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Klarnamenpflicht bleibt Echter Name – oder raus aus Facebook

Ein Mensch, ein Name: Facebook verbietet seinen Nutzern, sich mit Pseudonymen anzumelden. Viele Travestiekünstler stehen nun vor der Entscheidung, sich im sozialen Netzwerk umzubenennen – oder ihr Profil zu verlieren.
1 Kommentar
Die Travestiekünstlerinnen Hot Mess, Sister Roma and Heklina hatten mit ihrer Petition Erfolg: Facebook gestattet ihnen weiterhin, auf der Plattform ihre Künstlernamen zu nutzen. Quelle: ap

Die Travestiekünstlerinnen Hot Mess, Sister Roma and Heklina hatten mit ihrer Petition Erfolg: Facebook gestattet ihnen weiterhin, auf der Plattform ihre Künstlernamen zu nutzen.

(Foto: ap)

DüsseldorfWenn Roy Black noch leben würde, müsste er sich in Facebook als Gerhard Höllerich anmelden. Denn das Unternehmen schreibt vor, dass die Nutzer ihre offiziellen Namen verwenden, nicht ihre Pseudonyme. In Amerika hat es deshalb die Profile zahlreicher Travestiekünstler gelöscht. Die Begründung: „Es scheint, als ob du nicht deinen wirklichen Namen verwendest.“

Doch die Szene wehrt sich. So startete die Dragqueen Olivia La Garce eine Petition, die mehr als 22.000 Unterstützer hat. Denn es gehe um mehr als den Namen: „Unsere selbstgewählten Namen sind Teil unserer Identität. Wir haben damit unsere Netzwerke und Fangemeinden aufgebaut. Wenn wir das jetzt ändern, gebe es nichts als Verwirrung“, schreibt La Garce. Um mit den Dragqueens zu reden, lud Facebook zu einem Treffen in seiner Zentrale in Menlo Park – doch an seiner Politik will der Konzern nichts ändern.

Eingeladen waren Szenevertreter wie die Dragqueen Sister Roma, in deren Pass Michael Williams steht. Jetzt musste sie sich auch Facebook unter diesem Namen anmelden. Denn das Netzwerk bleibt dabei, an der Klarnamenspflicht wird nicht gerüttelt. „Der Name, den du verwendest, sollte dein wirklicher Name sein, so wie er auf deiner Kreditkarte, deinem Führerschein oder deinem Studentenausweis angegeben ist“, heißt es in den Richtlinien.

Die Künstler haben nun zwei Wochen Zeit, sich unter ihren richtigen Namen zu melden. Ansonsten werden ihre Profile gelöscht. Das Unternehmen teilte zwar mit, dass das Treffen am Mittwoch sehr konstruktiv gewesen sei, doch der Namensstandard bleibt. Wer alternative Namen angeben möchte, könne das mit verschiedenen „alias“-Optionen tun. „Ich habe Verwandte, die sollen mich nicht über Facebook kontaktieren“, meint dazu die Dragqueen Heklina, die auch bei dem Treffen dabei war.

Facebook damals und heute
facebook daumen
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Ein Leben ohne Facebook ist für viele Internetnutzer mittlerweile unvorstellbar. Das Soziale Netzwerk gehört zu den meistbesuchten Webseiten der Welt, es hat es 1,23 Milliarden aktive Nutzer.

(Foto: dpa - picture alliance)
Zuckerberg jung
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Mark Zuckerberg gründete das mittlerweile milliardenschwere Unternehmen als Student. Als Facebook immer erfolgreicher wurde, brach er seine Universitätslaufbahn ab. Keine schlechte Entscheidung, wie sich später zeigen sollte: 2010 wurde er vom prestigeträchtigen „Time Magazine“ zur Person des Jahres gekürt.

