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Köpfe der künstlichen Intelligenz (12) Eine App soll ältere Menschen vor Stürzen schützen

Mit ihrem Start-up Lindera will Diana Heinrichs Senioren länger mobil halten. Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Krankenkassen sind interessiert.
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Bevor sie Lindera Anfang 2017 gründete, arbeitete sie sechs Jahre lang bei dem IT-Konzern Microsoft. Quelle: Lindera
Diana Heinrichs

Bevor sie Lindera Anfang 2017 gründete, arbeitete sie sechs Jahre lang bei dem IT-Konzern Microsoft.

(Foto: Lindera)

BerlinEs ist eines der größten Risiken des Älterwerdens: der Sturz. Er ist nicht nur schmerzhaft und kann zu Knochenbrüchen führen, im schlimmsten Fall erwachsen aus einem solchen Unfall komplizierte Folgeerkrankungen.

Unternehmensgründerin Diana Heinrichs weiß das: „Mehr als 30 Prozent der über 65-Jährigen stürzen mindestens einmal jährlich, ab 80 Jahren sind es sogar über 50 Prozent.“ Diese Gefahr will sie mithilfe von Künstlicher Intelligenz abmildern.

Ihr Start-up Lindera soll das Risiko deutlich senken: Heinrichs hat ein Programm für das Smartphone oder Tablet entwickelt, das den Menschen beim Gehen per Video aufzeichnet: „Die Künstliche Intelligenz dahinter erstellt daraus ein dreidimensionales Modell der Bewegung, analysiert es und errechnet, welche Muskeln gestärkt werden sollten.“ Dafür reicht die Kamera des Geräts.

Ein psychosozialer Test gibt zudem Aufschlüsse darüber, wo weitere Risiken drohen – etwa in der Medikation. Zu den Kunden gehören Krankenkassen wie die AOK Nordost, die Caritas und Malteser sowie eine österreichische Klinikkette.

Bevor Heinrichs Lindera Anfang 2017 gründete, arbeitete sie sechs Jahre lang bei dem IT-Konzern Microsoft. Dort lernte sie, wie künstliche Intelligenz in der Lage sein würde, das alltägliche Leben nachhaltig zu verändern. „Ich habe da vieles rund um das Thema maschinelles Lernen von der Pike auf gelernt“, sagt sie. Mit dem Wissen begann sie, sich die Frage zu stellen, was mit der Technologie noch so alles möglich wäre.

Sie wurde fündig, nachdem sie den Konzern verlassen hatte: bei ihrer eigenen Großmutter. Ihre Mutter habe sie über zehn Jahre gemeinsam mit einem Pfleger gepflegt, erzählt Heinrichs. „Und ihr ging es dabei immer gut – da habe ich mich gefragt, was an der Situation meiner Oma so besonders ist, dass es auch anderen helfen könnte?“

Am Ende sei ihr aufgefallen, dass ihre Mutter zusammen mit der Pflegekraft immer systematisch Stolperfallen identifiziert und entfernt hatte – von falsch gestellten Möbeln bis hin zu Medikation durch Psychopharmaka, die bei älteren Menschen oft Schwindel verursachten, erklärt Heinrichs. „Je nach Verfassung haben sie dann immer geschaut, was angepasst werden muss wie etwa Sport, damit meine Großmutter fit blieb.“

Methoden zur Sturzprophylaxe gibt es viele – Heinrichs fand aber keine, die eine umfassende und vielseitig einsetzbare Erleichterung bot: „Es gibt sehr teure Methoden wie Sturzteppiche, die Gangmuster versuchen zu analysieren oder Schrittzähler, aber die sind meist nur unzureichend“, sagt die Lindera-Gründerin. Ein Arzt brauche für eine umfassende Analyse von Gangmuster, Lebensumständen bis hin zur Medikation mehr als 45 Minuten, erläutert Heinrichs.

Maßnahmen ermitteln

Die Lindera-App können Ärzte, Pflegekräfte und pflegende Angehörige nutzen: „Im Anschluss lässt sich dann auch ermitteln, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um das Sturzrisiko zu minimieren“, sagt Heinrichs.

Gerade Pflegeeinrichtungen, die oft horrende Haftpflichtversicherungsprämien zahlen müssen, seien zunehmend an der App interessiert: „Die Dokumentation der Sturzprophylaxe ist regelmäßig ein riesiger Mehraufwand für Pflegekräfte, die doch eigentlich viel besser ihre Zeit mit der Umsetzung der Prävention und den Bewohnern verbringen könnten“, sagt Heinrichs.

Da nur wenige Einrichtungen über Netzabdeckung oder WLAN verfügen, lässt sich die App auch offline nutzen: Die Daten liegen unzugänglich auf dem Handy oder Tablet, wenn es ans Netz geht, werden sie hochgeladen.

Mit ihrer Lösung schaffe sie auch zunehmendes Verständnis bei den Pflegern, erzählt Heinrichs: „Der erste Gedanke ist oft, dass die App Menschen überflüssig machen wird oder ihnen Fachwissen und Expertise streitig macht, das ist aber ganz und gar nicht der Fall.“

Die Analyse mache es am Ende nämlich für die Fachkräfte viel einfacher, geeignete Methoden und Maßnahmen zur Sturzprophylaxe gezielt einzusetzen und Entscheidungen mit Ärzten wie Therapeuten abzustimmen: „Das verändert am Ende vielleicht auch den Blick auf die Künstliche Intelligenz.“ Sturzprävention soll deshalb auch nur das erste Produkt auf der bisherigen Basis sein.

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