Kabelnetzbetreiber Tele Columbus krallt sich Primacom

Der deutsche Markt der Kabelnetzbetreiber ist um einen Anbieter ärmer. Tele Columbus hat Primacom für über 700 Millionen Euro übernommen. Damit steigt Tele Columbus zur Nummer Drei im deutschen Kabelmarkt auf.
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Der Kabelnetzbetreiber steigt nach der Übernahme des Konkurrenten Primacom zur deutschen Nummer Drei auf. Quelle: www.telecolumbus.com
Tele Columbus

Der Kabelnetzbetreiber steigt nach der Übernahme des Konkurrenten Primacom zur deutschen Nummer Drei auf.

(Foto: www.telecolumbus.com)

Berlin/FrankfurtDer drittgrößte und der viertgrößte Kabelnetzbetreiber in Deutschland schließen sich zusammen. Die Nummer drei, die seit einem halben Jahr börsennotierte Tele Columbus, schluckt die kleinere Primacom für 711 Millionen Euro, wie der Käufer in der Nacht zum Donnerstag mitteilte. Beide Unternehmen sind vor allem im Osten Deutschlands stark. Durch den Zusammenschluss entstehe eine „starke Nummer drei“ auf dem deutschen Kabelmarkt, erklärte Tele-Columbus-Chef Ronny Verhelst. Die Konkurrenten Kabel Deutschland und Unitymedia, die sich die Netze im Westen Deutschlands fast komplett aufgeteilt haben, sind allerdings deutlich größer.

Tele Columbus und Primacom kommen zusammen auf rund 2,8 Millionen angeschlossene Haushalte und erreichten 2014 einen Umsatz von 345 Millionen Euro. Die operativen Gewinne (Ebitda) lagen bei 99 Millionen (Tele Columbus) und 55 Millionen Euro (Primacom). „Die Kombination von Primacom und Tele Columbus bildet eine hervorragende Ausgangslage für den zukünftigen Wettbewerb mit den globalen Medien- und Telekommunikationskonzernen“, sagte Primacom-Chef Joachim Grendel.

Der Kaufpreis für Primacom ist fast hoch wie der Börsenwert der größeren Tele Columbus: Diese hatte im Januar als erstes deutsches Unternehmen in diesem Jahr den Sprung an die Börse geschafft. Zuletzt war die im Kleinwerteindex SDax gelistete Tele Columbus an der Börse 716 Millionen Euro wert. Finanzieren kann Tele Columbus die Übernahme zur Hälfte aus den Einnahmen von rund 370 Millionen Euro aus dem Börsengang. Dazu kämen besicherte und nachrangige Bankkredite und eine Brückenfinanzierung über 125 Millionen Euro, erklärte das Unternehmen.

Diese Übernahmen scheiterten spektakulär
Bank of Scotland - National Westminster Bank 1999
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NatWest-Vorstandsvorsitzender Sir David Rowland (r.) im Jahr 1999: Die National Westminster Bank (NatWest), eine der größten britischen Banken, hat 1999 nach zweieinhalb Monaten den Kampf um ihre Unabhängigkeit verloren. Bieter waren die Royal Bank of Scotland und der Konkurrent Bank of Scotland. Die Bank of Scotland bot 41,74 Milliarden Dollar – zu wenig für die NatWest. Den Übernahmekampf hat die RBS gewonnen.

Quelle: Dealogic

France Telecom - TeliaSonera 2008
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France Telecom-Chef Stephane Richard auf einer Konferenz 2015: Vor sieben Jahren erhoffte sich France Telecom, mit der Übernahme des schwedisch-finnischen Konkurrenten TeliaSonera zum viertgrößten Telekommunikationskonzern der Welt aufzusteigen. Doch beide Konzerne konnten sich auf kein passendes Angebot einigen. Die Franzosen wollten den Konkurrenten für 41,78 Milliarden Dollar kaufen.

