Kino-Blockbuster Sprengstoff aus Hollywood

Bei den Golden Globes feiert Hollywood das Rekordjahr 2015. Doch diesen Erfolg verdanken die Studios nur einigen wenigen Mega-Blockbustern. Mit den immer höheren Budgets steigt auch das Flop-Risiko.
Die Sternen-Saga hat Hollywood zu einem Rekordjahr verholfen. Quelle: ap
„Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Die Sternen-Saga hat Hollywood zu einem Rekordjahr verholfen.

(Foto: ap)

HollywoodWenn sich die Stars der Filmbranche am Sonntagabend zur Verleihung der Golden Globes in Hollywood trifft, gibt es reichlich Grund, sich selbst zu feiern.2015 war für die Studios eines der wirtschaftlich erfolgreichsten der Geschichte, zumindest an der Kinokasse. Allein in Nordamerika wurden im Kartenverkauf 11,1 Milliarden Dollar umgesetzt, ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein neuer Allzeit-Rekord.

Doch für diese Zahlen sorgen nur eine Handvoll Mega-Filme wie der neue „Star Wars“ oder die Neuauflage von „Jurassic Park“. Den Sprung über die Marke von 100 Millionen Dollar schafften nur 22 Filme, wie der Marktforscher Rentrak ermittelt hat, so wenige wie seit Jahren nicht mehr.

Die Traumfabrik Hollywood wäre ohne den Blockbuster heute undenkbar. Große Studios wie Warner Bros. und Sony pumpen Millionen in einige wenige Projekte, die im großen Stil entwickelt und vermarktet werden. Statt Ressourcen gleichmäßig zu verteilen, wetten sie auf einzelne Hits für die Massen und geben für zweit- oder drittklassige Filme deutlich weniger aus. Es ist der „sicherste Weg für bleibenden Erfolg im Showbusiness“, schreibt Anita Elberse in „Blockbusters: Why Big Hits – and Big Risks – are the Future of the Entertainment Business.“

Ein Beispiel: 2010 veröffentlichte Warner Bros. 22 Filme. Von den 1,5 Milliarden Dollar (1,38 Milliarden Euro) Produktionskosten entfiel rund ein Drittel auf nur drei Streifen: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1“ (rund 250 Millionen Dollar), „Inception“ (rund 175 Millionen Dollar) und „Kampf der Titanen“ (rund 125 Millionen Dollar). Weitere 100 Millionen Dollar wurden für „Sex and the City 2“ verbraten. Vier, fünf Filme bekommen in dem Studio dank satter Geldspritzen jedes Jahr die Chance, die Umsatzmarke von einer Milliarde Dollar zu knacken, schreibt Elberse unter Berufung auf einen Warner Bros.-Vorsitzenden.

Das war das Kinojahr 2015
„Fack Ju Göhte 2“
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Dieser Film dominiert das zurückliegende Kinojahr ganz klar: Die Schulkomödie „Fack Ju Göhte 2“ mit Elyas M'Barek und Karoline Herfurth brach zahlreiche Rekorde und zog innerhalb weniger Wochen mehrere Millionen Menschen ins Kino. Doch das war natürlich längst nicht alles - über die Sadomaso-Romanze „Fifty Shades of Grey“ etwa erhitzen sich die Gemüter, das Actionspektakel „Jurassic World“ holte weltweit so viele Zuschauer in die Kinos wie kaum ein anderer Film bisher, und im Dezember machte sich „Star Wars“ auf Rekordjagd.

Drohungen
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So etwas gab es in der Filmgeschichte wohl noch nie: Eine eher klamaukige Komödie führt zu politischen Spannungen und beherrscht damit tagelang die internationalen Nachrichten. Der Medienkonzern Sony zog schließlich die Reißleine und stoppte den geplanten US-Start der Satire „The Interview“, der von einem fiktiven Attentat auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un erzählt. Angeblich hatte es Terrordrohungen aus Pjöngjang gegeben. Die Aufregung legte sich aber bald wieder, und in Deutschland kam der Film mit James Franco und Seth Rogen dann wie geplant in die Kinos.

Erotik
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Auch „Fifty Shades of Grey“ sorgte für einigen Wirbel, war es doch die erste, langerwartete Verfilmung der weltweiten Bestseller-Reihe mit einigen Sexszenen. Eine junge, naive, bildschöne Frau trifft da auf einen emotionskalten, erfolgreichen Geschäftsmann, der auf Sadomaso-Praktiken steht. Trotz aller Klischees und der überraschend wenigen SM-Sequenzen entwickelte sich das Werk schnell zum Publikumserfolg mit über vier Millionen Zuschauern allein in Deutschland - und machte die laszive Hauptdarstellerin Dakota Johnson (Tochter von Melanie Griffith und Don Johnson) quasi über Nacht zum Star.

