Der im Sommer verstorbene SPD-Politiker hatte zu Lebzeiten immer wieder gefordert, dass Bauland zum Eigentum der Gemeinde gehören müsse. „Ich bin ein wenig stolz, dass ich Vogels Vermächtnis festhalten konnte“, so Hanischdörfer.

    Der Mitarbeiter des Südwestrundfunks (SWR) realisiert seit 20 Jahren immer wieder gesellschaftlich relevante Themen. Mit Erfolg, findet Thomas Bellut, Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens. „Es ist eine der großen Stärken des Films, dass er es nicht bei der Beschreibung des Konfliktes als Dilemma belässt. Er zeigt zahlreiche alternative Lösungsansätze.“


    Ferdinand-Simoneit-Nachwuchspreis

    Siegerin des Ferdinand-Simoneit-Nachwuchspreises. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
    Mareike Müller

    Siegerin des Ferdinand-Simoneit-Nachwuchspreises.

    (Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

    Die Freude am Telefonhörer war groß, als Mareike Müller von der Jury über die Auszeichnung informiert wurde. Die 29-Jährige hat zum ersten Mal einen Journalistenpreis gewonnen – für ihre Reportage „Gramowskis Maschinen“. Müller ist Finanzredakteurin beim Handelsblatt, hat den Artikel allerdings während einer Hospitanz bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ recherchiert.

    Darin geht es um die Kryptowährung Bitcoin. Müller fielen in Einkaufszentren, Spielhallen und Tattoo-Studios Geldautomaten auf, an denen sich Bargeld anonym in Bitcoin und wieder zurück wechseln lässt. Die Reportage zeigt: Diese Automaten erleichtern kriminelle Finanzgeschäfte.

    Ihre Recherche führte Müller bis nach Polen – zu einem Herrn Gramowski, der diese Automaten aufstellt. „Ich versuche, wirtschaftliche Themen immer möglichst anschaulich zu erklären. Mit den Krypto-Automaten war das besonders gut möglich“, sagt Müller.

    Giovanni Liverani, Vorstandschef der Generali in Deutschland, lobt: „Mareike Müller hat in besonderer Weise die notwendige distanzierte Haltung eingenommen und ausgewogen und neutral, aber vor allem sehr spannend berichtet.“

    Müller arbeitete vor ihrer Zeit beim Handelsblatt bei den Vereinten Nationen in Paris, wechselte 2019 in den Journalismus. Sie sagt: „Die Auszeichnung gibt mir das tolle Gefühl, die richtige Berufsentscheidung getroffen zu haben.“

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