(Foto: dpa - picture alliance)
2004 (Original) Profile
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Die ursprüngliche Profilansicht von 2004 wird nur wenigen Facebook-Nutzern hierzulande bekannt sein: Zunächst war die Plattform den Studenten ausgewählter US-Universitäten vorbehalten. Kurz nach dem Start von Facebook wurde indes ein anderes Soziales Netzwerk mit verblüffend ähnlichem Layout populär: StudiVZ. Facebook warf dem Konkurrenten später vor, Erscheinungsbild und Funktionen abgekupfert zu haben, was das deutsche Unternehmen stets dementierte.

Facebook Chronik
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Dagegen dürfte diese Ansicht auch vielen Facebook-Nutzern in Deutschland bekannt vorkommen: Im Dezember 2011 schaltete das Unternehmen die Chronik (englisch: Timeline) frei. Die Idee dahinter: Mitglieder können ihr Leben chronologisch abbilden, von der Geburt bis heute. Während die Funktion zunächst optional freigeschaltet werden konnte, ist sie seit Herbst 2012 Pflicht – viele Datenschützer kritisierten das, weil sämtliche, auch vermeintlich vergessene Inhalte angezeigt werden. Eine Änderung auch beim Design: Nutzer können nun ein großes Bild im oberen Abschnitt ihres Profils einfügen und ihr Profil individueller gestalten.

mobile then
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Anfangs war Facebook eine Anwendung für Desktop-Computer und Notebooks – die mobile Nutzung war die Ausnahme. Mittlerweile wäre das klobige Design dieser App nicht mehr „up to date“.

mobile now
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Inzwischen hat Facebook die mobile App gründlich überarbeitet. Auch hier steht die Timeline im Mittelpunkt. Das zahlt sich aus: Mittlerweile verdient Facebook mehr als die Hälfte der Werbeumsätze mit Anzeigen auf mobilen Geräten.

Zuckerberg älter
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„Es war bisher eine unglaubliche Reise und ich bin sehr dankbar, ein Teil davon zu sein“, erklärt Zuckerberg zum zehnten Geburtstag seines Unternehmen.

(Foto: dpa - picture alliance)

Facebook betont außerdem, dass die Nutzer Fan-Seiten einrichten können, um unter ihren gewählten Namen online zu sein. Doch die Künstler kritisieren, dass nicht alle Follower erreicht werden, wenn die Seiten nicht kostspielig hervorgehoben würden. Außerdem gehe es um eine Identitätsfrage.

„Gerade in der queeren Szene ist es üblich, verschiedene Namen zu haben. Der Name, der im Pass steht, ist doch nur etwas, was einem die Eltern mal gegeben haben“, sagt der deutsche Liedermacher Prinz Chaos II. Auch er wurde im vergangenen Jahr aufgefordert, seinen offiziellen Namen anzugeben. Seitdem benutzt er einen anderen, ebenfalls erfundenen Namen. Facebook hat ihn bislang nicht entdeckt. „Wer so mit den Daten der Nutzer umgeht, braucht sich nicht zu wundern, wenn diese lieber einen anderen Namen angeben“, meint der Künstler.

Im vergangenen Jahr klagte der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert für das Recht auf Pseudonyme. Doch Facebook gewann, auch in zweiter Instanz: Weil die Daten in Irland sind, greift das deutsche Datenschutzrecht nicht. Facebook darf von seinen Nutzern die echten Namen verlangen.

Die Travestiekünstlerin Sister Roma war nach dem Treffen am Mittwoch trotzdem zuversichtlich. Sie habe anschließend mit Facebook-Mitarbeitern gesprochen, die selbst zur queeren Minderheit gehören, also homosexuell sind. Daraufhin schrieb sie bei Facebook: „Wir haben definitiv Verbündete, die im 'im Innern' arbeiten.“

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1 Kommentar zu "Klarnamenpflicht bleibt: Echter Name – oder raus aus Facebook"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "...Echter Name – oder raus aus Facebook..."

    Oh, das wird aber einige aus der Politik treffen ...

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