Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

KI im Krankenhaus Wie der Essener Radiologe Felix Nensa mit KI die Diagnostik verändert

Das Uniklinikum Essen will Vorreiter in Sachen Smart Hospital werden. Den Weg dorthin bereitet der 38-jährige Radiologe und IT-Spezialist Felix Nensa.
Kommentieren
Der Radiologe bringt Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen in Kliniken. Quelle: Universitätsklinik Essen/Detlef Kittel
Felix Nensa

Der Radiologe bringt Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen in Kliniken.

(Foto: Universitätsklinik Essen/Detlef Kittel)

EssenAm Wochenende hat er im Uniklinikum Essen noch in der Radiologie Dienst geschoben, als Oberarzt Dr. Felix Nensa im weißen Kittel. Jetzt sitzt der 38-Jährige in Jeans und Kapuzenpulli vor seinem PC im Essener Giradethaus, einem Dienstleistungs- und Bürozentrum auf dem Gelände einer der einst größten Druckereien Deutschlands. Dahin ist Nensa mit seiner Arbeitsgruppe für Künstliche Intelligenz (KI) ausgezogen, weil der Campus der Uniklinik aus allen Nähten platzt.

Felix Nensa ist Mediziner und IT-Spezialist, ein Digital Native, der schon während seiner Unizeit eine IT-Firma mitgründete. Heute leitet er die Arbeitsgruppe KI für das Uniklinikum Essen. Sie soll eine Datenplattform aufbauen, auf der alle Informationen über Patienten zusammengeführt werden. Und sie soll den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen im Klinikum vorantreiben.

Uniklinikum Essen will Vorreiter sein

Das Uniklinikum Essen will in Sachen Smart Hospital Vorreiter in Deutschland sein. Klinikchef Jochen Werner drückt dabei aufs Tempo. Die „Smart Hospital Information Platform“, ein Gemeinschaftsprojekt von Radiologie, Nuklearmedizin und Zentraler Informationstechnik, soll im nächsten Jahr an den Start gehen.

„Eine solche Plattform ist kein einfaches Unterfangen, denn in einem Krankenhaus sind IT-Strukturen nicht systematisch geplant worden, sondern über Jahre Bereich für Bereich entstanden“, sagt Nensa. Es gibt Daten von Patienten aus der Aufnahme über das Labor bis zur Radiologie, und die müssen nun zusammengeführt und strukturiert werden. Jeder Patient bekommt eine Identifikationsnummer – Ziel ist es, dass die Patientendaten überall, wo sie auftauchen, auf die ID des Patienten verweisen.

Bei mehr als 300.000 ambulanten und stationären Patienten im Jahr ist das ein großes Projekt. Es muss erarbeitet werden, wer auf welche Patientendaten zugreifen darf. In einer weiteren Ausbaustufe kann sich Nensa dann Apps auf der Plattform vorstellen: Programme, mit denen Ärzte ihre Patienten nach deren Entlassung überwachen können – etwa eine Gewichts-App, die das Entstehen von gefährlichen Wassereinlagerungen von Patienten mit Nierenerkrankungen anzeigen kann.

Neben diesen Aufgaben einer technischen Infrastruktur entwickelt Nensa Programme, mit denen die bildgebende Diagnostik verbessert werden kann, beispielsweise zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Die Forscher haben zudem auch eine Software zur Frühdiagnose seltener Lungenfibrosen entwickelt.

Für solche innovativen Projekte ist Nensa von der Fachzeitung „Krankenhausmanagement“ des Thieme Verlags als „Senkrechtstarter“ ausgezeichnet worden. Für die achtköpfige Jury aus Medizinern und Branchenexperten zählt der junge Oberarzt zu den wichtigsten Wegbereitern des Einsatzes von KI im deutschen Gesundheitswesen.

Interdisziplinarität macht Nensa Spaß

Klinikchef Werner findet Mitarbeiter wie Felix Nensa auch deshalb wichtig, weil sie durch ihre Kompetenz neue qualifizierte Mitarbeiter anziehen, die das Klinikum braucht. Denn es sei ganz schwierig, gutes Personal für IT und die IT-nahen ‧Bereiche zu finden. „Herr Nensa und sein Team bringen das Klinikum einen deutlichen Schritt voran“, sagt Werner.

Dass KI auch in der Medizin ein großes Thema ist, kommt Nensas Passion entgegen. Was ihn am Hype aber stört, ist, dass maschinelles Lernen als Antwort auf alle Probleme gehandelt wird. Er fragt andersherum: „Ich habe ein klinisches Problem und schaue, welches das beste Werkzeug ist, mit dem ich es lösen kann. Das kann, aber das muss nicht maschinelles Lernen sein.“

Für die Radiologie hat er sich entschieden, weil er dort interdisziplinär arbeiten kann und die Offenheit und das Verständnis für die IT groß sind. „Ich will die Medizin besser machen und dabei auch noch ein bisschen Spaß haben“, sagt er.

Doch bei allem Faible für Technik und Daten legt der Vater eines einjährigen Kindes Wert darauf, die Menschen nicht aus dem Auge zu verlieren. Auch deshalb übernimmt er immer wieder gerne Dienste in der Radiologie im Krankenhaus. „Mir ist es wichtig, nicht den Kontakt zu den Patienten zu verlieren. Das kann bei meinem jetzigen Aufgabengebiet schnell passieren“, sagt er.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: KI im Krankenhaus - Wie der Essener Radiologe Felix Nensa mit KI die Diagnostik verändert

0 Kommentare zu "KI im Krankenhaus: Wie der Essener Radiologe Felix Nensa mit KI die Diagnostik verändert"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.