Bell Atlantic - Airtouch 1999
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Bell-Atlantic-Chef (l., hier mit GTE-Chef Charles R. Lee) auf einer Pressekonferenz 1998: Um die amerikanische Telekommunikationsfirma AirTouch Communications war im Jahr 1999 offenbar ein Übernahmekampf entbrannt. Obwohl die geplante Übernahme des Telefonkonzerns GTE noch nicht perfekt war, wollte Bell Atlantic den Mobilfunkanbieter kaufen – für 44,05 Milliarden Dollar. Doch zur Übernahme kam es dann doch nicht. Als Grund nannte Bell Atlantic die anstehende Fusion von Airtouch mit dem britischen Mobilfunkunternehmen Vodafone.

General Electric - Honeywell 2000
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General-Electric-Chef Jeffrey R. Immelt spricht vor Mitarbeitern im Jahr 2014: Zunächst schien der umfangreichsten Fusion der Welt im Jahr 2000 nichts im Weg zu stehen. General Electric hat die Bieterschlacht um Honeywell International gewonnen. Die Übernahme kostete General Electric (GE) 44,16 Milliarden Dollar. Doch die EU-Kommission hat die Übernahmeofferte des US-Mischkonzerns General Electric für den Technologieriesen Honeywell kurz darauf abgelehnt. Die Fusion würde für GE eine marktbeherrschende Stellung in der Luftfahrtindustrie schaffen oder verstärken, war die Begründung der Kommission damals.

Comcast - Time Warner Cable 2014
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Ein Fahrzeug von Comcast: Es sollte die Mega-Hochzeit im US-Fernsehmarkt werden. Comcast, der größte Kabelfernseh-Anbieter in den USA, wollte die Nummer zwei, Time Warner Cable, übernehmen. Mitte April 2015 ist der Deal (45,25 Milliarden Dollar) geplatzt. Wettbewerbshüter und Regierung senkten die Daumen. Sie fürchteten eine zu große Marktmacht des neuen Konzerns.

Microsoft - Yahoo 2008
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Microsoft-Chef Satya Nadella im Jahr 2014: Nach einem drei Monate langen Tauziehen hat der Softwareriese Microsoft 2008 sein milliardenschweres Übernahmeangebot für den Internet-Konzern Yahoo zurückgezogen. Beide Seiten konnten sich nicht auf einen Kaufpreis einigen. Nachdem Microsoft das Angebot von 47,48 Milliarden Dollar zum zweiten Mal verbessert hatte, war Yahoo damit nicht zufrieden. Yahoo lehnte das Microsoft-Angebot ab und verlangte weit mehr als 50 Milliarden Dollar.

Comcast- Mediaone 1999
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Mediaone-Chef Charles M. Lillis (l.) und Comcast-Chef Brian Roberts bei einer Pressekonferenz im Jahr 1999: Es hätte wieder eine Elefantenhochzeit gegeben – eine rein US-amerikanische. Comcast hatte 48,65 Milliarden Dollar in Aktien für die Mediaone Group angeboten und damit den Kürzeren gezogen. Mediaone Group hat das Übernahmeangebot des größten US-Telefonkonzerns AT&T akzeptiert.

Das Kartellamt müsse der Übernahme nicht zustimmen. Sie könne daher schon Ende des Monats perfekt gemacht werden, teilte der Käufer mit. Noch vor zwei Jahren hatten die Wettbewerbshüter Kabel Deutschland den Kauf von Tele Columbus untersagt.

Primacom und Tele Columbus haben eine gemeinsame Geschichte: Der Finanzinvestor Orion/Escaline war gleichzeitig an beiden Unternehmen beteiligt, zeitweise wurden beide von den gleichen Managern geführt. 2009 musste Orion/Escaline allerdings jeweils den Schlüssel an die Gläubiger abgeben, weil der Finanzinvestor Primacom und Tele Columbus zu viele Schulden aufgeladen hatte. Die ehemals selbst börsennotierte Primacom musste 2010 sogar Insolvenz anmelden. Seither waren mehrere Anläufe zu einer Fusion - unter unterschiedlichen Vorzeichen – gescheitert.

  • dpa
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