Kinder
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Kleine gelbe Wesen bevölkerten als „Minions“ die Leinwände und eroberten nicht nur die Herzen der Kinder. Schließlich verbreiten sie überall ein herrliches Chaos, plappern in einem überdrehten Kauderwelsch und sehen bei all dem auch äußerst putzig aus - damit stand der 3D-Animationsfilm wochenlang auf Platz eins der Kinocharts. Auch andere Geschichten feierten vor allem bei den Jüngeren große Erfolge, so etwa die britischen Knetfiguren um „Shaun das Schaf“ und der Pixarfilm „Alles steht Kopf“ mit der wunderbaren Innenansicht aus dem Kopf eines Mädchens.

Oscars
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Gleich vier Oscars gingen an die Hollywoodsatire „Birdman oder Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit“ von Regisseur Alejandro G. Iñárritu, darunter der Preis für den besten Film. Auch Wes Andersons Groteske „Grand Budapest Hotel“, eine deutsche Ko-Produktion, heimste vier Oscars ein - jedoch in Nebenkategorien. Als beste Hauptdarsteller konnten der Brite Eddie Redmayne (für seine Darstellung des Physikers Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“) und die Amerikanerin Julianne Moore (für das Alzheimer-Drama „Still Alice - Mein Leben ohne Gestern“) jubeln.

Deutschland
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Für Erfolge in Deutschland sorgten vor allem mehrere Männer: Matthias Schweighöfer führte bei „Der Nanny“ einmal mehr Regie und gab darin auch gleich noch einen fiesen Berliner Baulöwen, der seine Kinder von einem Nanny (Milan Peschel) beaufsichtigen lässt. David Wnendt verfilmte einen Bestseller und feierte mit der Hitlersatire „Er ist wieder da“ einen Publikumserfolg. Til Schweiger zeigte in „Honig im Kopf“ Dieter Hallervorden als Alzheimerkranken und zog damit mehr als 7 Millionen Zuschauer an, wofür es im Juni den Deutschen Filmpreis für den „besucherstärksten Film des Jahres“ gab. Und bei der Gala gewann der Echtzeit-Thriller „Victoria“ von Sebastian Schipper die Goldene Lola als bester Spielfilm - eine von sechs Trophäen des Abends.

Neuauflagen
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Für alte Heldenfiguren war es ebenfalls ein gutes Jahr. So durfte Arnold Schwarzenegger gut 30 Jahre nach dem ersten „Terminator“ erneut die muskelbepackte Kampfmaschine geben und rettete in „Terminator: Genisys“ einmal mehr die Welt. Auch ein anderer Action-Klassiker wurde neu aufgelegt: In „Mad Max: Fury Road“ rasten Tom Hardy und Charlize Theron durch ein apokalyptisches Inferno, und Regielegende George Miller bewies, dass man mit 70 noch einen der spektakulärsten Actionfilme eines Jahres vorlegen kann.

Dass der siebte Teil der „Star Wars“-Filmreihe Bestmarken erreichen und „Avatar“ als erfolgreichsten Streifen der Filmgeschichte ablösen würde, war schon durch den Kultstatus und den Hype vorab klar. Doch wie bei etlichen Sequels, Reboots, Remakes und Spin-Offs gilt auch beim „Erwachen der Macht“, dass die Jagd nach Profit durch das Disney-Studio den Kreativen teils das Handwerk gelegt haben könnte.

Ausgerechnet George Lucas, Schöpfer des Weltraummärchens, kritisierte den Film als „Retro“ und sprach von den „weißen Sklavenhändlern“ bei Disney. Er vermisst neue Planeten, neue Raumschiffe – kurzum, eine wirklich neue Geschichte. Und wie wichtig Umsatzzahlen beim „Erwachen der Macht“ waren, zeigte allein die unaufhaltbare Franchise-Maschine: Orangen, Weintrauben, Wasser, selbst Mascara, Rasierer und Lippenstift wurden vorab mit C-3PO, Han Solo und Chewbacca beworben. Disney hatte laut „Forbes“ rund vier Milliarden Dollar investiert. Ob sich nun ähnlicher Erfolg in China einstellt, bleibt abzuwarten.

Auch Depp und Clooney schützen nicht vor Flops
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