Kirch-Mediengruppe Insolvenzverwalter will die Reste zusammenkehren

Mehr als 13 Jahre warten die Gläubiger der insolventen Kirch-Gruppe schon auf ihr Geld. Jetzt sollen die letzten Überbleibsel des einstigen Medienimperiums veräußert werden. Es warten noch Überraschungen.
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Schlusszahlung der Kirch-Media an die Gläubiger. Quelle: dpa
Verstorbener Medienmogul Leo Kirch

Schlusszahlung der Kirch-Media an die Gläubiger.

(Foto: dpa)

MünchenFast anderthalb Jahrzehnte nach der Pleite der Kirch-Mediengruppe will der Insolvenzverwalter des größten Konzernteils die letzten Überbleibsel an die Gläubiger verteilen. Im kommenden Jahr werde voraussichtlich die Schlusszahlung aus der Verwertung von Filmrechten, Beteiligungen und anderem Vermögen der Kirch-Media fließen, teilte Insolvenzverwalter Michael Jaffe am Donnerstag in München mit.

Die Gläubiger, darunter Kirchs früherer Geschäftspartner Axel Springer und mehrere Banken, kommen mit der nun geplanten nächsten Ausschüttung bereits auf eine ungewöhnlich hohe Rückzahlungsquote von 30 Prozent ihrer unbesicherten Forderungen. Und der Wert soll noch steigen. Bei Insolvenzverfahren liegt die Quote nicht selten im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Prozentbereich.

Wenn im dritten Quartal als neunte Abschlagszahlung 200 Millionen Euro an andere Unternehmen und frühere Mitarbeiter fließen, summieren sich die Auszahlungen Jaffe zufolge auf mehr als 1,5 Milliarden Euro. Eine zehnte Überweisung sei ebenfalls noch im laufenden Jahr geplant. Zu Kirchs Reich gehörte unter anderem der TV-Konzern Pro Sieben Sat 1.

Die Film- und Fernsehgruppe von Leo Kirch war 2002 zusammengebrochen - die Erschütterungen in der Banken- und Medienbranche sind bis heute zu spüren. So sitzen der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und mehrere Ex-Vorstände in München als Angeklagte vor Gericht, weil sie in einem Schadenersatzprozess von Kirch gegen die Bank versucht haben sollen, ein anderes Gericht zu täuschen.

Die Protagonisten im Deutsche-Bank-Prozess
Prozessauftakt im Landgericht München
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Das Landgericht München wird am Dienstag Schauplatz für einen Prozess gegen einen derzeitigen und vier frühere Deutsche-Bank-Manager. Die Staatsanwaltschaft wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug in einem besonders schweren Fall vor. Die Anklagebehörde ist überzeugt, dass die Manager vor vier Jahren in einem Prozess um milliardenschwere Schadenersatzforderungen für die Pleite des Medienkonzerns Kirch nicht die Wahrheit gesagt haben. Dadurch wollten sie aus Sicht der Staatsanwaltschaft erreichen, dass die Bank nicht an Kirch beziehungsweise dessen Erben zahlen muss. Die wichtigsten Protagonisten des Prozesses.

Ein Ex-Deutsche-Bank-Chef: Rolf-E. Breuer
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Breuer war von 1997 bis 2002 Vorstandssprecher. Dann wurde er Chef des Aufsichtsrats. 2006 trat er zurück, wofür der Rechtsstreit mit Kirch ein Grund gewesen sein soll. Breuers 2002 in einem Interview geäußerte Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs waren Auslöser für einen jahreslangen Rechtsstreit um Schadenersatz, den die Deutsche Bank 2014 mit einem Vergleich über 925 Millionen Euro beilegte.

Rolf Breuer
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Das Oberlandesgericht München sah es als erwiesen an, dass Breuer vorsätzlich gehandelt und Kirch damit sittenwidrig geschädigt hat, weil die Bank mit Breuer ins Geschäft kommen wollte. Breuer sagte im Prozess aus, der Vorstand hatte damals beschlossen abzuwarten, ob ein Dritter an die Bank herantrete, bevor man mit Kirch über ein mögliches Mandat spreche. Das Gericht sah jedoch genügend Beweise, dass er log.

Der Deutsche-Bank-Co-Chef: Jürgen Fitschen
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Seit 2012 ist Jürgen Fitschen Co-Chef der Deutschen Bank. 2002 zur Zeit des Interviews war er Mitglied des Vorstands. Im Kirch-Prozess sagte er aus, er könne sich an die entsprechende Vorstandssitzung nicht mehr erinnern. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe sich sehr wohl „richtig“ erinnert, sich aber vor Gericht um eine Aussage gedrückt, um der Darstellung der anderen nicht zu widersprechen. Es wäre seine Pflicht gewesen, die Falschaussagen der anderen zu korrigieren. Fitschen ist sich keiner Schuld bewusst und beteuert immer wieder, er habe weder gelogen noch betrogen.

Der Richter: Peter Noll
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Über das Schicksal der fünf Angeklagten entscheidet Peter Noll, Vorsitzender der Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht München I. Der 54-Jährige mit Nickelbrille ist keiner, der sich vor spektakulären Fällen wegduckt: Schon im Siemens-Prozess wegen der schwarzen Kassen mussten hochrangige Manager ihm Rede und Antwort stehen. Für Schlagzeilen sorgte Noll aber vor allem mit dem Verfahren gegen Formel-1-Legende Bernie Ecclestone vergangenen Sommer.

Der Staatsanwalt: Stephan Necknig
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Die Deutsche Bank in Frankfurt: Stephan Necknig wird als Gruppenleiter der Münchener Staatsanwalt die Anklage vor Gericht vertreten. Er sorgte für Schlagzeilen, als er (in seiner damaligen Funktion als Richter) bei einem Nazi-Prozess auf die Pressebank sprang und schreiend ein Handgemenge zwischen einem Neo-Nazi und einem Gerichtsreporter beendete. Als besonders hartnäckige Ermittlerin im Fall „Deutsche Bank“ erwies sich allerdings Oberstaatsanwältin Christiane Serini, die auch die insgesamt 627 Seiten lange Anklage ausgearbeitet hat.

Der zweite Ex-Chef: Josef Ackermann
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Von 2002 bis 2012 war Ackermann Vorstandschef der Deutschen Bank. Heute ist er Chefaufseher der Bank of Cyprus. 2002 war Ackermann im Vorstand fürs Investmentbanking zuständig. Im Kirch-Prozess bestätigte er Breuers Darstellung der Vorbedingung. Außerdem soll ihm bewusst gewesen sein, dass nur Breuers Darstellung den Vorwurf der sittenwidrigen Schädigung Kirchs entkräften konnte. Gegenüber der Staatsanwaltschaft sagte er später, dass er sich inzwischen erinnere, dass es doch keine Vorbedingung gab.

Der Unternehmer, der 2011 starb, machte das Institut für die Pleite verantwortlich. Denn der frühere Bankchef Rolf Breuer hatte öffentlich Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit geäußert. In dem Schadenersatzstreit schloss die Bank mit Kirchs Erben einen 925 Millionen Euro schweren Vergleich - auch davon profitierten die Gläubiger.

  • rtr
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